IHK-Trend­aus­wer­tung Kon­junk­tur im Raum Bay­reuth: Opti­mis­mus in der Wirt­schaft steigt

Jörg Lichtenegger, IHK-Vizepräsident
Jörg Lichtenegger, IHK-Vizepräsident

Die Stim­mung in den Unter­neh­men aus Stadt und Land­kreis Bay­reuth ist extrem unter­schied­lich aus­ge­prägt. Wäh­rend die einen gute Zah­len schrei­ben, sind die ande­ren in Fol­ge der Coro­na-Pan­de­mie wei­ter­hin von zum Teil hef­ti­gen Beschrän­kun­gen oder gar Schlie­ßun­gen betrof­fen. Dies geht aus den Ergeb­nis­sen der Kon­junk­tur­um­fra­ge der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth für den Raum Bay­reuth her­vor. Im Ver­gleich zum Jah­res­wech­sel hat sich die Stim­mung ins­ge­samt jedoch deut­lich ver­bes­sert. Der Kon­junk­tur­kli­ma­in­dex steigt um 11 Punk­te und liegt jetzt bei 105 Zäh­lern. „Gene­rell scheint die Bay­reu­ther Wirt­schaft gut durch die Kri­se zu kom­men. Unser Haupt­au­gen­merk muss jetzt auf den Bran­chen lie­gen, die lan­ge mas­siv von Coro­na-Beschrän­kun­gen betrof­fen waren und oft noch sind. Dies betrifft ins­be­son­de­re den Tou­ris­mus­sek­tor, wei­te Tei­le des Ein­zel­han­dels, aber auch gera­de die Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft“, so Jörg Lich­ten­eg­ger, IHK-Vize­prä­si­dent und Vor­sit­zen­der des IHK-Gre­mi­ums Bayreuth.

Im Früh­jahr 2021 bezeich­nen 76 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men aus Stadt und Land­kreis Bay­reuth ihre aktu­el­le Geschäfts­la­ge als gut (33 Pro­zent) oder befrie­di­gend (43 Pro­zent) und nur noch 24 Pro­zent als schlecht. Posi­ti­ve Signa­le sen­den dabei vor allem das Bau­ge­wer­be und die Indu­strie aus. Nicht über­ra­schend, dass die Tou­ris­mus­wirt­schaft auf­grund des lan­gen Lock­downs erheb­lich unter Druck steht.

Aber auch der Blick in die Zukunft wird opti­mi­sti­scher. 25 Pro­zent der Unter­neh­men rech­nen in den kom­men­den Mona­ten mit einer Ver­bes­se­rung, 22 Pro­zent mit einer Ver­schlech­te­rung der Situa­ti­on. 53 Pro­zent der Unter­neh­men gehen von einer gleich blei­ben­den Lage aus. Leicht ver­bes­sert prä­sen­tie­ren sich auch die Erwar­tun­gen an die Aus­la­stung und die Beschäf­tig­ten­ent­wick­lung. Wäh­rend vie­le Unter­neh­men wei­ter auf eine „nor­ma­le“ Geschäfts­tä­tig­keit hof­fen, sehen ande­re Betrie­be inzwi­schen höhe­re Risi­ken in den Ener­gie- und Roh­stoff­prei­sen sowie gestör­ten Lie­fer­ket­ten. „Es ist von zen­tra­ler Bedeu­tung, allen unse­ren Unter­neh­men über eine hohe Impf­quo­te, regel­mä­ßi­ge Tests und nied­ri­ge Inzi­denz­wer­te wie­der eine plan­ba­re Geschäfts­tä­tig­keit zu ermög­li­chen. Die Vor­aus­set­zun­gen dafür sind jetzt so gut wie lan­ge nicht“, so Lichtenegger.

