Haus­halts­re­de B´90/Die Grü­nen im Stadt­rat Peg­nitz am 7.7.2021

Susanne Bauer © privat
Susanne Bauer © privat

(Es gilt das gespro­che­ne Wort)

Sehr geehr­ter Herr Bürgermeister,
Lie­be Kolleg*innen und Kol­le­gen im Stadtrat,
Sehr geehr­te Mit­glie­der der Verwaltung,
Sehr geehr­te Vertreter*innen der Presse

Heu­te möch­te ich mei­ne erste Haus­halts­re­de als Grü­ne Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de hal­ten – in der letz­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode war unse­re Dr. San­dra Huber als ein­zi­ge Grü­ne im Rat eben auch die, die die­se Auf­ga­be erfüll­te: nun – wir freu­en uns – und sie darf sich als 2. BM für die näch­sten 10 Minu­ten zurück­leh­nen. Bevor wir nun in den inhalt­li­chen Teil star­ten, möch­te ich zwei Din­ge anmerken:

ich bin gern Teil die­ses Gre­mi­ums – auch wenn wir nicht immer den Dis­kurs da fort­füh­ren, den wir für not­wen­dig hiel­ten, aber es gelingt, trotz der schwie­ri­gen Bedin­gun­gen sich mit neu­en und erfah­re­nen Rät*innen zusam­men­zu­fin­den, immer wie­der Arbeits­bünd­nis­se her­zu­stel­len, wie gemein­sa­me Antrags­stel­lun­gen zeigen.

– und ‑und das ist heut­zu­ta­ge unge­mein wich­tig, fast wich­ti­ger als Inhal­te: ich wer­de aus ver­schie­de­nen Quel­len zitie­ren: aus den ver­gan­ge­nen Haus­halts­re­den, aus dem Isek, aus der UN BRK, dem Grund­ge­setz und ganz bestimmt aus Grü­nen Programmen.

Wir wol­len also heu­te einen Haus­halt ver­ab­schie­den, im Juli des Jah­res, für den die­ser Plan gel­ten soll. Das ist spät, ja und es ist zu emp­feh­len bald mit den näch­sten Pla­nun­gen zu begin­nen- und doch hei­ßen wir es im Gro­ßen und Gan­zen gut so, wie sei­tens BM und Ver­wal­tung mit uns her­an­ge­gan­gen wird: vie­le Fra­gen wur­den gestellt, vie­le Zah­len und Über­sich­ten wur­den zur Ver­fü­gung gestellt und in so man­chen Win­kel wur­de Licht gebracht: so klär­te sich so manches,

- ein Bei­spiel mag die Per­so­nal­si­tua­ti­on sein bei der von Über- bis Unter­deckung aller­lei ver­mu­tet wur­de – dies ist nicht gege­ben: die Ana­ly­se von Rödl &Partner zeig­te dies, bei Zuord­nun­gen zu Auf­ga­ben sind durch­aus Anpas­sungs­be­dar­fe vor­han­den – das bringt einer­seits der Wan­del der Zeit mit Digi­ta­li­sie­rung und ver­än­der­ten Vor­ga­ben und Vor­ha­ben mit sich. Auch sind Chan­cen zur bes­se­ren Per­so­nal­pla­nung – und Ent­wick­lung zu ergrei­fen: ein Bei­spiel hier­für sind Ver­tre­tun­gen für Eltern­zeit – auch hier­für ist die gelie­fer­te Ana­ly­se von Auf­ga­ben hilf­reich – der zu nut­zen und in einen Umset­zungs­plan zu über­set­zen ist, um Wir­kung ent­fal­ten zu können.

Kom­men wir zu den Problemzonen:

Wir haben als Kom­mu­ne die Auf­ga­be bis 2045 kli­ma­neu­tral zu werden:

- laut Welt­kli­ma­rat bedeu­tet dies: „eine Kom­mu­ne gilt dann als kli­ma­neu­tral, wenn deren C02-Aus­stoß ein bis zwei Ton­nen pro Jahr und Ein­woh­ner beträgt. Zuletzt frei­lich lag der durch­schnitt­li­che CO2-Aus­stoß der Kom­mu­nen im Land bei 6,8 Ton­nen.“ Es liegt also eine Men­ge Arbeit vor uns, auch Rechen­ar­beit, denn nur mit dem Pflan­zen von Bäu­men oder ein­zel­nen PV- Flä­chen auf unse­ren Dächern wer­den wir das nicht errei­chen – das Solar­ka­ta­ster des Land­rats­amts in Kom­bi­na­ti­on mit gutem Rat in Sachen Mie­ter­strom­ver­trä­ge und Bün­del­aus­schrei­bun­gen für pri­va­te Hauseigentümer*innen wie in Ebers­berg bereits umge­setzt, wären wei­te­re Schrit­te in die rich­ti­ge Rich­tung. Und gut, dass wir bereits eini­ge Wind­rä­der haben, die sich auch jetzt schon mit 213.000€ Einnahmen/​Jahr sehen las­sen kön­nen – wei­te­res Enga­ge­ment in Rich­tung Wind­ener­gie- aber dann in Bür­ger­hand und mit Stadt­wer­ken, soll­ten wir unbe­dingt prüfen.

