Eis­hockey: Kapi­tän Flo­ri­an Ondrusch­ka im Inter­view über sei­nen Abschied von den Sel­ber Wölfen

Florian Ondruschka Interview Selber Wölfe
Der langjährige Kapitän der Selber Wölfe und Ex-Nationalspieler Florian Ondruschka hat nach der letzten Saison seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt. Mit etwas Abstand spricht er nun nochmal über seine erfolgreiche Karriere. Foto: Mario Wiedel

„Die Zeit war hart, aber unglaub­lich schön“

Vor­zei­ge-Kapi­tän Flo­ri­an Ondrusch­ka sagt Goodbye 

Kapi­tän Flo­ri­an Ondrusch­ka ver­lässt die Sel­ber Wöl­fe nach dem Klas­sen­er­halt in der DEL2 und been­det sei­ne akti­ve Eis­hockey-Kar­rie­re. In einem Inter­view blickt er auf sei­ne Zeit in Selb zurück.

Ein abso­lu­ter Schlüs­sel­spie­ler – auf und neben dem Eis

Der 34-jäh­ri­ge Ver­tei­di­ger galt sowohl sport­lich als auch mensch­lich als Vor­bild. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren zähl­te Ondrusch­ka zu den ent­schei­den­den Lei­stungs­trä­gern und war maß­geb­lich mit­ver­ant­wort­lich für den Auf­stieg und den Klas­sen­er­halt. Sowohl auf als auch neben dem Eis war er für das Team ein ech­ter Lea­der und brach­te mit sei­ner sou­ve­rä­nen Art Ruhe und Dis­zi­plin in die Kabi­ne. Als „ech­ter Sel­ber“ fehl­te es ihm nie an Fit­ness und Lei­den­schaft. Doch nun ist es Zeit, die Schlitt­schu­he an den Nagel zu hängen.

Tho­mas Man­zei: „Flo­ri­an war für uns seit sei­ner Rück­kehr ein abso­lu­ter Schlüs­sel­spie­ler und hat die Erwar­tun­gen, die wir in ihn gesetzt hat­ten, nicht nur erfüllt, son­dern deut­lich über­erfüllt. Lei­der – für uns jedoch abso­lut nach­voll­zieh­bar – hat er nun sei­ne Spie­ler­kar­rie­re beendet.“

Leicht gemacht hat sich Flo­ri­an Ondrusch­ka die Ent­schei­dung sicher nicht. Schon län­ger beschäf­tig­te ihn der Gedan­ke, sei­ne Prio­ri­tä­ten neu zu ord­nen und beruf­lich neue Wege ein­zu­schla­gen: „Ich habe schon im Sep­tem­ber 2021 Tho­mas Man­zei dar­über infor­miert, dass die­se Sai­son sehr wahr­schein­lich mei­ne letz­te als akti­ver Spie­ler sein wür­de. Den end­gül­ti­gen Ent­schluss habe ich dann im Janu­ar 2022 gefasst.“

Die­ser Sport prägt in vie­ler­lei Hinsicht

Jeder Eis­hockey-Pro­fi kommt frü­her oder spä­ter an den Punkt, an dem er sich die Fra­ge stellt: Wie geht es nach der akti­ven Sport­kar­rie­re wei­ter? Die­ser und wei­te­re Grün­de waren für Flo­ri­an Ondrusch­ka aus­schlag­ge­ben­de Punk­te, die Kar­rie­re genau an die­sem Punkt zu been­den: „Zum einen möch­te ich jetzt den Sprung in einen ´nor­ma­len´ Beruf voll­zie­hen. Denn mir ist bewusst, dass die­ser Schritt Immer schwie­ri­ger wird, je mehr Zeit ver­geht. Zum ande­ren sind wir im Vor­jahr Mei­ster gewor­den, haben den ersehn­ten Auf­stieg geschafft. Und ich durf­te mit einem Heim­spiel vor fast 3.000 Zuschau­ern und einem Sieg gegen Bay­reuth abtre­ten. Bes­ser geht es nicht.“

Leicht fal­le ihm der Abschied kei­nes­falls – ein ordent­li­cher Wer­muts­trop­fen sei schon dabei. Kein Wun­der, wenn man bedenkt, dass er – wie die mei­sten Pro­fis – die­sen Sport von Kin­des­bei­nen an und mit gro­ßer Lei­den­schaft gelebt hat. Dabei sei es zunächst gar nicht der Plan gewe­sen, Eis­hockey-Spie­ler zu wer­den. „Mei­ne Eltern haben mich mit vier oder fünf Jah­ren zum Eis­hockey geschickt, damit ich Schlitt­schuh­lau­fen ler­ne. Anschei­nend hat mir Eis­hockey dann eine Men­ge Spaß gemacht und Talent hat­te ich auch – also bin ich dabeigeblieben.“

