Forch­heim: Stadt-Kli­ma-Wan­del 21: Regen­was­ser nach­hal­tig nutzen

Rigolen_Klinikum Foto RRP Architekten+Ingenieure München

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Im Rah­men der Akti­on „Stadt-Kli­ma-Wan­del 21 – Impul­se zur Kli­ma­an­pas­sung in Forch­heim“ beleuch­te­te die Kreis­grup­pe Forch­heim des Bund Natur­schut­zes in Bay­ern e. V. (BN) zusam­men mit der Stadt­ver­wal­tung Forch­heim das The­ma „Regen­was­ser nach­hal­tig nut­zen – zu scha­de fürs Kanal­rohr“. Die Über­flu­tun­gen und Hoch­was­ser an Ahr, Erft und Wup­per haben in die­sem Jahr auf dra­ma­ti­sche Wei­se die Fol­gen von zuneh­men­dem Extrem­wet­ter auf­ge­zeigt. Neben Hit­ze­wel­len und Som­mer­trocken­heit wer­den in unse­ren Brei­ten klein­räu­mi­ge Stark­re­gen die Her­aus­for­de­rung bei der Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del sein. Ein ande­rer, an die ver­än­der­ten Kli­ma­be­din­gun­gen ange­pass­ter Umgang mit Regen­was­ser ist notwendig.

In der 5. Schwer­punkt­ver­an­stal­tung der Rei­he „Stadt-Kli­ma-Wan­del 21“ wur­de Pra­xis­bei­spie­len auf­ge­zeigt, wie Regen­was­ser von Dach­flä­chen wie­der in den natür­li­chen Was­ser­kreis­lauf zurück­ge­führt wird. Es dient der Ver­sor­gung von „Grü­ner Infra­struk­tur“, als küh­len­de Ver­dun­stungs­quel­le oder speist letzt­lich das Grund­was­ser und muss nicht im Kanal­rohr „ver­schwin­den“. Diplom Geo­graph Hol­ger Mül­ler von der Pla­nungs­grup­pe Mül­ler, Fron­hau­sen, führ­te mit sei­nem Team durch aus­ge­wähl­te Bei­spie­le im Forch­hei­mer Stadtgebiet:

„Die Phi­lo­so­phie, Regen­was­ser vom Schmutz­was­ser zu tren­nen und in immer grö­ßer wer­den Roh­ren schnell in die Flüs­se abzu­füh­ren, ist Den­ken der 70er, 80er Jah­re. Mit dem Kli­ma­wan­del und der Zunah­me der Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se und hat uns das in eine Sack­gas­se geführt.“

Kli­ni­kum Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz

Schon vor 15 Jah­ren wur­de die Ziel­set­zung, „Ver­sicke­rung von Regen­was­ser vor Ort“ beim Neu­bau des Stand­or­tes Forch­heim des heu­ti­gen Kli­ni­kums Forch­heim-Frän­ki­sche Schweiz umge­setzt. Das Nie­der­schlag­was­ser der Dach­flä­chen wird, unsicht­bar unter dem Pati­en­ten­gar­ten, in sog. Ver­sicke­rungs­ri­go­len wie­der in den Was­ser­kreis­lauf zurück­ge­führt. Tho­mas Mül­ler, tech­ni­scher Lei­ter des Kli­ni­kums erklärte:

„Dadurch spart das Kli­ni­kum jähr­lich über 6300€ an Ein­lei­tungs­ent­geld für Regen­was­ser“. Neben die­ser „nach­hal­ti­gen Regen­was­ser­nut­zung“ wur­den sei­ner­zeit schon die Dächer begrünt und Dach­gär­ten ange­legt. Als Bonus glänzt das Kli­ni­kum noch mit einer Beton­kern­küh­lung, die Gebäu­de und Ein­rich­tun­gen durch Grund­was­ser­nut­zung aus eige­nen Brun­nen kühlt.

Gut „Boder­schnei­der“

Am neu­en erbau­ten Gut „Boder­schnei­der“ von Sabi­ne Hoff­mann wur­de ein ganz ande­rer Weg des Umgangs mit der Res­sour­ce Regen­was­ser gewählt: Auf dem Aus­sied­ler­hof, zwi­schen Burk und dem Pila­tus­cam­pus gele­gen, wird das gesam­mel­te Regen­was­ser der Dach­flä­chen von 580m² in einen 350m³ fas­sen­den Ver­dun­stungs-und Ver­sicke­rungs­teich mit Bio­top­cha­rak­ter gelei­tet. Der Stark­re­gen­über­lauf, des mit Lehm abge­dich­te­ten Tei­ches, mün­det in der san­di­gen Acker­flä­che. Vom Team der Pla­nungs­grup­pe Mül­ler wur­den in der Über­lauf­zo­ne Boden­pro­ben gezo­gen und bewer­tet. Hol­ger Mül­ler erläuterte:

