Kanu-Streit Wie­sent: BN war­tet nach dem Urteil des Bay­reu­ther Gerichts auf die Klagebegründung

Naturschützer*innen hof­fen auf bes­se­re Rege­lung im näch­sten Jahr

Am 27. Juli 2022 wur­de die Kla­ge des BUND Natur­schutz gegen die Schiff­fahrts­ge­neh­mi­gung an der Wie­sent vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Bay­reuth ver­han­delt. Die Schiff­fahrts­ge­neh­mi­gung des Land­rats­am­tes Forch­heim wur­de für rechts­kon­form erklärt. Das Gericht wies die Kla­ge des BN ab.

Auch die Kla­ge der Kanu­ver­leih­be­trie­be gegen die in der Schiff­fahrts­ge­neh­mi­gung fest­ge­setz­ten Auf­la­gen wur­de vom Gericht abge­wie­sen. Ihr Rechts­an­walt hat­te in der Ver­hand­lung eini­ge Kla­ge­punk­te für erle­digt erklärt.

„Wir hat­ten gehofft, dass das Gericht in der ent­schei­den­den Fra­ge zukunfts­wei­sen­der urteilt. Näm­lich ob euro­pä­isch geschütz­te Arten und Lebens­räu­me, die wie an der Wie­sent in einem amt­lich fest­ge­stellt schlech­tem Zustand sind, ver­bes­sert wer­den müs­sen. Lei­der dür­fen das Land­rats­amt Forch­heim und die Kanu­ver­lei­her zunächst so wei­ter­ma­chen. Immer­hin hat das Gericht für die näch­ste Schiff­fahrts­ge­neh­mi­gung, die bereits 2023 nötig ist, wich­ti­ge Hin­wei­se zur stär­ke­ren Beach­tung der Natur­schutz­re­geln gege­ben“, so Ursu­la Phil­ipp-Ger­lach aus Frank­furt, die den BN als Rechts­an­wäl­tin vor Gericht vertrat.

„Für den Schutz des euro­päi­schen Vogel­schutz­ge­bie­tes und des Flo­ra-Fau­na-Habi­tat-Gebie­tes an der Wie­sent muss mehr getan wer­den als nur den schlech­ten Sta­tus-Quo zu erhal­ten. Wir wer­den uns das schrift­li­che Urteil anse­hen und dann ent­schei­den, was wir machen“, so Dr. Chri­sti­ne Mar­graf, Stell­ver­tre­ten­de Lan­des­be­auf­trag­te des BN und Artenschutzexpertin.

„Ich bin ent­täuscht. Unser jah­re­lan­ger Kampf um Eis­vo­gel und Co. und für eine stär­ke­re Begren­zung des mas­sen­haf­ten Kanu­tou­ris­mus ist bis­lang nicht hono­riert wor­den“, so Dr. Ulrich Buch­holz, 1. Vor­sit­zen­der der BN-Kreis­grup­pe Forchheim.

„Wir hat­ten mit der ersten Kla­ge von 2019 schon erreicht, dass das Land­rats­amt eine EU-Ver­träg­lich­keits­prü­fung machen las­sen muss­te. Die war dann aber unvoll­stän­dig aus­ge­ar­bei­tet. Dann haben wir die nied­ri­gen Was­ser­stän­de in Trocken­jah­ren und die mit dem Kanu­fah­ren ver­bun­de­nen Zer­stö­run­gen von Kies­bän­ken und den dort lai­chen­den Fischen und Neunau­gen ange­pran­gert. Wir haben doku­men­tiert, was alles schief­läuft. Immer hieß es, das sei uner­heb­lich. Scha­de, dass die­ses Vor­ge­hen des Land­rats­am­tes, Kom­merz vor Natur­schutz zu stel­len, nun auch noch bestä­tigt wird“, so Chri­sti­an Kiehr, Vor­sit­zen­der der BN-Orts­grup­pe Wiesenttal-Ebermannstadt.

