130 Jah­re Lokal­bahn Forch­heim – Ebermannstadt

Erster Fahrplan nach der Eröffnung am 1.6.1891. Sammlung Günther Klebes
Erster Fahrplan nach der Eröffnung am 1.6.1891. Sammlung Günther Klebes

Seit der erste Lokal­bahn­zug auf die­ser Strecke ins Unte­re Wie­sent­tal fuhr und damit das Land der Roman­tik wenig­stens zu einem gro­ßen Teil dem Frem­den­ver­kehr erschloss, sind nun­mehr genau 130 Jah­re vergangen.

Die Eröff­nungs­fahrt mit gela­de­nen Gästen am 25. Mai 1891 war damals ein gro­ßes Ereig­nis für die Stadt Forch­heim und vor allem für die Frän­ki­sche Schweiz selbst. Es war ein Freu­den­tag im wahr­sten Sin­ne des Wor­tes für die gan­ze Gegend und zwar – was über­ra­schen mag – nicht ein­mal so sehr, weil man mit den Aus­sich­ten auf einen stär­ke­ren Frem­den­ver­kehr spe­ku­lier­te. Im Gegen­teil: die Post­kut­schen­fahr­ten und die pri­va­ten Wagen­fahr­ten mit dem ein- oder zwei­spän­ni­gen ‚Küt­sch­la‘ waren zu jener Zeit ihrer roman­ti­schen Begleit­um­stän­de hal­ber nicht nur sehr beliebt, son­dern sie genüg­ten mit Müh und Not auch für die beschei­de­nen Bedürf­nis­se der Tou­ri­sten, die sich in den neun­zi­ger Jah­ren und vor­her zif­fern­mä­ßig ja nur in mäßi­gem Umfang in der Frän­ki­schen Schweiz ein­fan­den. Die offi­zi­el­le Eröff­nung durch die König­lich Baye­ri­schen Staats­ei­sen­bah­nen erfolg­te dann am 1. Juni 1891.

Das Fuhr­ge­wer­be in Forch­heim und in Eber­mann­stadt hat­te damals, vor 1891, gol­de­ne Zei­ten, die für die ‚Erma­stod­ter‘ Roß- und Kut­schen­be­sit­zer (und Wirts­häu­ser) auch nach Eröff­nung der Lokal­bahn geblie­ben waren. Ja, man möch­te sagen, dass die­ses gol­de­ne Zeit­al­ter für die Eber­mann­städ­ter von jenem Tag an, da der erste Lokal­bahn­zug von Forch­heim in die­sem Städt­chen ein­traf, erst rich­tig begann. Denn nun war Eber­mann­stadt ja End­sta­ti­on. Die Frem­den, die wei­ter in die Frän­ki­sche Schweiz rei­sen woll­ten, nach Streit­berg und Mug­gen­dorf, nach Beh­rin­gers­mü­he und Göß­wein­stein, waren gezwun­gen, sich in Eber­mann­stadt eine der auf dem dor­ti­gen Bahn­hofs­platz hal­ten­den Ein- und Zwei­spän­ner zu bedie­nen. Sie taten es ganz gern, man hat­te damals ja auch noch – im Gegen­satz zu heu­te – Zeit zum Rei­sen und die Fahrt im ‚Küt­sch­la‘ oder im gel­ben Post­om­ni­bus wur­de von den aller­mei­sten Rei­sen­den als ein beson­de­res Ver­gnü­gen in Kauf genommen.

Die Eber­mann­städ­ter Gast­hö­fe, an ihrer Spit­ze der ‚Gol­de­ne Engel‘, des durch sei­nen Witz und Humor sowie durch sein aus­ge­zeich­ne­tes Spal­ter Bier rühm­lichst bekann­ten dicken ‚Wein­mül­ler‘, Wein­groß­händ­lers, Schnaps­bren­ners und Apfel­wein­kel­te­rers Wolf­gang Mül­ler, mach­ten vor und nach dem Bau der Forch­hei­mer Lokal­bahn glän­zen­de Geschäfte.