„Regen­was­ser so zu ver­dun­sten und bei Stark­re­gen in sol­che Böden mit besten Ver­sicke­rungs­be­din­gun­gen ein­zu­lei­ten – bes­ser geht nachhaltige
Regen­was­ser­be­wirt­schaf­tung nicht!“ Die­ser Metho­de, Sam­mel­tei­che für Nie­der­schlags­was­ser von Dach­flä­chen als Ver­dun­stungs- und Kühl­flä­chen zu nut­zen, wird in inno­va­ti­ven städ­te­bau­li­chen Kli­ma-Kon­zep­tio­nen auf Cam­pus- und Gewer­be­flä­chen ein­ge­setzt, um damit den Stadtraum
im Som­mer natür­lich zu kühlen.

Der eige­ne Garten

Als drit­tes Bei­spiel wur­de die Ver­sicke­rung durch den Ober­bo­den in Flach­mul­den demon­striert. Bei die­ser ein­fach umzu­set­zen­den Metho­de wird eine fla­che Mul­de aus­ge­ho­ben und anschlie­ßend mit Mut­ter­bo­den und Gras­so­den oder Roll­ra­sen wie­der so bedeckt, dass eine fla­che, max. 30 cm tie­fe Boden­mul­de ent­steht. Abhän­gig von ermit­tel­ten Ver­sicke­rungs­ver­hält­nis­sen, wird für die­se Mul­den etwa 10 – 15 Pro­zent der ange­schlos­se­nen Dach­flä­che benö­tigt. Die genaue Berech­nung erfolgt nach den Vor­ga­ben der Deut­schen Ver­ei­ni­gung Was­ser­wirt­schaft DWA‑A 138. Hol­ger Mül­ler führ­te die Vor­tei­le aus:

„Eine ein­fa­che und pro­blem­lo­se Form der Regen­was­ser­nut­zung in eige­nen Gar­ten. In sim­pel­sten Fall eine Arbeit für einen Tag am Wochen­en­de. Nor­ma­le Regen­men­gen ver­sickern unmit­tel­bar, eine Nut­zung als Spiel- und Frei­zeit­flä­che ist wei­ter­hin gege­ben. Stark­re­gen­was­ser ist nach spä­te­stens 15 Stun­den ver­sickert. Vor­tei­le die­ser Form der Regen­was­ser­nut­zung: die sehr preis­wer­ten Erstel­lungs­ko­sten (fak­tisch in Eigen­lei­stung erstell­bar), Ver­sor­gung des schat­ten­spen­den­den Baum- und Gar­ten­be­wuch­ses mit kosten­frei­em „Bereg­nungs­was­ser“, Kühl­ef­fekt im Som­mer durch die Kalt­luft­bil­dung und, bei Nach­weis des Anschus­ses aller Dach- und Ver­sie­ge­lungs­flä­chen, eine Min­de­rung der Ein­lei­tungs­ent­gel­te. Wird die­ser Form der Regen­was­ser­be­wirt­schaf­tung bei der Bepla­nung von Neu­bau­ge­bie­ten umge­setzt, ver­min­dern sich natür­lich die Pla­nungs- und Erschlie­ßungs­ko­sten für das Trenn­lei­tungs­sy­stem der Regen­was­ser­ab­lei­tung. Für jun­ge Bau­fa­mi­li­en kein gerin­ger Betrag“. Das besuch­te Gar­ten­grund­stück ist in der Kar­tie­rung der Stadt­wer­ke als „Boden mit
gerin­ger Ver­sicke­rung“ aus­ge­wie­sen, wies aber bei der Boden­pro­fil­prü­fung eine mehr als aus­rei­chend Ver­sicke­rungs­fä­hig­keit auf. Ver­hält­nis­se die gemäß Kar­tie­rung in Forch­heim für einen Groß­teil der Wohn­la­gen zutref­fend sein dürften.

BN-Vor­sit­zen­der Dr. Ulrich Buch­holz kom­men­tier­te: „Wer heu­te sein Regen­was­ser noch in den Abfluss lei­tet, ver­gibt die Mög­lich­keit, Was­ser und damit Kosten zu spa­ren!“ Zudem dank­te Buch­holz für die Unter­stüt­zung der Stadt. Das BN-Pro­jekt „Stadt-Kli­ma-Wan­del 21“ wird mit Mit­teln des Bay­ri­schen Staats­mi­ni­ste­ri­ums für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz gefördert.

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