Land­kreis Forch­heim: „Not­brem­se vor dem Aus­ster­ben“ – Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling wird gefördert

Dr. Mirko Wölfling - Projektmanager beim Landschaftspflegeverband Forchheim - erläutert wichtige Grundlagen zur Förderung der Ameisenbläulinge (Foto. A. Niedling).

Dr. Mir­ko Wöl­f­ling – Pro­jekt­ma­na­ger beim Land­schafts­pfle­ge­ver­band Forch­heim – erläu­tert wich­ti­ge Grund­la­gen zur För­de­rung der Amei­sen­bläu­lin­ge (Foto. A. Niedling).

Regie­rung von Ober­fran­ken regt Bio­di­ver­si­täts-Pro­jekt mit dem Land­schafts­pfle­ge­ver­band Forch­heim an. Rest­po­pu­la­tio­nen sol­len erhal­ten und gestärkt wer­den. Koope­ra­ti­ver Natur­schutz steht im Zentrum.

Sie sind sehr sel­ten gewor­den und gehö­ren zu den am höch­sten geschütz­ten Tier­ar­ten Deutsch­lands – die Amei­sen­bläu­lin­ge. Sowohl der Hel­le als auch der Dunk­le Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling kom­men noch in der Umge­bung von Forch­heim und Neun­kir­chen vor. Nun sol­len die geschrumpf­ten Bestän­de zusam­men mit den Land­wir­ten und Land­wir­tin­nen sowie den Kom­mu­nen erhal­ten und geför­dert werden.

Amei­sen­bläu­lin­ge zu unter­stüt­zen ist jedoch nicht ein­fach. Die Tie­re leben in kom­pli­zier­ten Drei­ecks­be­zie­hun­gen, denn für die Fort­pflan­zung brau­chen die Tie­re zwei Part­ner mit spe­zi­el­len Ansprü­chen: Zum einen legen die Weib­chen ihre Eier aus­schließ­lich in die jun­gen Blü­ten­köp­fe des Wie­sen­knop­fes, an denen die Lar­ven anfangs fres­sen. Zum ande­ren wer­den ganz bestimm­te Amei­sen­ar­ten benö­tigt, von deren Brut sich die Rau­pen spä­ter in ihrer Ent­wick­lung ernäh­ren. Die­ses „Bezie­hungs­dra­ma“ kann daher aus­schließ­lich auf Feucht­wie­sen und wech­sel­feuch­ten Wie­sen gesche­hen, auf denen sowohl der Wie­sen­knopf als auch die Wirts­amei­se vorkommen.

Die­ser Lebens­raum steht nun bei neu­en Kon­zep­ten und fri­schen Ideen im Fokus. Zu den Maß­nah­men sol­len mit­un­ter die Ver­net­zung geeig­ne­ter Lebens­räu­me sowie die För­de­rung eines klein­struk­tu­rier­ten Bio­top­mo­sa­iks zäh­len. Das Gan­ze kann natür­lich nur zusam­men mit den Flä­chen­be­wirt­schaf­tern und ‑bewirt­schaf­te­rin­nen funk­tio­nie­ren. Ihnen win­ken finan­zi­el­le Prä­mi­en, wenn der Zeit­punkt der Mahd dem Ent­wick­lungs­zy­klus der sel­te­nen Fal­ter ange­passt wird. Alle Maß­nah­men sind frei­wil­lig und sol­len sowohl der Natur, als auch den Betrie­ben die­nen. Kom­mu­ni­ka­ti­on und Zusam­men­ar­beit stel­len in die­sem vom Baye­ri­schen Umwelt­mi­ni­ste­ri­um geför­der­ten Pro­jekt die wich­tig­ste Grund­la­ge dar.

Dar­über hin­aus wird auch ein beson­de­res Augen­merk auf die Öffent­lich­keits- und Bil­dungs­ar­beit gelegt. Für Schu­len und Ver­bän­de gibt es dann attrak­ti­ve Ange­bo­te zum Mit­ma­chen. Exkur­sio­nen und Vor­trä­ge ste­hen dabei eben­so auf dem Plan wie „Citi­zen Sci­ence Pro­jek­te“ und Ausstellungen.

Als Start­schuss für das Pro­jekt wer­den die Vor­kom­men der bei­den Tier­ar­ten 2021 kar­tiert, um ein kla­res Bild vom Ist­zu­stand zu erhal­ten. Schmet­ter­lings­spe­zia­li­sten wer­den zu die­sem Zweck bald mit Reiß­brett und Foto­ap­pa­rat bewaff­net die Wie­sen begut­ach­ten. Neben den Fal­tern wer­den dabei auch die Bestän­de des Wie­sen­knop­fes sowie der Wirts­amei­sen erfasst. Ger­ne wer­den auch Hin­wei­se der Bevöl­ke­rung zum Vor­kom­men der bei­den Fal­ter­ar­ten sowie des Gro­ßen Wie­sen­knop­fes entgegengenommen.

Für das Pro­jekt­ma­nage­ment hat der LPV Forch­heim den Popu­la­ti­ons­öko­lo­gen und Schmet­ter­lings­spe­zia­li­sten Dr. Mir­ko Wöl­f­ling ein­ge­setzt. Sei­ne wis­sen­schaft­li­che Unter­stüt­zung wird nicht nur bei der Aus­wer­tung der Kar­tie­run­gen und Flä­chen­er­fas­sung zum Ein­satz kom­men, son­dern z.B. auch bei der Erstel­lung von betriebs­ge­rech­ten Pfle­ge­kon­zep­ten. Neben der fach­li­chen Sei­te wird er zudem auch Schnitt­stel­le zwi­schen Land­wirt­schaft, Bür­gern und Bür­ge­rin­nen, Kom­mu­nen und dem LPV sein.

Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf der Blüte des Großen Wiesenknopfes (Foto: Rotraud Krüger).

Dunk­len Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling auf der Blü­te des Gro­ßen Wie­sen­knop­fes (Foto: Rot­raud Krüger).

Im Pro­jekt mit dabei ist auch die Unte­re Natur­schutz­be­hör­de, allen vor­an Lau­ra Söll­ner, seit letz­tem Jahr Bio­di­ver­si­täts­be­auf­trag­te am Land­rats­amt Forch­heim. Als Land­wir­tin kennt sie die Anlie­gen der Flä­chen­nut­zer und ‑nut­ze­rin­nen und konn­te schon vie­le zum Ein­stieg ins Amei­sen-Bläu­lings-Pro­gramm über Ver­trags­na­tur­schutz (VNP) überzeugen.

Wich­ti­ge Part­ner im Pro­jekt sind wei­ter­hin die Natur­schutz­ver­bän­de, ins­be­son­de­re der Bund Natur­schutz, der u.a. sein Fach­wis­sen über Vor­kom­mens­schwer­punk­te die­ser bei­den Fal­ter-Arten mit ins Pro­jekt einbringt.

Mit dem neu­en Bio­di­ver­si­täts-Pro­jekt „Wie­sen­knopf-Amei­sen­bläu­ling im Land­kreis Forch­heim“ prä­sen­tiert sich der LPV erneut als wich­ti­ger Trä­ger zukunfts­wei­sen­der Artenschutzbemühungen.

Das Pro­jekt ist vor­erst bis Ende 2022 ter­mi­niert. Ein­ge­plant sind etwa 90.000 Euro für die­sen Zeit­raum. Alle Maß­nah­men wer­den mit staat­li­chen Mit­teln über die Regie­rung von Ober­fran­ken gefördert.

Dr. Mir­ko Wöl­f­ling und Andre­as Niedling

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