Sel­ten war die Stim­mung der Unter­neh­men auf­grund der extrem gegen­sätz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen vor Ort so unter­schied­lich. Daher hier eini­ge per­sön­li­che State­ments von Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mern zu kon­junk­tu­rel­len Lage in ihrer Branche:

State­ment Herr Ste­fan Trassl, Geschäfts­füh­rer Sig­mund Lind­ner GmbH, Warmensteinach:
„Auch wir waren im Jahr 2020 von der Coro­na­kri­se betrof­fen. Spe­zi­ell unse­re Glit­ter-Arti­kel für die Kos­me­tik­in­du­strie und unse­re Ver­schluss­ku­geln für Sicher­heits­ver­schlüs­se in Spi­ri­tuo­sen­fla­schen fan­den durch den gerin­ge­ren Kon­sum weni­ger Absatz. Unse­re Pro­duk­te für die Indu­strie und Phar­ma­zie ent­wickel­ten sich weit­ge­hend sta­bil und posi­tiv. In der Gesamt­heit ist unse­re Geschäfts­ent­wick­lung sehr erfreu­lich. Aktu­ell lie­gen wir acht Pro­zent über dem Vor­jah­res­ni­veau und blicken äußert opti­mi­stisch in die Zukunft. Kri­tisch beob­ach­ten wir die sehr hohen Fracht­ra­ten und die begrenz­ten Schiffs­con­tai­ner­ka­pa­zi­tä­ten für unse­re Roh­stoff­be­schaf­fung aus Asi­en. Eine ter­min­ge­rech­te Aus­lie­fe­rung gestal­tet sich dadurch oft schwie­rig. Für das Gesamt­jahr 2021 rech­nen wir wie­der mit ähn­li­chen Umsät­zen wie vor der Krise.“

State­ment Herr Libo­ri­us Gräß­mann, Geschäfts­füh­rer W. Mark­graf GmbH & Co. KG Bau­un­ter­neh­mung, Bayreuth:
„Für unser Unter­neh­men haben sich wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie kei­ne signi­fi­kan­ten Stö­run­gen in den Betriebs­ab­läu­fen erge­ben. Die Lie­fer­ket­ten waren sta­bil und der Infek­ti­ons­ein­trag in die Beleg­schaft konn­te infol­ge hoher Sicher­heits­stan­dards und eines fort­ge­schrie­be­nen Hygie­nekon­zep­tes rela­tiv gering gehal­ten wer­den. Mit Sor­ge sehen wir neben dem anhal­ten­den Fach­kräf­te­man­gel nun aber eine Ver­knap­pung baunot­wen­di­ger Roh­stof­fe auf den Beschaf­fungs­märk­ten, was das Bau­en wei­ter ver­teu­ern wird und bei Lie­fer­pro­ble­men zu Ver­zö­ge­run­gen von Bau­pro­jek­ten füh­ren kann. Die sich aus den Mega­trends wie bei­spiels­wei­se Öko­lo­gie und Digi­ta­li­sie­rung erge­ben­den Bau­auf­ga­ben las­sen uns gleich­wohl recht opti­mi­stisch in die Zukunft blicken.“

State­ment Frau Tatia­na Hartl, Inha­be­rin Hotel Lin­den­müh­le, Bad Berneck:
„Unse­re Bran­che, die Hotel­le­rie und Gastro­no­mie, war im Jahr 2020–2021 sehr von der Coro­na­kri­se betrof­fen. Durch die ange­ord­ne­ten Schlie­ßun­gen im ersten und zwei­ten Lock­down, muss­ten alle Betrie­be weit­ge­hend run­ter­ge­fah­ren wer­den. Durch die lan­gen Schlie­ßun­gen der Betrie­be sind vor allem unse­re Mit­ar­bei­ter stark betrof­fen und wan­der­ten in ande­re Berei­che ab. Die schnel­len Öff­nun­gen und das dar­aus resul­tie­ren­de rasche Hoch­fah­ren hat auch gezeigt, wie sehr unse­re Lie­fer­ket­ten unter­bro­chen waren, so dass es hier zu gro­ßen Eng­päs­sen kam. Auch zeigt sich immer mehr, wie sehr sich die Per­so­nal­si­tua­ti­on bei den Fach­kräf­ten, als auch für uns typi­schen Bereich, der Aus­hilfs­kräf­te zum Nega­ti­ven ver­än­dert hat. Für das Gesamt­jahr kön­nen wir noch kei­ne Pro­gno­sen abge­ben. Sind aber trotz allem zuver­sicht­lich, dass wir wie im letz­ten Jahr ein sehr dyna­mi­sches, aber auch kurz­fri­sti­ges Buchungs­auf­kom­men in allen Berei­chen haben wer­den. Beson­ders das ver­än­der­te Rei­se­ver­hal­ten hin zum Deutsch­land­tou­ris­mus bringt gera­de unse­re Mit­tel­ge­bir­ge wie­der nach vorne.“

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