Und das war eine gute Ent­schei­dung, denn Eis­hockey ist mehr als ein Sport – es ist viel­mehr eine Schu­le fürs Leben, was auch Flo­ri­an Ondrusch­ka bestä­ti­gen kann: „Ich durf­te so vie­le tol­le Erfah­run­gen sam­meln und beson­de­re Men­schen ken­nen­ler­nen. Die­ser Sport hat mich in vie­ler­lei Hin­sicht geprägt. Man lernt unheim­lich viel. Das Umge­hen mit Erfolg und Miss­erfolg bei­spiels­wei­se. Zudem hat­te ich Trai­ner aus aller Her­ren Län­der, dar­un­ter eini­ge wirk­li­che Per­sön­lich­kei­ten. Da kann man sich sehr viel abschau­en, nicht nur auf sport­li­cher Ebe­ne. Es war eine wahn­sin­nig tol­le Zeit, mit vie­len extre­men Situa­tio­nen – posi­tiv wie nega­tiv. Unglaub­lich hart, aber auch unglaub­lich schön.“

Zeit für ein neu­es Kapitel

In der Tat gibt es eini­ge Ereig­nis­se, die dem Kapi­tän in Erin­ne­rung blei­ben wer­den: „Es gab vie­le schö­ne Erleb­nis­se, ins­be­son­de­re der Titel­ge­winn ver­gan­ge­nes Jahr. Aber auch die WM-Teil­nah­me 2012 oder das Län­der­spiel in Selb. Natür­lich waren da auch Rück­schlä­ge und Miss­erfol­ge, bei­spiels­wei­se das ver­lo­re­ne Halb­fi­na­le gegen Deg­gen­dorf oder das ver­lo­re­ne Fina­le gegen Mann­heim. Aber das gehört im Sport lei­der auch dazu.“

Nun wird es Zeit, neue Kapi­tel auf­zu­schla­gen und neue Zie­le anzu­packen – nicht nur in beruf­li­cher Hin­sicht. Auch die kör­per­li­che Fit­ness soll erhal­ten blei­ben: „Ich wer­de Berg­stei­gen, Ski­fah­ren, Lau­fen, etwas Kraft­trai­ning machen – ich möch­te fit blei­ben und mich um mei­ne Fami­lie küm­mern. Da ich BWL stu­diert habe, wer­de ich in die­ser Rich­tung nun beruf­lich Fuß fassen.“

Auch nach sei­ner akti­ven Kar­rie­re will Flo­ri­an Ondrusch­ka wei­ter­ver­fol­gen, wie sich Ver­ein und GmbH die näch­sten Jah­re ent­wickeln wer­den: „Ich wün­sche dem Club alles Gute für die Zukunft, ins­be­son­de­re den Sel­ber Jungs drücke ich die Daumen.“

Er wird eine Lücke hinterlassen

Tho­mas Man­zei fin­det zum Abschied dan­ken­de Wor­te: „Flo­ri­an war über Jah­re der Kapi­tän der Mann­schaft, was er auf und auch neben dem Eis vor­bild­lich ver­kör­per­te. Er hat sie geführt und auch mal mei­nungs­stark ver­tre­ten. Wir wer­den ihn im Krei­se der Mann­schaft sehr ver­mis­sen. Flo wird eine Lücke rei­ßen und uns feh­len, das steht defi­ni­tiv fest. Nicht zu ver­ges­sen ist, dass er in sei­ner akti­ven Zeit bereits seit län­ge­rem im Nach­wuchs unter­stützt und da erfolg­reich Trai­ner­auf­ga­ben über­nom­men hat.“

Ob Ondrusch­ka auch in Zukunft noch eine Rol­le im Ver­ein spie­len könn­te, dar­über gibt es noch kei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung, doch Tho­mas Man­zei lässt hof­fen: „Wir wün­schen uns, ihn für eine Funk­ti­on im Rah­men des Sel­ber Eis­hockeys gewin­nen zu kön­nen und haben uns dar­auf ver­stän­digt, im Lau­fe des Som­mers zusam­men zu set­zen und dar­über zu spre­chen. Auch wenn klar ist, dass sei­ne Spie­ler­kar­rie­re been­det ist, hof­fen wir, Flo­ri­an bleibt uns erhal­ten – in wel­cher Funk­ti­on auch immer.“

Der VER Selb dankt Flo­ri­an Ondrusch­ka für sei­nen jah­re­lan­gen, enga­gier­ten Ein­satz und wünscht ihm für sei­ne Zukunft alles Gute.

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