Vor­han­de­ne Res­sour­cen nutzen:

  • das gilt für bereits durch­ge­führ­te Ana­ly­sen, wie das ISEK, dem Ener­gie­nut­zungs­plan, etc.
  • das gilt für unse­re Flä­chen: Boden ist ein end­li­ches Gut und die Kon­kur­renz ist groß: für Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on, für Ener­gie­ge­win­nung, inter­kom­mu­nal mit Gewer­be­steu­ern, mit Ansied­lung, als Aus­gleichs- und Ver­sicke­rungs­flä­che, für Natur‑, Arten- und Kli­ma­schutz Moder­ne Ver­wal­tung: Abläu­fe wer­den effi­zi­en­ter und trans­pa­ren­ter, Bedar­fe an Digi­ta­li­sie­rung und Pro­zess­op­ti­mie­rung wer­den nun ange­packt: das ist zu begrü­ßen und wir wer­den die Pro­zes­se beglei­ten – denn das ein­zig ste­te ist der Wandel.
  • inter­kom­mu­na­le Lei­stun­gen so ein­prei­sen, dass Peg­nitz nicht dabei draufzahlt.
  • Res­sour­cen zu nut­zen, das gilt eben­so für das Enga­ge­ment unse­rer Pegnitzer*innen: auch für den Kli­ma­bei­rat haben sich vie­le Men­schen gefun­den, aus ganz unter­schied­li­chen Lebens­be­rei­chen, die inter­es­siert sind an einer Mit­ar­beit: für den Bei­rat gibt es viel zu tun und es ist uns ein Anlie­gen das Gre­mi­um nicht zu über­frach­ten – wir wer­den unse­ren Teil der Arbeit im Rat dazu bei­tra­gen: Mobi­li­tät, Bau­en, Hei­zen, Ener­gie­ge­win­nung, Wirt­schaft, Bäu­me und Wald, das sind nur ein paar The­men, mit denen es sich zu befas­sen gilt.

Wir haben mit eini­gen Bau­stel­len zu kämpfen:

Das Cabrio­sol frisst Arbeits-Zeit und Ener­gie und ver­liert dabei immer wie­der sau­be­res Was­ser: ein Bad an sich, mit Innen- und Außen­be­reich und mit Sau­na, dage­gen ist nichts ein­zu­wen­den- Schwim­men ler­nen ret­tet Leben, Schwim­men hält gesund, eben­so das Sau­nie­ren: die Kosten, die wir uns hier im Gesund­heits­sy­stem für Behand­lun­gen und für krank­heits­be­ding­te Aus­fäl­le spa­ren sind schwer zu bezif­fern und vor allem schwer gegen­zu­rech­nen, führt man die Logik von Ren­ta­bi­li­tät jen­seits ein­zel­ner Finanz­töp­fe fort. Die Errich­tung eines Bads als Pre­sti­ge­ob­jekt, das ist es, was uns die wah­ren Kosten beschert und vie­le ande­re Pro­jek­te in wei­te Fer­ne rückt.

Eini­ge Ent­schei­dun­gen sind zu tref­fen: über die Betriebs­form, über die Betriebs­füh­rung und auch über die Schwer­punkt­set­zung- dar­über war man sich auch vor aktu­ell vor­lie­gen­der Antrags­stel­lung im Rat einig.

Zen­tral für unse­re Ent­wick­lung als Stadt und für Kli­ma­neu­tra­li­tät ist Mobilität:

Wir haben als Gre­mi­um die Mög­lich­keit uns an unse­ren vor­han­de­nen Kon­zep­ten und bereits erfass­ten Bedar­fen in der Rad­we­ge­ent­wick­lung zu ori­en­tie­ren anstatt auf Zuruf hier und da los­zu­bau­en. Die Mobi­li­täts­sta­ti­on am Bahn­hof ist bereits geplant. Im Haus­halt vor­ge­se­hen mit 50.000€. Es gibt aktu­ell För­de­run­gen für den Rad­ver­kehr, die schnell abge­grif­fen wer­den soll­ten, um die­sen Eigen­bei­trag noch geziel­ter ein­set­zen zu können.

