Stadt­wer­ke Bam­berg und Bosch betrei­ben erst­mals eine sta­tio­nä­re Brennstoffzelle

Die SOFC am ZOB ... Foto: obert Bosch GmbH
Die SOFC am ZOB ... Foto: obert Bosch GmbH

Kli­ma­freund­li­cher Strom aus der Nachbarschaft

Gemein­sam mit den Stadt­wer­ken Bam­berg zeigt Bosch jetzt erst­mals in der Bam­ber­ger Innen­stadt mit sei­ner sta­tio­nä­ren Brenn­stoff­zel­le, wie eine dezen­tra­le, kli­ma­freund­li­che Ener­gie­ver­sor­gung der Zukunft aus­se­hen kann. Am Zen­tra­len Omni­bus-Bahn­hof (ZOB) wur­de ein Klein­kraft­werk auf Basis einer Fest­oxid-Brenn­stoff­zel­le (Solid Oxi­de Fuel Cell, kurz SOFC) in Betrieb genom­men. Die zwei Meter hohe kühl­schrank­gro­ße Anla­ge erzeugt rund 10 Kilo­watt Strom, mit dem der Strom­be­darf von mehr als 20 Vier-Per­so­nen­Haus­hal­ten im Stadt­quar­tier um den Bus­bahn­hof gedeckt wer­den kann.

Die­se sta­tio­nä­re Brenn­stoff­zel­le ist mit einem Wir­kungs­grad von 60 Pro­zent für die Strom­erzeu­gung und von mehr als 85 Pro­zent bei zusätz­li­cher Wär­me­nut­zung ande­ren Ener­gie­wand­lern glei­cher Grö­ße deut­lich über­le­gen. Die pro­du­zier­te Wär­me nutzt eine Bäcke­rei am Bus­bahn­hof zum Hei­zen und zur Warm­was­ser­auf­be­rei­tung: „Der dezen­tra­len Ener­gie­ver­sor­gung kommt mit der Ener­gie­wen­de eine gro­ße Bedeu­tung zu. Die sta­tio­nä­re Brenn­stoff­zel­le ist her­vor­ra­gend für den Aus­bau der loka­len Strom- und Wär­me­ver­sor­gung in Stadt­quar­tie­ren geeig­net“, berich­tet Dr. Wil­fried Köl­scheid, ver­ant­wort­lich für die sta­tio­nä­re Brenn­stoff­zel­le bei Bosch. „Wir freu­en uns, mit den Stadt­wer­ken Bam­berg einen Part­ner gefun­den zu haben, mit dem wir gemein­sam zei­gen kön­nen, wozu unse­re sta­tio­nä­re Brenn­stoff­zel­le in der Lage ist“.

Bedarfs­ge­rech­te Strom­pro­duk­ti­on im Stadtquartier

Der Ein­satz der sta­tio­nä­ren Brenn­stoff­zel­le in einem Stadt­quar­tier ist nicht nur für Bosch ein wich­ti­ges Anwen­dungs­feld, auch die Stadt­wer­ke Bam­berg sehen in der Tech­no­lo­gie eine nach­hal­ti­ge Lösung für die Ener­gie­ver­sor­gung im Bestand und bei der Ent­wick­lung neu­er Quar­tie­re. „Mit der Brenn­stoff­zel­le wer­den wir Erfah­run­gen sam­meln, die künf­tig bei der Ener­gie­ver­sor­gung bestehen­der Gebäu­de und neu­er Quar­tie­re einen nach­hal­ti­gen Nut­zen schaf­fen sol­len“, ist sich Dr. Micha­el Fie­del­dey, Geschäfts­füh­rer der Stadt­wer­ke Bam­berg, sicher.

„Zugleich wol­len wir die neue Tech­nik für alle Bür­ger erleb­bar machen. Des­halb stel­len wir sie nicht in irgend­ei­nen Kel­ler, son­dern mit­ten auf den ZOB als Ver­kehrs­dreh­schei­be für über 20 000 Men­schen am Tag“. Sobald es die Situa­ti­on wie­der zulässt, wird das Inno­Lab am Bus­bahn­hof regel­mä­ßig für inter­es­sier­te Gäste geöff­net sein. Exper­ten der Unter­neh­men ste­hen dann Rede und Ant­wort. Einen vir­tu­el­len Blick in das Labor gibt es unter www​.stadt​wer​keb​am​berg​.de/​i​n​n​o​lab.

