MdB Dr. Sil­ke Lau­nert: „Vol­le Auf­trags­bü­cher, lee­re Lager – Roh­stoff­man­gel beschäf­tigt Poli­tik und Handwerk“

MdB Dr. Silke Launert. Foto: Tobias Koch
MdB Dr. Silke Launert. Foto: Tobias Koch

Die Bau­bran­che boomt, die Auf­trags­bü­cher der Hand­werk­be­trie­be sind voll. Und doch müs­sen vie­le Unter­neh­men ihre Mit­ar­bei­ter in Kurz­ar­beit schicken. Der Grund: Roh­stoff­man­gel im Hand­werk. Die Mate­ria­li­en sind knapp. Es kommt zu Lie­fer­eng­päs­sen und Ver­zö­ge­run­gen – ins­be­son­de­re für Holz. Die Prei­se – auch für Stahl, Kunst­stof­fe und ande­re Roh­stof­fe – explo­die­ren. Ein Pro­blem für alle Sei­ten: Hand­werk, Bau­her­ren, Woh­nungs­wirt­schaft und Waldbauern.

Über die Ursa­chen und mög­li­che Lösun­gen dis­ku­tier­te Dr. Sil­ke Lau­nert (CSU, Bay­reuth) mit Dr. Andre­as Lenz, MdB und Mit­glied im Aus­schuss für Wirt­schaft und Ener­gie, Hand­wer­kern aus der Regi­on und Unter­neh­mern aus der Bau­bran­che am Diens­tag­abend bei einer Video-Ver­an­stal­tung, zu der die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te ein­ge­la­den hat­te. Denn: „Das Pro­blem betrifft die Gesamt­ge­sell­schaft, nicht nur ein paar Hand­wer­ker“, sag­te Launert.

Die Ursa­chen für die Holz­knapp­heit und den Preis­an­stieg sind viel­fäl­tig: Zum einen ist die Nach­fra­ge im In- und Aus­land erheb­lich ange­stie­gen. Sowohl Betrie­be als auch Pri­va­te nut­zen die Coro­na-Zeit dafür, Reno­vie­run­gen und son­sti­ge Arbei­ten durch­zu­füh­ren. Dies führt auch zu dem Pro­blem, dass Unter­neh­men wegen der Mate­ri­al­knapp­heit kei­ne ver­läss­li­che Kal­ku­la­tio­nen mehr machen kön­nen, Abnah­me­ter­mi­ne nicht ein­hal­ten kön­nen und zögern, sich auf öffent­li­che Aus­schrei­bun­gen zu bewerben.

Zum ande­ren wur­de der Export stark aus­ge­wei­tet. Laut Bun­des­ver­band der Deut­schen Säge- und Holz­in­du­strie wur­den 20 Mil­lio­nen Fest­me­ter Rund- und Schnitt­holz im ver­gan­ge­nen Jahr expor­tiert. Dies ist ein Anstieg von mehr als 80 Pro­zent im Ver­gleich zu 2019. Zen­tra­le Abneh­mer sind Chi­na und die USA. In bei­den Län­dern wird deut­lich mehr gezahlt als in Deutsch­land, die Nach­fra­ge ist enorm. Ein Pro­blem, von dem auch die Teil­neh­mer der Video­kon­fe­renz berichteten.

Nicht unum­strit­ten ist die Begren­zung der Holz­ern­te. Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se und Schäd­lings­be­fall haben in Deutsch­land zu Holz­ab­satz­märk­ten geführt. Im Zuge der glo­ba­len Coro­na-Pan­de­mie wur­de die­se Situa­ti­on zusätz­lich ver­schärft. Die Regie­rung erließ dar­auf­hin die soge­nann­te Holz­ein­schlags-Beschrän­kungs­ver­ord­nung. Dem­nach wird im Forst­wirt­schafts­jahr 2021 der Hol­zei­sch­lag für Fich­te auf 85 Pro­zent beschränkt.

Gut gemein­te Vor­schrif­ten von der Poli­tik wie die Men­gen­be­schrän­kung beim Holz­ein­schlag oder das Safe­guard-Ver­fah­ren der EU, das vor Dum­ping­prei­sen von Stahl aus Chi­na schüt­zen soll­te und zum Zeit­punkt der Ein­füh­rung sinn­voll waren, gehör­ten auf­grund der jet­zi­gen Situa­ti­on abge­schafft, sag­te Lenz.

Ein poten­ti­el­ler Lösungs­an­satz in Bezug auf die Ver­knap­pung von Holz könn­te die Beschrän­kung des Exports sein. Aller­dings ist Deutsch­land eine Export­na­ti­on und pro­fi­tiert mas­siv vom inter­na­tio­na­len Han­del. Den­noch wünsch­ten sich die Teil­neh­mer in die­sem Zuge von der Poli­tik Stär­kung der Regio­na­li­tät und regio­na­ler Lie­fer­ket­ten, um die Abhän­gig­keit vom inter­na­tio­na­len Markt zu redu­zie­ren. Auf EU-Ebe­ne müs­se fle­xi­bler und schnel­ler auf ange­spann­te Markt­si­tua­tio­nen reagiert wer­den, for­der­ten die Teilnehmer.

Ein Pro­blem, das das Hand­werk zusätz­lich zum Roh­stoff­man­gel beschäf­tigt, sei­en feh­len­de Fach­kräf­te – unter ande­rem auch wegen unat­trak­ti­ven Aus­bil­dun­gen und nicht zeit­ge­mäß aus­ge­stat­te­ten Berufs­schu­len, merk­te Bernd Zeil­mann, Geschäfts­füh­rer der Rich­ter R&W Steue­rungs­tech­nik an.

Der Roh­stoff­man­gel und die stei­gen­den Mate­ri­al­ko­sten zie­hen wei­te Krei­se. Woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten befürch­ten, dass sich das Pro­blem auch in den Mie­ten nie­der­schlägt. Bezahl­ba­rer Wohn­raum kann kaum noch geschaf­fen wer­den. 2017 lagen die End­ko­sten beim Bau für einen Qua­drat­me­ter noch bei rund 2900 Euro, heu­te sind es zwi­schen 4200 und 5400 Euro, sag­te ein Mar­kus Patrick-Keil von der Gemein­nüt­zi­gen Bay­reu­ther Wohnungsbaugenossenschaft.

Die Pro­ble­me sind viel­fäl­tig und bran­chen­über­grei­fend. Lösen kön­ne sie die Poli­tik nicht allei­ne, sag­ten Lenz und Lau­nert. Sie sicher­ten den Betrof­fe­nen aber zu, die Anre­gun­gen und Vor­schlä­ge mit­zu­neh­men und bei der Erstel­lung des CSU-Wahl­pro­gramms und even­tu­el­len Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen zu berücksichtigen.

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