Blick über den Zaun: Pro­be­be­trieb mit Bat­te­rie-Zug in Fran­ken abgeschlossen

Der Akku-Triebzug von Alstom (Foto: StMB)
Der Akku-Triebzug von Alstom (Foto: StMB)

Pre­miè­re mit Akku-Zügen lie­fert wich­ti­ge Erkennt­nis­se – Bay­erns Ver­kehrs­mi­ni­ster Bern­rei­ter: „Viel Poten­zi­al und wei­te­rer Testbedarf“

Die gut drei­mo­na­ti­ge Pre­miè­re eines Akku-Trieb­zugs des Schie­nen­fahr­zeug­her­stel­lers Alstom in Bay­ern ist abge­schlos­sen. Obwohl der Zug auf­grund von Bat­te­rie­pro­ble­men nicht an allen Tagen wie geplant zwi­schen Plein­feld und Gun­zen­hau­sen im Frän­ki­schen Seen­land im Ein­satz sein konn­te, sieht Bay­erns Ver­kehrs­mi­ni­ster Chri­sti­an Bern­rei­ter Poten­zi­al in die­ser inno­va­ti­ven Tech­nik: „Wir wol­len das Bahn­land Bay­ern bis 2040 kli­ma­neu­tral machen und Die­sel­zü­ge Schritt für Schritt durch emis­si­ons­freie Antrie­be erset­zen. Neben Elek­tri­fi­zie­run­gen testen wir des­halb auch den Ein­satz von Was­ser­stoff- und Bat­te­rie­zü­gen. Der Pro­be­be­trieb im Frän­ki­schen Seen­land hat uns gezeigt, dass sich die Fahr­gä­ste über den kom­for­ta­blen und spurtstar­ken Zug und die Anwoh­ner über einen lei­sen und CO2-frei­en Betrieb freu­en. Der Akku-Zug hat also viel Potenzial.“

Ein beträcht­li­cher Wer­muts­trop­fen ist in Bern­rei­ters Augen jedoch, dass Bat­te­rie­pro­ble­me den Zug davon abhiel­ten, an allen vor­ge­se­he­nen Ein­satz­ta­gen in Bay­ern zu fah­ren. „Die­se Kin­der­krank­hei­ten sind auf der einen Sei­te bedau­er­lich, brin­gen ande­rer­seits aber auch wich­ti­ge Erkennt­nis­se. Unterm Strich zeigt sich, dass unse­re behut­sa­me Stra­te­gie zur Ein­füh­rung die­ser neu­en Zukunfts­tech­nik im baye­ri­schen Bahn­netz rich­tig gewählt ist.“

„Alter­na­ti­ve Antrie­be sind die Zukunft der Mobi­li­tät und Alstom hat das kla­re Ziel, sei­ne inter­na­tio­na­le Füh­rungs­rol­le in die­sem Bereich wei­ter aus­zu­bau­en“, erklärt Müs­lüm Yaki­san, Prä­si­dent der Regi­on DACH bei Alstom. „Der Ein­satz des Bat­te­rie­zugs lie­fert extrem wich­ti­ge Daten aus der Pra­xis. Er belegt ein­drucks­voll, dass unse­re Alter­na­ti­ven Antriebs­tech­no­lo­gien eine effi­zi­en­te und kosten­gün­sti­ge Lösung zur Über­brückung der nicht-elek­tri­fi­zier­ten Lücken im deut­schen Schie­nen­netz bieten.“

Hans­rü­di­ger Fritz, Vor­sit­zen­der der Regio­nal­lei­tung bei DB Regio Bay­ern betont: „Mei­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern haben die Test­fahr­ten viel Freu­de berei­tet. Der Zug war lauf­ru­hig und durch sei­ne Spurtstär­ke beson­ders pünkt­lich unterwegs.“

„Die zahl­rei­chen Daten und Rück­mel­dun­gen aus dem Test­be­trieb erlau­ben posi­ti­ve Rück­schlüs­se auf die gene­rel­le Eig­nung und Zuver­läs­sig­keit von Bat­te­rie­fahr­zeu­gen. Damit stel­len sie eine attrak­ti­ve Alter­na­ti­ve zum Die­sel­be­trieb dar“, erklärt Prof. Bir­git Mili­us vom Fach­ge­biet Bahn­be­trieb und Infra­struk­tur der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin. Der Test­be­trieb in Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg wur­de von der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin im Auf­trag des Bun­des­ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­ums wis­sen­schaft­lich begleitet.

„Der Abschied vom Die­sel ist eine der gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen für den baye­ri­schen Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr“, sagt Bär­bel Fuchs, Geschäfts­füh­re­rin der Baye­ri­schen Eisen­bahn­ge­sell­schaft, die den Regio­nal- und S‑Bahn-Ver­kehr im Auf­trag des baye­ri­schen Ver­kehrs­mi­ni­ste­ri­ums plant, finan­ziert und kon­trol­liert. „Wir wol­len beim Kli­ma­schutz vor­an­ge­hen und haben fest im Blick, wie wir das Bahn­fah­ren im Frei­staat kli­ma­neu­tral machen kön­nen“, betont Fuchs.

Die Fahr­ten, die seit Mit­te Janu­ar wochen­tags auf der Strecke Stutt­gart – Horb und seit Anfang Febru­ar an den Wochen­en­den auf der Strecke Plein­feld – Gun­zen­hau­sen statt­fan­den, waren bun­des­weit die ersten Ein­sät­ze von Akku-Zügen im regu­lä­ren Fahr­gast­be­trieb. Wäh­rend in Baden-Würt­tem­berg der Test­be­trieb auf einer kom­plett elek­tri­fi­zier­ten Bahn­strecke statt­fand, waren in Bay­ern nur die bei­den End­bahn­hö­fe elek­tri­fi­ziert. Wäh­rend der dor­ti­gen Wen­de­zei­ten konn­te der Akku auf­ge­la­den wer­den. Sobald aller­dings min­de­stens zwei der vier Trak­ti­ons­bat­te­rien des Zugs nicht funk­ti­ons­fä­hig waren, muss­te der Pro­to­typ in der Werk­statt blei­ben, weil dann die Reich­wei­te nicht aus­ge­reicht hät­te. Im Ergeb­nis war der Akku-Zug somit an 18 Tagen nicht einsatzfähig.

Der baye­ri­sche Ver­kehrs­mi­ni­ster will den Akku-Zug noch wei­ter im mit­tel­frän­ki­schen Die­sel­netz auf Herz und Nie­ren testen las­sen, sobald die Trak­ti­ons­bat­te­rien repa­riert sind. „Es macht Sinn, auch zusätz­li­che Erfah­rungs­wer­te für den Akku­be­trieb in den hei­ßen Som­mer­mo­na­ten zu sam­meln“, so Bern­rei­ter. Ob dies gesche­hen kann, wird noch zwi­schen dem Frei­staat, DB Regio und Alstom abgestimmt.

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