Im Grund genom­men konn­te die Bevöl­ke­rung der Frän­ki­schen Schweiz bereits ein 150jähriges Bahn­ju­bi­lä­um bege­hen. Denn es sind nun über 150 Jah­re her, seit man sich in der Öffent­lich­keit zum ersten Male mit dem küh­nen Gedan­ken eines Bahn­bau­es von Forch­heim durch das unte­re Wie­sent­tal beschäf­tig­te. Wie bei den mei­sten Lokal­bahn­pro­jek­ten ging es auch hier. Es ver­gin­gen Jahr­zehn­te, bis der Bau im Baye­ri­schen Land­tag geneh­migt wur­de und man den ersten Spa­ten­stich tat.

Seit man am 2. August 1844 die ‚könig­lich baye­ri­sche Lud­wigs-Süd­bahn‘ Nürn­berg – Forch­heim – Bam­berg und den im glei­chen Jahr fer­tig­ge­stell­ten Erlan­ger Burg­berg-Tun­nel eröff­net hat­te, mehr­ten sich in der west­li­chen Frän­ki­schen Schweiz immer mehr die Stim­men, die dem Bau einer Lokal­bahn von Forch­heim nach Eber­mann­stadt das Wort rede­ten und zwar in erster Linie im Inter­es­se der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung. In den sech­zi­ger Jah­ren waren es beson­ders die Forch­hei­mer, die eine Frän­ki­sche-Schweiz-Bahn haben woll­ten und zwar soll­te eine Haupt­li­nie gebaut wer­den, von Forch­heim durch die Frän­ki­sche Schweiz bis nach Bay­reuth. Von Streit­berg aus über die Hoch­flä­che nach Wüsten­stein und Plan­ken­fels sowie von da durch das Trup­pach­tal in Rich­tung Obern­sees. Die­se Pro­jekt unter­lag aber gegen­über dem Bahn­bau­pro­jekt durch das Peg­nitz­tal von Nürn­berg über Hers­bruck und Peg­nitz in Rich­tung Schna­bel­waid, das 1877 ver­wirk­licht wur­de. Die jet­zi­ge Bahn­tras­se über Pinz­berg, Gos­berg, Wie­sent­hau, Kir­cheh­ren­bach und Pretz­feld konn­te erst nach lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen durch­ge­setzt wer­den, weil ande­re Inter­es­sen­ten die Füh­rung der Tras­se am rech­ten Ufer der Wie­sent über Reuth, Wei­lers­bach und Rüs­sen­bach nach Eber­mann­stadt befür­wor­te­ten, obwohl die Orte am lin­ken Wie­sent­ufer doch die bedeu­ten­de­ren sind.

Die Lokal­bahn Forch­heim – Eber­mann­stadt ver­ließ die an der Lud­wigs-Süd­bahn von Bam­berg nach Nürn­berg gele­ge­ne Sta­ti­on Forch­heim auf der Süd­sei­te und folg­te der Rich­tung der Haupt­bahn auf einen Kilo­me­ter Län­ge bis zum soge­nann­ten Schwe­den­gra­ben. Für das gemein­schaft­li­che Gelei­se der Linie nach Eber­mann­stadt und der 1892 eröff­ne­ten Lokal­bahn nach Höchstadt a.d. Aisch sowie für die Ran­gier­ge­lei­se die­ser Bah­nen war auf der bezeich­nen­den Strecke, anschlie­ßend an den Bahn­kör­per der Lud­wigs-Süd­bahn, eine eige­ne Tras­se her­ge­stellt wor­den. Außer­dem wur­den in Ver­bin­dung damit die Bahn­brücken über die Wie­sent und den Schwe­den­gra­ben auf der Haupt­li­nie ver­brei­tert und die dazwi­schen vor­han­de­nen Bahn­durch­läs­se verlängert.

Ein grund­le­gen­der Umbau der Gleis­an­la­gen in Forch­heim erfolg­te 1937. Danach fuh­ren die Züge in die Frän­ki­sche Schweiz auf der öst­li­chen Bahn­hofs­sei­te ab und muss­ten die Haupt­ge­lei­se nicht mehr überqueren.

Kurz nach dem Schwe­den­gra­be über­schrei­tet die Bahn den soge­nann­ten Augra­ben und führt in öst­li­cher Rich­tung zur Hal­te­stel­le Pinz­berg, wel­che an der Staats­stra­ße von Erlan­gen nach Eber­mann­stadt ange­legt ist.