Der Erhalt vor­han­de­ner Infra­struk­tur, Sanie­rungs­be­dar­fe und Inve­sti­ti­ons­staus, das ist etwas, das uns tat­säch­lich Sor­gen berei­ten soll­te: Stra­ßen­decken, Kanal­roh­re, Brücken… Vie­les davon wur­de hin­aus­ge­scho­ben, nun irgend­wann las­sen sich Din­ge nicht mehr schie­ben, dann muss gehan­delt wer­den. Zugleich bau­en wir wei­ter. Hier und da und dort. Wir rin­gen mit Bau­plät­zen um Bevöl­ke­rungs­zu­wachs, doch die Demo­gra­fie und der Wan­del in der Arbeits­welt (mit befri­ste­ten Ver­trä­gen und dem Ham­ster­rad der Fle­xi­bi­li­sie­rung) und der ein­her­ge­hen­den Ver­än­de­rung von Lebens­ent­wür­fen lässt sich nicht mit Bau­ge­bie­ten auf­hal­ten: Vie­les über­steigt die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten einer Kom­mu­ne: und mit Vie­lem wer­den Kom­mu­nen allein gelas­sen- was uns aber ganz sicher bleibt, das sind die Fol­gen für Natur und Umwelt und damit für uns- aber noch viel här­ter für unse­re fol­gen­den Genera­tio­nen: sie zah­len die Zeche, denn auf immer weni­ger Schul­tern wer­den immer mehr Lasten gelegt.

Und ja, uns ist die Debat­te wirk­lich wich­tig: wir müs­sen als Stadt­rat ent­schei­den, was wir wirk­lich wol­len, was wir lang­fri­stig und über Legis­la­tur­pe­ri­oden hin­weg wollen:

  • die Bau­ten von heu­te bedeu­ten jahr­zehn­te­lan­ge Ver­pflich­tung. Wenn wir den Donut-Effekt und die wei­te­re Zer­sie­de­lung ernst­haft begren­zen wol­len, müs­sen wir gemein­sam ande­re Wege fin­den als bis­her – die bis­he­ri­gen und durch­aus vor­han­de­nen Bemü­hun­gen dahin­ge­hend fruch­ten nicht. Dies ist auch ein Appell an die Grundstücksbesitzer*innen und Eigentümer*innen von Wohn- und Geschäfts­flä­chen die­se zur Ver­fü­gung zu stel­len. Eigen­tum ver­pflich­tet. Und wenn wir dar­auf war­ten, dass die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung mit ihrem Ankün­di­gungs­mi­ni­ster­prä­si­den­ten das Pro­blem für uns mit ihrer Flä­chens­par­of­fen­si­ve löst, dann war­ten wir noch wer weiß wie lang.
  • Ganz beson­ders rele­vant ist das eben auch in finan­zi­el­ler Hin­sicht: neue Stra­ßen und Gebäu­de ste­hen in 30–40 Jah­ren zur Sanie­rung an, dann, wenn unse­re Kin­der nicht nur durch Ren­ten­zah­lun­gen bela­stet wer­den, son­dern auch noch durch Klimafolgen…
  • Bei unse­ren Inve­sti­tio­nen soll­ten immer die Lebens­zeit­ko­sten und die Fol­gen bedacht sein.

Was uns dar­über hin­aus beson­ders wich­tig ist:

