Aus­stel­lung “Schwer­ter zu Zapf­häh­nen” in Bam­berg

Coro­nabe­dingt muss­te das Frän­ki­sche Braue­rei­mu­se­um die Eröff­nung sei­ner Jubi­lä­ums­aus­stel­lung „Pax Vobis­cum“ ver­schie­ben. Anfang Sep­tem­ber wur­de der Ter­min als Inter­mez­zo mit Bür­ger­mei­ster Jonas Glü­sen­kamp und zahl­rei­chen Brau­ern aus der Regi­on nach­ge­holt. Eines der High­lights der Schau ist eine gro­ße Holz­skulp­tur von Eli­as Frisch, die als Leih­ga­be aus Unter­fran­ken an die Reg­nitz gekom­men ist.

Bürgermeister Jonas Glüsenkamp, Museumsvorstand Martin Knab und Kuratorin Nina Schipkowski beim Ausstellungsrundgang. Foto: Markus Raupach

Bür­ger­mei­ster Jonas Glü­sen­kamp, Muse­ums­vor­stand Mar­tin Knab und Kura­to­rin Nina Schip­kow­ski beim Aus­stel­lungs­rund­gang. Foto: Mar­kus Rau­pach

„Ich hät­te nicht gedacht, dass gera­de Bie­re­ti­ket­ten so krea­tiv und kunst­voll gestal­tet wer­den kön­nen“, so der Bam­ber­ger Bür­ger­mei­ster Jonas Glü­sen­kamp bei der Run­de, die er mit dem Oberels­ba­cher Brau­er Andre­as Seufert durch die Aus­stel­lung am Bam­ber­ger Michels­berg dreh­te. Über 70 ver­schie­de­ne Eti­ket­ten und ihr jewei­li­ger Ent­ste­hungs­pro­zess sind auf groß­for­ma­ti­gen Drucken im gesam­ten Braue­rei­mu­se­um ver­teilt. Ver­ant­wort­lich für das Design zeich­net Künst­ler Chri­sti­an Krank. Der Comic-Zeich­ner aus Würz­burg ist sonst eigent­lich eher der „dunk­len“ Sei­te zuge­wandt. Haupt­be­ruf­lich ist er als Kran­ken­pfle­ger unter­wegs und singt noch in einer Metal-Band. „Es ist gera­de toll, mit den Bie­re­ti­ket­ten etwas völ­lig neu­es und ande­res zu machen, ich habe dabei völ­lig freie Hand und kann mich rich­tig aus­le­ben.“ Das Ver­trau­en zwi­schen dem Eti­ket­ten­künst­ler und dem Brau­er datiert noch in die Kin­der­zeit, als bei­de gemein­sam die Schul­bank drück­ten.

Seufert selbst absol­vier­te spä­ter bei der Würz­bur­ger Hof­bräu die Aus­bil­dung zum Brau­er, bevor er unter bei Anstel­lun­gen ande­rem in Viet­nam, Chi­na, Austra­li­en, Süd­afri­ka, der Tür­kei und Russ­land viel Erfah­rung sam­meln konn­te. Die Idee zur eige­nen Braue­rei ver­lor er dabei nie aus den Augen und ver­wirk­lich­te sie Ende 2009 mit der Pax Bräu in der Rhön. Den Namen dafür hat­te er schon acht Jah­re vor­her gefun­den, als er am denk­wür­di­gen 9.11.2001 sei­nen ersten Tag in der Brau­mei­ster­schu­le in Grä­fel­fing hat­te. Dar­auf ging auch Muse­ums­vor­stand Mar­tin Knab bei sei­ner Begrü­ßung ein. Er ver­folg­te den Aus­druck „Schwer­ter zu Pflug­scha­ren“ durch die Jahr­hun­der­te vom ursprüng­li­chen Bibel­zu­tat bis zur von einer sowje­ti­schen Bron­ze­skulp­tur ange­reg­ten Frie­dens­in­itia­ti­ve in der DDR, die die drei Wor­te zu ihren Slo­gan mach­te.

Die Holzskulptur „Schwerter zu Zapfhähnen schmieden“ von Elias Frisch. Foto: Markus Raupach

Die Holz­skulp­tur „Schwer­ter zu Zapf­häh­nen schmie­den“ von Eli­as Frisch. Foto: Mar­kus Rau­pach

Spä­ter inspi­rier­te das Idi­om auch die west­li­chen Frie­dens­ak­ti­vi­sten – und Andre­as Seufert mach­te den Brücken­schlag zum Brau­hand­werk – und „Schwer­ter zu Zapf­häh­nen“ zu sei­nem Wahl­spruch. Der fin­det sich nicht nur auf vie­len der aus­ge­stell­ten Eti­ket­ten, son­dern wur­de auch zum Mot­to der rie­si­gen Holz­skulp­tur von Eli­as Frisch aus Bischofs­heim. Der Holz­bild­hau­er bezeich­net sich selbst als Wooddrui­de und war von dem Bild des „Zapf­hahn­schmie­dens“ sofort ange­tan. Inner­halb von vier Wochen und über 200 Arbeits­stun­den ließ er aus gro­ßen Eschen­stäm­men einen Hop­fen- und einen Ger­sten­mann ent­ste­hen, die aus einem Schwert einen Zapf­hahn for­men. Die ein­drucks­vol­le Figu­ren­grup­pe steht nor­ma­ler­wei­se in Bad Neu­stadt in der Rhön, gehört aber als Leih­ga­be eben­falls zur Aus­stel­lung in Bam­berg.

Kura­to­rin Nina Schip­kow­ski beton­te in ihrer Ein­füh­rung, dass vor allem die kom­pro­miss­lo­se Hal­tung von Andre­as Seufert sie zu der Aus­stel­lung inspi­riert habe. Bei sei­nem Ansin­nen, „ein Leucht­feu­er der Non­kon­for­mi­tät in einer wach­sen­den Ein­tö­nig­keits­wü­ste der Groß­kon­zern­er­zeug­nis­se zu sein“, habe er Kunst und Brau­en ver­eint und somit das The­ma Wer­be­mit­tel auf eine neue Stu­fe geho­ben. Schip­kow­ski mach­te sich auch vie­le Gedan­ken, wo in den umfang­rei­chen Muse­ums­räu­men wel­che Eti­ket­ten prä­sen­tiert wer­den: „Für die Aus­stel­lung habe ich mich für sinn­vol­le Grup­pen aus ästhe­ti­schen oder zum Bei­spiel inhalt­li­chen Grün­den ent­schie­den. Aus ästhe­ti­schen Grün­den hän­gen z.B. beson­ders düste­re, mar­tia­li­sche Moti­ve pas­sen­der­wei­se im Eis­kel­ler, die Eti­ket­ten für die Sin­glehop Bie­re mit Edel­stein­hop­fen­sor­ten hän­gen fol­ge­rich­tig aus inhalt­li­chen Grün­den zusam­men.“

Zu sehen ist die Aus­stel­lung noch bis Ende 2022, der Ein­tritt kostet 4 Euro. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie unter www​.braue​rei​mu​se​um​.de.

Text und Bil­der: Mar­kus Rau­pach