Die SOFC-Anla­ge wird von den Stadt­wer­ken Bam­berg mit Erd­gas betrie­ben, ist sehr lei­se und heu­te schon geeig­net für Was­ser­stoff. Im Ver­gleich zum Strom­Mix in Deutsch­land spart ein SOFC-System selbst beim Betrieb mit Erd­gas fast bis zu 40 Pro­zent an kli­ma­schäd­li­chen CO2-Emis­sio­nen. Wird die Brenn­stoff­zel­le mit Was­ser­stoff betrie­ben, fal­len kei­ne direk­ten CO2-Emis­sio­nen mehr an. Für Städ­te und Bal­lungs­zen­tren mit hohem Ener­gie­be­darf kön­nen SOFC-Anla­gen daher die Ener­gie­ver­sor­gung nach­hal­tig sicher­stel­len, indem die Lei­stung der sta­tio­nä­ren Brenn­stoff­zel­le bedarfs­ge­recht gere­gelt wer­den kann. Außer­dem kann die vor­han­de­ne Gas-Infra­struk­tur in Kom­bi­na­ti­on mit vie­len ver­netz­ten Brenn­stoff­zel­len zur Ent­la­stung des Strom­net­zes genutzt wer­den. So las­sen sich wei­te­re Strom­be­dar­fe durch Erzeu­gung vor Ort decken. Die SOFC-Anla­ge in Bam­berg ist zudem über die Bosch IoT-Cloud ver­netzt: 20 Sen­so­ren inner­halb der Brenn­stoff­zel­le lie­fern kon­ti­nu­ier­lich Daten zu Strom­pro­duk­ti­on und Betriebs­sta­tus. Die­se Daten hel­fen auch, um die Tech­no­lo­gie wei­ter­zu­ent­wickeln. Zukünf­tig kön­nen über die Cloud-Lösung ver­schie­de­ne sta­tio­nä­re Brenn­stoff­zel­len mit­ein­an­der zu vir­tu­el­len Kraft­wer­ken ver­netzt und durch intel­li­gen­te, selbst­ler­nen­de Soft­ware digi­tal gesteu­ert wer­den – dies schont Umwelt und Ressourcen.

Bam­bergs Ober­bür­ger­mei­ster Andre­as Star­ke begrüßt die Koope­ra­ti­on und die bür­ger­na­he Instal­la­ti­on am Bam­ber­ger ZOB: „Wir sind stolz dar­auf, dass Bosch und die Stadt­wer­ke Bam­berg mit der sta­tio­nä­ren Brenn­stoff­zel­le eine kli­ma­freund­li­che und gleich­zei­tig wirt­schaft­li­che Tech­no­lo­gie umset­zen. Die­se inno­va­ti­ve Ener­gie­ver­sor­gung ist ein wich­ti­ger Bau­stein im Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess des Wirt­schafts­stand­orts Bam­berg, um für die Zukunft Arbeits­plät­ze zu sichern“.

Bis Ende 2024 inve­stiert Bosch einen drei­stel­li­gen Millionenbetrag

Bis Ende 2024 will Bosch einen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag in die sta­tio­nä­re Brenn­stoff­zel­le inve­stie­ren und SOFC-Anla­gen unter Real-Bedin­gun­gen erpro­ben. Bereits heu­te betreibt Bosch mehr als 20 SOFC-Pilot­an­la­gen an sei­nen Stand­or­ten in Bam­berg, Hom­burg, Ren­nin­gen, Schwie­ber­din­gen, Feu­er­bach und Wernau. In die­sem wach­sen­den Zukunfts­feld arbei­ten bei Bosch bereits 250 Mit­ar­bei­ter an ver­schie­de­nen Stand­or­ten. Allein in Bam­berg sind es schon über 100 Mit­ar­bei­ter. Im Bosch-Werk Bam­berg wer­den die beson­ders wich­ti­gen Stacks für die Brenn­stoff­zel­len-Anla­gen gefer­tigt. „Wir sind stolz, dass das Werk Bam­berg inte­gra­ler Bestand­teil ist, um die Vor­in­du­stria­li­sie­rungs­pha­se bis hin zur erwar­te­ten Seri­en­fer­ti­gung der Fest­oxid-Brenn­stoff­zel­le in 2024 vor­an­zu­trei­ben. Gemein­sam mit den Stadt­wer­ken Bam­berg kön­nen wir die­se zukunfts­wei­sen­de Inno­va­ti­on direkt vor Ort im Real-Betrieb erpro­ben und wich­ti­ge Erkennt­nis­se zum Betrieb sam­meln“, sagt Dr. Mar­tin Schultz, Kauf­män­ni­scher Werk­lei­ter im Bosch-Werk Bam­berg. Erst die enge Zusam­men­ar­beit der Bosch-Berei­che Cor­po­ra­te Rese­arch, Power­train Solu­ti­ons und Ther­mo­tech­nik hat die Ent­wick­lung die­ser neu­ar­ti­gen Brenn­stoff­zel­len­sy­ste­me mög­lich gemacht.