  • Wald- und Baumschutz
    es gilt also sorg­sam mit Bäu­men und Wald umzu­ge­hen und auch hier ist die Zeit­ach­se lang- heu­te gepflanz­te Bäu­me ent­fal­ten ihre Wir­kung als CO2Speicher, als Sauer­stoff­pro­du­zen­ten und Schat­ten­spen­der und in der Feuch­tig­keits­re­gu­la­ti­on auch erst über Jahr­zehn­te: unse­re Anträ­ge zie­len auf den Schutz die­ser Res­sour­cen ab und wir wer­den dis­ku­tie­ren müs­sen, ob wir mehr Mit­tel für Baum- und Wald­pfle­ge auf­brin­gen und wie wir auch unse­ren Wald schüt­zen und nut­zen wollen.
  • Die Jugend von heute …
    soll­te end­lich die Jugend­räu­me bekom­men, für die die heu­ti­gen Mit­drei­ßi­ger sich schon ein­setz­ten. Auch das ist ein wesent­li­cher Aspekt wei­cher Stand­ort­fak­to­ren: Raum für Jugend, Kin­der- und Jugend­ar­beit, die ein Her­an­wach­sen und sich Erpro­ben ermög­li­chen. Dafür braucht es heu­te, mit dem Blick auf das Pan­de­mie­ge­sche­hen eine beson­de­re Sen­si­bi­li­tät und Jugend­pfle­ge, dar­über hin­aus ist ein*e Jugend­be­auf­trag­te sinn­voll: das, was man sich mit guter Jugend­ar­beit spart ist in einem Haus­halt nicht abzubilden.
  • Kin­der­be­treu­ung:
    Es ist wich­tig und gut, dass der wei­te­re Aus­bau erfolgt, auch, dass neue Trä­ger zum Zuge kom­men. Stand­ort und Bau­wei­se aber auch das Kon­zept für das neue Haus für Kin­der sind noch ergeb­nis­of­fen zu dis­ku­tie­ren. Inklu­si­on, Inte­gra­ti­on, Wald­kin­der­gar­ten, hier haben wir die Chan­ce Not­wen­di­ges mit Nütz­li­chem zu verbinden.
  • Bar­rie­re­frei­heit und Inklusion:
    unse­re Aus­ga­ben sind auch dahin­ge­hend zu betrach­ten, ob sie der UN-BRK ent­spre­chen, dem Recht auf Teil­ha­be: „Bay­ern bar­rie­re­frei 2023 – im gesam­ten öffent­li­chen Raum und im gesam­ten ÖPNV“ dass das knapp wird ist heu­te schon klar und wenn wir wol­len, dass die Bedar­fe vor Ort in unse­re Umset­zungs­plä­ne ein­flie­ßen, ist es sinn­voll die Men­schen zu betei­li­gen, die damit befasst sind, zum Bei­spiel mit einem Inklu­si­ons­bei­rat: Bar­rie­ren sind eben auch nicht nur bau­lich zu bear­bei­ten, son­dern bei­spiels­wei­se auch im Inter­net­auf­tritt der Stadt und ihren Ein­rich­tun­gen. Die Chan­cen die in der Digi­ta­li­sie­rung lie­gen, sind dabei für alle von Nut­zen: Zugriff auf For­mu­la­re, die Mög­lich­keit digi­ta­ler Antrags­stel­lung und Abwick­lung online – das ent­la­stet auch die Verwaltung.
  • Feu­er­wehr
    Hier wird ehren­amt­lich und unter hohem per­sön­li­chen Ein­satz sehr viel gelei­stet: die Fach­lich­keit in die­sem Ehren­amt ist bei der hohen Ein­satz­be­reit­schaft nicht hoch genug zu schät­zen. Mit der aktu­el­len Bedarfs­pla­nung ist jedoch auch deut­lich gewor­den, dass mehr Koor­di­na­ti­on not­wen­dig ist, damit Syn­er­gie­ef­fek­te tat­säch­lich zum Tra­gen kom­men. Richt­li­ni­en für die Ent­schei­dungs­fin­dung wür­den die Gleich­be­hand­lung för­dern und sind drin­gend notwendig.
  • Eis­sta­di­on
    Es ist wich­tig, dem Pro­jekt eine Chan­ce zu geben. Wir sehen hohe Hür­den, die finan­zi­el­le Sei­te ist das Eine, die Her­aus­for­de­rung ein kli­ma­neu­tra­les Eis­sta­di­on zu bau­en, das andere…
  • Kon­so­li­die­rung
    Die Kon­so­li­die­rung selbst ist ein zwei­schnei­di­ges Schwert: Die Hand­lungs­spiel­räu­me sind enorm eng und ob kurz­fri­sti­ge Spar­maß­nah­men den gewünsch­ten nach­hal­ti­gen Effekt brin­gen, das ist kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Die Art der Ent­schei­dungs­fin­dung im Gre­mi­um in den letz­ten Jahr­zehn­ten hat ursäch­lich damit zu tun, dass sich für eine Kon­so­li­die­rung ent­schie­den wur­de: bei den teils bit­te­ren Spar­zwän­gen liegt dar­in auch eine Chan­ce: die kri­ti­sche Betrach­tung und offe­ne Dis­kus­si­on eines trans­pa­ren­te­ren Haus­halts, aber auch die neue Per­so­nal­si­tua­ti­on ermög­li­chen nun eine ande­re Art zu Pla­nen und zu Entwickeln.

Wir wer­den dem Haus­halts­plan zustim­men, auch wenn es eini­ge Punk­te gibt, die wir auf der Tages­ord­nung sehen.

Vie­len Dank für den Ein­satz in der Ver­wal­tung: die­ser ging an so man­cher Stel­le über das übli­che Maß hin­aus und wir wis­sen dies zu schätzen.

Damit schlie­ße ich und bean­spru­che ins­be­son­de­re etwai­ge Kom­ma­feh­ler allein für mich, soll­te es zu Zita­ten kommen.

Für die Frak­ti­on B´90 Die Grünen
Susan­ne Bauer

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