Fran­ken: „Stun­de der Gar­ten­vö­gel“ – Schlei­chen­der Rück­gang sta­bi­li­siert sich

Erstes Zwi­schen­fa­zit zeigt: Blau­mei­se erholt sich, Haus­sper­ling gleich­blei­bend häu­fig und Rot­kehl­chen genießt Vogel-des-Jahres-Bonus

Hil­polt­stein, 16.05.21 – Die Vögel im Sied­lungs­raum wer­den aktu­ell im Frei­staat zumin­dest nicht sel­te­ner beob­ach­tet als im Vor­jahr. Das zeigt eine erste Zwi­schen­bi­lanz der 17. „Stun­de der Gar­ten­vö­gel“, bei der am Sonn­tag­nach­mit­tag bereits mehr als ein Drit­tel der baye­ri­schen Mel­dun­gen im Ver­gleich zum Vor­jahr beim LBV online ein­ge­gan­gen sind. „Der seit Jah­ren schlei­chen­de Rück­gang der häu­fi­gen Vogel­ar­ten im Sied­lungs­raum scheint die­sen Früh­ling zumin­dest auf einem schwa­chen Niveau zu sta­gnie­ren und nicht noch wei­ter fort­zu­schrei­ten“, sagt die LBV-Bio­lo­gin Dr. Ange­li­ka Nel­son. „Auf­grund der zuneh­men­den Schot­ter­gär­ten und Flä­chen­ver­sie­ge­lung haben es die Vögel in unse­ren Gär­ten immer schwe­rer. Viel­leicht haben eini­ge Teil­neh­men­de die ver­mehr­te Zeit zuhau­se genutzt und sich Gedan­ken gemacht, wie sie ihren Gar­ten etwas natur­na­her und somit vogel­freund­li­cher gestal­ten kön­nen. Das wäre eine erfreu­li­che Ent­wick­lung für Bay­erns Vogel­welt“, so die LBV-Arten­schüt­ze­rin wei­ter. Die schon jetzt gute Betei­li­gung lässt die baye­ri­schen Naturschützer*innen hof­fen, dass vie­le Men­schen, die im Vor­jahr wegen des Lock­downs zum ersten Mal teil­ge­nom­men haben, den Spaß an der Vogel­be­ob­ach­tung für sich ent­deckt und jetzt erneut mit­ge­macht haben. An der Spit­ze in Bay­ern stand am Sonn­tag­nach­mit­tag der Haus­sper­ling vor Amsel und Star. Beob­ach­tun­gen vom Wochen­en­de kön­nen dem LBV noch bis zum 24. Mai per Post, Fax oder am besten online unter www​.stun​de​-der​-gar​ten​vo​e​gel​.lbv​.de gemel­det werden.

Unter den zehn bis­her am häu­fig­sten beob­ach­te­ten Gar­ten­vö­gel kann der LBV seit län­ge­rem ein­mal wie­der Posi­ti­ves bei Haus­sper­ling, Blau­mei­se und auch Grün­fink berich­ten. Der Spatz (1.), sonst gera­de mal in zwei Drit­tel der Gär­ten, wur­de mit knapp 70 Pro­zent bis­her an so vie­len Orten beob­ach­tet wie seit 2014 nicht mehr. Die seit Jah­ren immer wei­ter abneh­men­den Beob­ach­tun­gen des Grün­finks (9.) gehen aktu­ell erst­mals nicht noch wei­ter zurück. Und auch bei der der Blau­mei­se (6.), die im ver­gan­ge­nen Jahr auch in Bay­ern einen histo­ri­schen Tiefst­wert auf­grund einer töd­li­chen bak­te­ri­el­len Lun­gen­krank­heit erreich­te, gibt es gute Neu­ig­kei­ten. „Die Blau­mei­se scheint sich von der hef­ti­gen Infek­ti­ons­wel­le im Vor­jahr erholt zu haben, da sie mit zwei Indi­vi­du­en pro Gar­ten wie­der deut­lich häu­fi­ger gese­hen wird als noch 2020. Dabei mag bei der Bestands­er­ho­lung auch die Grö­ße ihrer Gele­ge eine Rol­le spie­len, da sie zwar nur ein­mal brü­tet, dabei aber bis zu 18 Eier legt“, erklärt Ange­li­ka Nelson.

