Bay­reu­ther Stu­die­ren­de wol­len die Pfle­ge­bran­che moder­ni­sie­ren und geben Pfle­ge­kräf­ten eine Stimme

Campusrondell der Universität Bayreuth
Campusrondell der Universität Bayreuth. Foto: © UBT

Im Rah­men eines Stu­di­en­pro­jekts haben Stu­die­ren­de des Bay­reu­ther Pro­gramms Phi­lo­so­phy & Eco­no­mics Ideen für sozia­le Inno­va­tio­nen ent­wickelt. Koope­ra­ti­ons­part­ner ist Dia­ko­neo, das mit rund 10.000 Mitarbeiter*innen größ­te dia­ko­ni­sche Unter­neh­men in Süd­deutsch­land. Ein Top-The­ma: die Pfle­ge­mi­se­re. In einem eige­nen Pod­cast dis­ku­tiert ein Stu­die­ren­den-Team mit Expert*innen über kon­kre­te Pro­ble­me und mög­li­che Lösungen. 

Die Coro­na-Kri­se spitzt es zu: Deutsch­land lei­det unter einem aku­ten Pfle­ge­kräf­te­man­gel. Unbe­setz­te Stel­len und dann noch krank­heits­be­ding­te Aus­fäl­le – Heim­lei­tun­gen sind schnell in der Situa­ti­on, dass sie das Wohl der Patient*innen nicht mehr sicher­stel­len kön­nen. Schon „vor“ der Kri­se wur­de das dis­ku­tiert, jetzt ist es evi­dent. Vier Teams von P&E‑Studierenden wid­men sich des­halb seit April 2020 unter Lei­tung von Prof. Dr. Dr. Alex­an­der Brink, Pro­fes­sor für Wirt­schafts- und Unter­neh­mens­ethik an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth, der Fra­ge, wel­che Inno­va­tio­nen den Pfle­ge­be­ruf attrak­ti­ver machen können.

Lau­ra Schorn, Sil­via Klein und­N­ad­ja Mit­tag haben eine Pod­cast-Rei­he ins Leben geru­fen, die Pfle­ge­kräf­ten eine Stim­me gibt. Denn sie fin­den: „Für Pfle­ge­kräf­te ist es viel schwie­ri­ger, sich Gehör zu ver­schaf­fen als für ande­re Berufs­grup­pen, da Strei­ken oft bedeu­ten wür­de, alte, kran­ke und schwa­che Men­schen, die auf Hil­fe ange­wie­sen sind, im Stich zu las­sen.“ Außer­dem sind sie der Mei­nung, dass Pfle­ge uns alle angeht, denn „Pfle­ge ist ein Grundbedürfnis“.

In den Pod­casts holen die drei Bay­reu­ther Stu­den­tin­nen Pfle­ge­kräf­te, Verbandsvertreter*innen und Entscheider*innen an einen Tisch und recher­chie­ren Lösungs­an­sät­ze für aku­te Pro­ble­me im Bereich der Pfle­ge. Dabei geht es zum Bei­spiel um fle­xi­ble Arbeits­zeit­mo­del­le, die durch eine bes­se­re Ver­ein­bar­keit mit indi­vi­du­el­len Lebens­um­stän­den dem Fach­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­wir­ken kön­nen. Aber auch digi­ta­le Inno­va­tio­nen sind ein prä­sen­tes The­ma, da durch deren Nut­zung wie­der mehr Zeit für die Ver­sor­gung der Patient*innen bleibt.

Auch die ande­ren Teams arbei­ten an inter­es­san­ten Inno­va­ti­ons­kon­zep­ten: Anton Kra­disch, Milan Haker, Mar­kus Hes­se und Vic­tor Hereth beschäf­ti­gen sich mit der Erwei­te­rung und Anwen­dung exi­stie­ren­der Eva­lua­ti­ons­mo­del­le für neue Pfle­ge-Tech­no­lo­gien im digi­ta­len Raum. Zen­tral dabei ist es, die tra­di­tio­nell star­ken Wer­te von Dia­ko­neo ins moder­ne Zeit­al­ter der „Digi­tal Cor­po­ra­te Respon­si­bi­li­ty” zu über­set­zen. Wäh­rend­des­sen beschäf­ti­gen sich Lean­der Schnei­der, Pau­li­na Albert und Celia Kun­kel mit gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be als inte­gra­ti­ven Bestand­teil von Sozi­al­un­ter­neh­men und deren Poten­ti­al als Inno­va­ti­ons­trei­ber. Han­nah Fal­ter und Jonas Rich­arz nut­zen die star­ke Wer­te­po­si­tio­nie­rung des Unter­neh­mens, um wirk­sa­me Kon­zep­te des Employ­er Bran­dings zu untersuchen.

„Mit ihren The­men sind die Stu­die­ren­den abso­lut am Puls der Zeit und ver­ste­hen es, gesell­schaft­lich rele­van­te The­men in einer inno­va­ti­ven Art und Wei­se anzu­ge­hen. Wir sind sehr froh, dass wir hier­bei mit­wir­ken kön­nen“, sagt sich Dr. Mathi­as Hart­mann, Vor­stands­vor­sit­zen­der von Dia­ko­neo. Prof. Dr. Alex­an­der Brink: „Wir haben den P&E Think Tank erst­mals der Sozi­al­wirt­schaft gewid­met, weil wir hier star­kes Poten­ti­al sehen. Die Pfle­ge gehört defi­ni­tiv dazu.“ Ina Strickst­rock, Refe­ren­tin des Vor­stands­vor­sit­zen­den und Ansprech­part­ne­rin für die Stu­die­ren­den, ergänzt: „Die Zusam­men­ar­beit mit den Stu­die­ren­den macht wirk­lich Spaß. Es ist ein­fach schön zu sehen, wie die Ideen rei­fen und wie die Stu­die­ren­den den Input aus der Pra­xis auf­neh­men und in neue Kon­zep­te gießen“.

Hin­ter­grund P&E Think Tank

Der P&E Think Tank wird von einem füh­ren­den Koope­ra­ti­ons­part­ner über ein Jahr lang beglei­tet. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren waren dies u.a. Nokia, Daim­ler, Daim­ler Buses, die Deut­sche Bank und das Inter­na­tio­na­le Komi­tee vom Roten Kreu­zes. Am Think Tank neh­men jedes Jahr bis zu 15 aus­ge­wähl­te Stu­die­ren­de teil. In Klein­grup­pen von maxi­mal vier Per­so­nen ent­wickeln sie gemein­sam mit den Unter­neh­men sozia­le Inno­va­tio­nen an der Schnitt­stel­le von Öko­no­mie und Philosophie. 

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