Wun­sie­del trau­ert um sei­nen Ehren­bür­ger Mon­si­gno­re Hein­rich Ben­no Schäffler

Symbol-Bild Heimatkunde / Franken
Wunsiedel trauert um Ehrenbürger Monsignore Schäffler / Foto: Stadt Wunsiedel

Wun­sie­del trau­ert um Ehren­bür­ger Mon­si­gno­re Schäff­ler / Foto: Stadt Wunsiedel

Weni­ge Tage nach sei­nem 93. Geburts­tag ver­starb Hein­rich Ben­no Schäff­ler am 24.01.2021 in Selb.

Gebo­ren wur­de er am 14.01.1928 in Wun­sie­del, als Sohn des Bau­mei­sters Ben­no Schäff­ler und des­sen Ehe­frau Anna. Bei­de Eltern­tei­le waren poli­tisch enga­giert, so dass ihm die poli­ti­sche Arbeit von Kin­des­bei­nen an ver­traut war.

Schon in jun­gen Jah­ren begann er, die Gescheh­nis­se sei­ner Hei­mat­stadt Wun­sie­del auf sei­ne Art posi­tiv zu beein­flus­sen. In einer denk­wür­di­gen Fahrt nach Mün­chen sprach er als 17-jäh­ri­ger im Kul­tus­mi­ni­ste­ri­um des zer­bomb­ten Mün­chens vor und erreich­te, dass eine sieb­te und ach­te Klas­se an der Real­schu­le ein­ge­rich­tet wer­den konn­te. Dies ermög­lich­te ihm, gemein­sam mit sei­nen Kame­ra­den im März 1947 in Wun­sie­del das Abitur abzu­le­gen. Das war sei­ne Art, Din­ge anzu­packen und zu erledigen.

Nach dem Abitur stu­dier­te er Phi­lo­so­phie, Psy­cho­lo­gie, Theo­lo­gie, Moral­theo­lo­gie und Päd­ago­gik. In Amberg, Selb und Wei­den war er als Kaplan ein­ge­setzt. Bei der Cari­tas Schwe­stern­schaft in Bay­ern war er als Heim­lei­ter und spä­ter als Rek­tor tätig und besuch­te in den Jah­ren 1952 und 1953 das Prie­ster­se­mi­nar in Regens­burg. Als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter arbei­te­te er am moral­theo­lo­gi­schen Insti­tut der Uni­ver­si­tät Mün­chen, bis er von 1967 bis 1990 als Reli­gi­ons­leh­rer für das Lui­sen­burg-Gym­na­si­um tätig war.

Die Poli­tik fas­zi­nier­te Mon­si­gno­re Schäff­ler ein Leben lang. 18 Jah­re lang, von 1972 bis 1990, war er Mit­glied des Stadt­ra­tes. Von 1972 bis 1984 übte er das Amt des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der CSU/WG-Frak­ti­on im Stadt­rat aus. Wäh­rend sei­ner Stadt­rats­tä­tig­keit war er Mit­glied des Kul­tur- und Fest­spiel­aus­schus­ses, des Finanz­aus­schus­ses, des Stif­tungs- und Sozi­al­aus­schus­ses, des Werk­aus­schus­ses, des Schul­ver­bands, des Kran­ken­haus­aus­schus­ses und des Ver­wal­tungs­ra­tes der Spar­kas­se. In sei­ner poli­ti­schen Tätig­keit als Mit­glied des Wun­sied­ler Stadt­ra­tes enga­gier­te er sich vor allem auf kul­tu­rel­lem und sozia­lem Gebiet. Die Ein­füh­rung des „Kin­der­stücks“ auf der Lui­sen­burg erfolg­te auf sei­ne Initia­ti­ve hin, eben­so die Ein­füh­rungs­aben­de zu den ein­zel­nen Stücken. Dar­über hin­aus war er auch als Kreis­rat tätig.

Früh­zei­tig setz­te er sich auch für die Ver­stän­di­gung zwi­schen den Völ­kern ein. Er war Mit­in­itia­tor der Städ­te­part­ner­schaft mit Men­de und Mit­be­grün­der der Deutsch-Fran­zö­si­schen Gesell­schaft Wun­sie­del e. V. Dafür wur­de ihm anläss­lich sei­nes 90. Geburts­tags die Ehren­mit­glied­schafts­ur­kun­de der Deutsch-Fran­zö­si­schen Gesell­schaft verliehen.

Er war ein tat­kräf­ti­ger Unter­stüt­zer des Kamp­fes gegen den Rechts­ex­tre­mis­mus. Durch sei­ne För­de­rung der Bür­ger­initia­ti­ve „Wun­sie­del ist bunt – nicht braun!“ hat er deren Aktio­nen grund­sätz­li­chen Nach­druck verleihen.

Mon­si­gno­re Schäff­ler ist nicht nur Grün­dungs­mit­glied und Grün­dungs­vor­sit­zen­der, er war auch der Grün­dungs­va­ter des Ver­eins der Freun­de und För­de­rer der Lui­sen­burg-Fest­spie­le. Von ihm gestif­tet wur­de auch das Jean-Paul-Denk­mal im Thea­ter­foy­er der Luisenburg.

Die Tafeln der Selig­prei­sun­gen in der Rui­ne St. Katha­ri­na wären ohne sein Zutun nicht mög­lich gewesen.

Ganz beson­ders her­vor­zu­he­ben ist die von ihm ins Leben geru­fe­ne Hein­rich-Ben­no-Schäff­ler-Stif­tung. Sie hat sich die För­de­rung von Bil­dung und Erzie­hung, von Kunst und Kul­tur, des Wohl­fahrts­we­sens, der Reli­gi­on und des Denk­mal­schut­zes in Wun­sie­del zur Auf­ga­be gemacht.

Zeit­le­bens war ihm die Öku­me­ne eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit. Er hat sich stets für die Ver­stän­di­gung zwi­schen katho­li­scher und evan­ge­li­scher Kir­che ein­ge­setzt und die Zusam­men­ar­beit gefördert.

Er wur­de viel­fach aus­ge­zeich­net, so erhielt er 1984 die Ver­dienst­me­dail­le der Stadt Wun­sie­del und wur­de im glei­chen Jahr zum Bischöf­li­chen Gei­sti­gen Rat ernannt. 1990 erhielt er die Urkun­de für Ver­dien­ste um die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung. Ein Jahr spä­ter ernann­te ihn Papst Johan­nes Paul II. zum Mon­si­gno­re. 1996 erfolg­te die Ver­lei­hung des Bun­des­ver­dienst­kreu­zes am Ban­de und schließ­lich ver­lieh ihm sei­ne Vater­stadt 2001 den Ehren­ring. Der Höhe­punkt war sicher­lich die Ver­lei­hung der Ehren­bür­ger­wür­de der Fest­spiel­stadt Wun­sie­del im Dezem­ber 2008.

Erster Bür­ger­mei­ster Nico­las Lahov­nik: „Mit Mon­si­gno­re Hein­rich Ben­no Schäff­ler ver­liert die Stadt Wun­sie­del einen treu­en Freund, För­de­rer, Initia­tor und Vor­den­ker. Wir neh­men, in Dank­bar­keit und gro­ßer Aner­ken­nung um sei­ne Ver­dien­ste, Abschied von unse­rem Ehren­bür­ger Hein­rich Ben­no Schäffler.“