Den Sprung in die Top Ten hat die­ses Jahr das Rot­kehl­chen als Zehn­ter noch geschafft. Die erst vor kur­zem zum Vogel des Jah­res gewähl­te Art wur­de bis­her durch­schnitt­lich in knapp jedem zwei­ten Gar­ten beob­ach­tet und liegt damit über dem Durch­schnitt der Vor­jah­re. Das mag zum Teil auch am Bonu­s­ef­fekt der Aus­zeich­nung zum Vogel des Jah­res lie­gen. Viel mehr Men­schen neh­men seit­her den hüb­schen Vogel mit der roten Brust, der für mehr Struk­tu­ren und Viel­falt im Gar­ten steht, bewuss­ter wahr.

Der häu­fig­ste Gar­ten­vo­gel in Bay­ern ist zur Zwi­schen­bi­lanz am Sonn­tag­nach­mit­tag der Haus­sper­ling (1.) vor der Amsel (2.). Der Spatz liegt zah­len­mä­ßig ein­deu­tig vor­ne, die Amsel jedoch ist in weit­aus mehr baye­ri­schen Gär­ten zu fin­den, näm­lich in 9 von 10. Das Ren­nen um den letz­ten Podi­ums­platz ist denk­bar span­nend. Aktu­ell ver­tei­digt der Star wei­ter­hin den 3. Rang, doch der Abstand zum Feld­sper­ling (4.) ist gering, da nur eini­ge hun­dert Indi­vi­du­en die bei­den tren­nen. Auch die Kohl­mei­se auf der 5. Posi­ti­on kommt die­ses Jahr wie­der in mehr Gär­ten vor als im Jahr 2020. Das End­ergeb­nis der Stun­de der Gar­ten­vö­gel 2021 wird Anfang Juni bekannt­ge­ge­ben, wenn auch alle posta­li­schen Mel­dun­gen ein­ge­ge­ben sind und die LBV-Artenschützer*innen die Daten final aus­ge­wer­tet haben.

Wer vie­le Vögel in sei­nem Gar­ten beob­ach­ten möch­te, soll­te vor allem auf struk­tu­rel­le Viel­falt ach­ten. Mit Bee­ren hei­mi­scher Sträu­cher als Nah­rung, dich­tem Gestrüpp zum Nest­bau und Ver­stecken oder auch ein­fach Ecken, in denen sich die Natur selbst ent­fal­ten kann, hilft man den gefie­der­ten Gästen direkt vor der eige­nen Haus­tür. In einem Schot­ter­gar­ten hin­ge­gen füh­len sich kei­ne Vögel wohl. Tipps für einen vogel­freund­li­chen Gar­ten hat der LBV unter www​.lbv​.de/​g​a​r​ten zusammengestellt.

Im ver­gan­ge­nen Jahr haben im Frei­staat über 25.000 Vogelfreund*innen bei der „Stun­de der Gar­ten­vö­gel“ mit­ge­zählt und Beob­ach­tungs­zah­len von ins­ge­samt mehr als 520.000 Vögeln aus über 17.000 Gär­ten gemel­det. Die­se Daten lie­fern Naturschützer*innen wich­ti­ge Trends in der Bestands­ent­wick­lung der in Sied­lun­gen brü­ten­den Vogel­ar­ten. Gemein­sam mit der Schwe­ster­ak­ti­on, der „Stun­de der Win­ter­vö­gel“, han­delt es sich damit um Deutsch­lands größ­te und läng­ste bür­ger­wis­sen­schaft­li­che Mit­mach-Akti­on. Mehr Infos und land­kreis­ge­naue Ergeb­nis­se gibt es unter www​.stun​de​-der​-gar​ten​vo​e​gel​.lbv​.de.