Im wei­te­ren Ver­lau­fe über­quert die Bahn­li­nie vor dem Ort Gos­berg den Hir­ten­bach, an des­sen recht­sei­ti­gem Ufer die Hal­te­stel­le Gos­berg nord­west­lich der Ort­schaft errich­tet ist.

Sodann wen­det sich die Linie in nord­west­li­cher Rich­tung zur oben genann­ten Staats­stra­ße und folgt dem Ver­lauf der­sel­ben auf voll­kom­men selb­stän­di­gem Erd­kör­per bis zur Hal­te­stel­le Wiesenthau.

Von da führt die Strecke dann in nörd­li­cher Rich­tung zur Hal­te­stel­le Kir­cheh­ren­bach, wel­che west­lich vom gleich­na­mi­gen Orte und in unmit­tel­ba­rer Nähe des­sel­ben am Ver­bin­dungs­weg von Kir­cheh­ren­bach nach Wei­lers­bach ange­legt ist.

Jetzt wen­det sich die Linie nach Osten, kreuzt den Ehren­bach und führt, im all­ge­mei­nen die nord­öst­li­che Rich­tung ein­hal­tend und der Boden­ge­stal­tung, den Grund­stücks­gren­zen und Feld­we­gen genau fol­gend, sowie meh­re­re Arme des Tru­bach über­que­rend, zur Hal­te­stel­le Pretz­feld, an der Nord­west­sei­te des gleich­na­mi­gen Ortes.

Sodann kreuzt die Bahn einen von Pretz­feld aus in das recht­sei­ti­ge Gelän­de des Wie­sent­ta­les füh­ren­den Orts­ver­bin­dungs­weg, über­schrei­tet den Haupt­arm der Tru­bach und folgt denn in nord­west­li­cher Rich­tung einem Feld­weg. Kurz vor dem Bahn­hof Eber­mann­stadt über­quert die Bahn noch­mals die Staats­stra­ße nach Erlangen.

Nach­dem von höch­ster Stel­le die Sicher­stel­lung einer künf­ti­gen Wei­ter­füh­rung der Bahn in nord­öst­li­cher Rich­tung ange­ord­net war, wur­den die­sel­be noch bis über das Wie­sent­tal pro­jek­tiert und mit den Besit­zern der dazwi­schen lie­gen­den Grund­stücke Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen nota­ri­ell vereinbart.

Die Wei­ter­füh­rung der Bahn nach Hei­li­gen­stadt gelang 1915, bis Mug­gen­dorf 1922, bis Göß­wein­stein 1927 und die bis Beh­rin­gers­müh­le gar erst 1930.

Inzwi­schen wur­den die von Eber­mann­stadt nach Hei­li­gen­stadt und Beh­rin­gers­müh­le gehen­den Strecken von der Deut­schen Bahn still­ge­legt. Letz­te­re wird von der Dampf­bahn Frän­ki­sche Schweiz wei­ter­be­trie­ben. Vor zehn Jah­ren ging die Betriebs­füh­rung zwi­schen Forch­heim und Eber­mann­stadt in die Hän­de der agi­lis-Ver­kehrs­ge­sell­schaft über.

Aus­zug aus „Gün­ther Kle­bes – Links und rechts der Wiesenttalbahn“

Günther Klebes - Links und rechts der Wiesenttalbahn

Gün­ther Kle­bes – Links und rechts der Wiesenttalbahn

Das Buch ist im Han­del lei­der ver­grif­fen. Eini­ge weni­ge Exem­pla­re gibt es noch bei Herrn Kle­bes selbst:

Links und rechts der Wie­sent­tal­bahn. Ein Rei­se­füh­rer über die Lokal­bah­nen von Forch­heim nach Eber­mann­stadt, Hei­li­gen­stadt sowie Beh­rin­gers­müh­le in der Frän­ki­schen Schweiz. Gebun­de­ne Aus­ga­be – 1. Janu­ar 1984. Euro­päi­sche Biblio­thek, Zalt­bom­mel (NL), ca. 90 Sei­ten mit 100 Abbil­dun­gen, 30.– Euro

Wer eins haben möch­te wen­de sich an Herrn Kle­bes unter guenther-​klebes@​gmx.​de oder Tel. 09131 / 46044.