Der BUND Natur­schutz dankt herz­lich allen, die uns bis­her unter­stützt haben.

Mit­te 2021 hat­te der BUND Natur­schutz erneut Kla­ge gegen die vom Land­rats­amt Forch­heim 2021 erlas­se­ne Schiff­fahrts­ge­neh­mi­gung auf der Wie­sent beim Ver­wal­tungs­ge­richt Bay­reuth ein­ge­legt. Eine erste Kla­ge gegen die Vor­läu­fer­ge­neh­mi­gung von 2019 war mit einem Ver­gleich vor Gericht been­det wor­den, in dem der BN durch­ge­setzt hat­te, dass das Land­rats­amt eine EU-Ver­träg­lich­keits­prü­fung vor­le­gen und den Ver­band im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren betei­li­gen muss. Die Betei­li­gung ließ zu wün­schen übrig. Die 2021 end­lich vor­ge­leg­te Ver­träg­lich­keits­un­ter­su­chung kam zu dem für den BN erstaun­li­chen Ergeb­nis, dass „kei­ne erheb­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen“ durch den gewerb­li­chen Boots­ver­kehr ver­ur­sacht wür­den. Der BUND Natur­schutz hat­te die Gut­ach­ten mit Hil­fe von Fach­leu­ten und der Rechts­an­wäl­tin Ursu­la Phil­ipp-Ger­lach geprüft und kam zu ganz ande­ren Ergeb­nis­sen. Bis­her erreich­te der BN mit sei­nem Vor­ge­hen eine Redu­zie­rung der Ver­leih­kon­tin­gen­te um 30 %. Wegen des gerin­gen Was­ser­stan­des muss­ten die Kanu­ver­lei­her die Strecke Rothen­bühl-Eber­mann­stadt aufgeben.

Der BN will errei­chen, dass das Kanu­fah­ren und der Natur­ge­nuss auf der Wie­sent natur­ver­träg­lich statt­fin­den und die wert­be­stim­men­den Arten wie Eis­vo­gel, Fluß­re­gen­pfei­fer, Bach­neunau­ge und Äsche und die Lebens­räu­me wie die Unter­was­ser­ve­ge­ta­ti­on in einen guten Zustand kom­men. Ein aktu­el­les Gut­ach­ten der Fische­rei­fach­be­ra­tung Ober­fran­ken zur Beein­träch­ti­gung der Fisch­fau­na durch Kanu­be­trieb zeigt, dass hier mehr Schutz­auf­la­gen nötig sind. Die­ses Gut­ach­ten muss künf­tig vom Land­rats­amt ein­be­zo­gen wer­den, ein wei­te­res posi­ti­ves Ergeb­nis des Klageverfahrens.

Bei ande­ren baye­ri­schen Flüs­sen wie der Isar gibt es die­sel­ben Debat­ten – und den­sel­ben Druck zur Rege­lung. Ver­mut­lich braucht es eine Art Kanu­füh­rer­schein, damit alle beim Kanu­fah­ren die Regeln zum Schutz der sen­si­blen Lebens­räu­me ken­nen und auch ein­hal­ten. Hier­bei wird der BN vom Baye­ri­schen Kanu­ver­band unterstützt.

Wie in den vor­he­ri­gen Jah­ren war auch das Jahr 2021 für das Öko­sy­stem der Wie­sent in der Frän­ki­schen Schweiz kein gutes Jahr. Ein erhöh­ter Frei­zeit­druck in Kom­bi­na­ti­on mit nied­ri­gen Pegel­stän­den hat den Druck auf das euro­päi­schen Flo­ra-Fau­na-Habi­tat und das Vogel­schutz­ge­bie­te der Wie­sent dau­er­haft verstärkt.

Etli­che der in der Schiff­fahrts­ge­neh­mi­gung 2021 vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men wie Ein­brin­gung von Tot­holz, grö­ße­ren Stei­nen oder Gehölz­an­pflan­zun­gen wur­den bis­lang nicht umgesetzt.

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