Sonn­tags­ge­dan­ken: Mensch, steh wie­der auf

Aus dem hei­li­gen Evan­ge­li­um nach Markus

In jener Zeit fuhr Jesus im Boot an das ande­re Ufer des Sees von Gali­läa hin­über und eine gro­ße Men­schen­men­ge ver­sam­mel­te sich um ihn. Wäh­rend er noch am See war, kam einer der Syn­ago­gen­vor­ste­her namens Jai­rus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und fleh­te ihn um Hil­fe an; er sag­te: Mei­ne Toch­ter liegt im Ster­ben. Komm und leg ihr die Hän­de auf, damit sie geheilt wird und am Leben bleibt! Da ging Jesus mit ihm. Unter­wegs kamen Leu­te, die zum Haus des Syn­ago­gen­vor­ste­hers gehör­ten, und sag­ten zu Jai­rus: Dei­ne Toch­ter ist gestor­ben. War­um bemühst du den Mei­ster noch län­ger? Jesus, der die­se Wor­te gehört hat­te, sag­te zu dem Syn­ago­gen­vor­ste­her: Fürch­te dich nicht! Glau­be nur! Sie gin­gen zum Haus des Syn­ago­gen­vor­ste­hers. Als Jesus den Tumult sah und wie sie hef­tig wein­ten und klag­ten, trat er ein und sag­te zu ihnen: War­um schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestor­ben, es schläft nur. Da lach­ten sie ihn aus. Er aber warf alle hin­aus und nahm den Vater des Kin­des und die Mut­ter und die, die mit ihm waren, und ging in den Raum, in dem das Kind lag. Er fass­te das Kind an der Hand und sag­te zu ihm: Talí­ta kum!, das heißt über­setzt: Mäd­chen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mäd­chen auf und ging umher. Es war zwölf Jah­re alt. Die Leu­te waren ganz fas­sungs­los vor Ent­set­zen. Doch er schärf­te ihnen ein, nie­mand dür­fe etwas davon erfah­ren; dann sag­te er, man sol­le dem Mäd­chen etwas zu essen geben.

Pfarrer Klaus Weigand (rechts) mit Urmel ...

Pfar­rer Klaus Wei­gand (rechts) mit Urmel …

„Aus Feh­lern lernt man!“ und „Aus Feh­lern wird man klug!“, das haben mich mei­ne Eltern immer wie­der gelehrt. Bestimmt ging es Ihnen auch so, lie­be Freun­de. Immer wie­der tref­fen wir in unse­rem Leben Ent­schei­dun­gen, und bei man­chen mer­ken wir erst im Nach­hin­ein, dass sie falsch gewe­sen sind.

Nun kann man den Kopf in den Sand stecken oder aber aus den fal­schen Ent­schei­dun­gen, aus den Feh­lern lernen.

Viel­leicht haben Men­schen des­we­gen so viel Angst, sich zu ent­schei­den, weil sie immer dar­an den­ken müs­sen, sie könn­ten sich falsch ent­schei­den. Aber davon bin ich über­zeugt: Kei­ne Ent­schei­dung ist so schlecht und so falsch, wie die, die man gar nicht getrof­fen hat. Unser gan­zes Leben ist eine Ent­wick­lung. Und dazu gehö­ren immer wie­der Ent­schei­dun­gen. Trifft man aber nie eine, dann ist es so als wenn man alles vor sich hin wach­sen, vor sich hin däm­mern lie­ße. Dann ent­wickeln sich die Din­ge zum einem Wild­wuchs, nei­gen zum Wuchern und Aus­ufern statt sich zum Guten zu ver­än­dern. Und häu­fig kommt dann alles ande­re dabei her­aus, als das, was man eigent­lich gewollt hat.

Wer Angst davor hat, Feh­ler zu machen, und des­halb gar nichts tut, der hat am Ende nicht etwa nichts gemacht – häu­fig hat er genau durch sein Nichts-Tun, alles kaputt gemacht.

Das Schlimm­ste, das einem pas­sie­ren kann, wenn man eine fal­sche Ent­schei­dung trifft, ist, dass man auf die Nase fällt. Das kann pas­sie­ren, und das pas­siert auch, und das tut weh. Und dann wie­der auf­zu­ste­hen und wei­ter zu machen, auf­zu­ste­hen und noch ein­mal zu begin­nen, das ist dann noch viel härter.

„Mäd­chen, ich sage dir, steh auf!“, sagt Jesus im Evan­ge­li­um zu einem Mäd­chen, das offen­bar gestor­ben ist, das am Boden liegt.

Und genau das will er auch Ihnen, mir, jedem von uns zuru­fen: „Ich sage dir, steh auf. Steh auf und geh dei­nen Weg. Steh auf, auch wenn du hin­ge­fal­len bist, wenn du eine fal­sche Ent­schei­dung getrof­fen hast!“

Natür­lich kann es vor­kom­men, dass ich es allein nicht schaf­fe. Manch­mal brau­che ich jeman­den, der mich, wie Jesus das Mäd­chen, an der Hand nimmt und mir auf­hilft. Des­halb wün­sche ich Ihnen Men­schen, die nicht war­ten, bis Sie kom­men und um Hil­fe bit­ten, son­dern die Ihnen ein­fach die Hand rei­chen und Ihnen auf­hel­fen. Ich wün­sche Ihnen Men­schen, die noch spü­ren, wenn es Ihnen nicht gut geht, dass sie am Boden lie­gen und die dann auf sie zuge­hen und Ihnen auf die Bei­ne hel­fen, Men­schen, die Ihnen die Hand entgegenstrecken.

„Mensch, komm, ich sage dir steh auf.“

Dass wir aber auch ande­ren auf­hel­fen, ande­ren Mut machen und nicht lan­ge über­le­gen, ob es denn rich­tig sei, zu hel­fen, das wün­sche ich Ihnen und uns allen.
Feh­ler zu machen, ist noch kein Bein­bruch. Hin­zu­fal­len ist noch nicht das Ende. Ich brau­che nur die Kraft – oder die Hil­fe – noch ein­mal auf­zu­ste­hen; und das immer wie­der neu.

So wün­sche ich Ihnen einen guten Sonn­tag und eine gute Woche und dass Sie den Mut haben, immer wie­der aufzustehen.

Klaus Wei­gand


Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Infos zu Pfar­rer Klaus Weigand

  • Gebo­ren 1966 in Erlen­bach am Main (Unter­fran­ken)
  • Abitur am The­re­sia­num in Bam­berg 1989
  • Stu­di­um der Kath. Theo­lo­gie in Bam­berg und Wien
  • Prie­ster­wei­he 1998
  • Tätig­kei­ten:
  • Fürth, Christ­kö­nig von 1997 – 2010
  • Bucken­ho­fen als Pfarr­ad­mi­ni­stra­tor 2010 – 2015
  • seit 2015 in Herold­bach und Hausen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.