Über­wäl­ti­gen­de Rekord­teil­na­me an der Stun­de der Gar­ten­vö­gel in Bay­ern

Teil­neh­mer­re­kord vom Vor­jahr mehr als ver­dop­pelt – Töd­li­che Bak­te­ri­en könn­ten neben Blau­mei­sen auch ande­re Vogel­ar­ten betref­fen

Hil­polt­stein, 04.06.20 – Für die Sen­sa­ti­on bei der Mit­mach­ak­ti­on „Stun­de der Gar­ten­vö­gel” sor­gen die­ses Jahr die Teilnehmer*innen selbst. Über 25.500 Bay­ern haben Anfang Mai in über 17.400 Gär­ten, Parks und Bal­ko­nen ihre Vögel gezählt und dem LBV gemel­det. Eine Rekord­teil­nah­me, die das bis­he­ri­ge Rekord­ergeb­nis des Vor­jah­res sogar ver­dop­pelt hat. „Wir sind über­wäl­tigt von der sen­sa­tio­nel­len Betei­li­gung an unse­rer Mit­mach­ak­ti­on. Wie erhofft schlägt sich das gestie­ge­ne Inter­es­se an der Natur vor der Haus­tü­re in Coro­na-Zei­ten direkt in der Stun­de der Gar­ten­vö­gel nie­der”, sagt Anni­ka Lan­ge, LBV-Citi­zen-Sci­ence-Beauf­trag­te. Sie ergänzt: „Wir freu­en uns, wenn das Inter­es­se von Dau­er ist und die zahl­rei­chen Erst-Teil­neh­mer auch im näch­sten Jahr wie­der mit­zäh­len und sich wei­ter­hin für den Schutz der Natur im unmit­tel­ba­ren Lebens­um­feld begei­stern und ein­set­zen.” Lei­der hat sich der anfäng­li­che Trend, dass das bun­des­wei­te Blau­mei­sen­ster­ben in Bay­ern nur eine Rand­er­schei­nung bleibt, im End­ergeb­nis nicht bestä­tigt. „Auch bei uns wur­den wie im Bun­des­durch­schnitt 22 Pro­zent weni­ger Blau­mei­sen pro Gar­ten gemel­det als im Vor­jahr”, so Lan­ge. Die land­kreis­ge­nau­en Ergeb­nis­se der gemein­sa­men Vogel­zäh­lung von LBV und sei­nem bun­des­wei­ten Part­ner NABU fin­den sich unter www​.stun​de​-der​-gar​ten​vo​gel​.lbv​.de.

Bei der dies­jäh­ri­gen „Stun­de der Gar­ten­vö­gel” hat­ten die LBV-Natur­schüt­zer ein beson­de­res Auge auf die Blau­mei­se gewor­fen. „Mit nur noch 1,54 Vögeln pro Gar­ten im Gegen­satz zu 2 beob­ach­te­ten Vögeln 2019, haben die Teilnehmer*innen 22 Pro­zent weni­ger Blau­mei­sen in Bay­ern gezählt”, erklärt Anni­ka Lan­ge. Bereits vor der gro­ßen Vogel­zäh­lung erreich­ten den LBV und NABU mehr als 1.500 baye­ri­sche Ver­dachts­fäl­le von toten oder kran­ken Blau­mei­sen. Für ganz Deutsch­land wur­den knapp 40.000 betrof­fe­ne Vögel gemel­det. Als Aus­lö­ser des Blau­mei­sen­ster­bens wur­de das Bak­te­ri­um Sut­to­nella orni­t­ho­co­la bestimmt. Mit den Ergeb­nis­sen aus der Vogel­zäh­lung kann nun ein sehr wahr­schein­li­cher Zusam­men­hang zwi­schen der Anzahl der Mel­dun­gen kran­ker Mei­sen und einem Rück­gang der Bestands­zah­len her­ge­stellt wer­den. Je mehr tote Mei­sen von einem Ort gemel­det wur­den, umso grö­ßer waren dort auch die Rück­gän­ge der Mei­sen­zah­len. „Wir kön­nen davon aus­ge­hen, dass zumin­dest ein Teil des Bestands­rück­gangs mit dem dies­jäh­ri­gen Blau­mei­sen­ster­ben zu erklä­ren ist”, so die LBV-Bio­lo­gin. „Für Bay­ern trifft dies vor allem auf die Land­krei­se Neu­stadt an der Aisch/​Bad Winds­heim, Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, Dil­lin­gen an der Donau, Unter­all­gäu und Main-Spes­sart zu.”

Wei­te­re Arten wie die Gold­am­mer oder das Rot­kehl­chen, die im Rah­men des Mei­sen­ster­bens häu­fig von Vogel­freun­den eben­falls mit­ge­mel­det wur­den, ver­zeich­nen auch einen Rück­gang. „Auch für die­se Vogel­ar­ten könn­te ein Zusam­men­hang von Ver­dachts­mel­dun­gen und Bestands­rück­gän­gen bestehen. Ein Labor­nach­weis des Bak­te­ri­ums liegt bei die­sen Arten jedoch noch nicht vor”, erklärt Lan­ge.

Der Haus­sper­ling (1.) ist nicht nur im Win­ter, son­dern auch im Som­mer der häu­fig­ste Gar­ten­vo­gel in Bay­ern mit über vier Vögeln pro Gar­ten. Der Spatz sta­gniert jedoch auf dem schlech­ten Niveau der Vor­jah­re und kommt schon seit eini­gen Jah­ren nur noch in zwei Drit­tel der baye­ri­schen Gär­ten vor. Die Amsel (2.) erholt sich von den Bestands­rück­gän­gen durch das Usutu-Virus in den Vor­jah­ren und den letz­ten bei­den Dür­re­som­mer. Sie ist als weit­ver­brei­tet­ster Gar­ten­vo­gel, der in über 90 Pro­zent der Gär­ten gezählt wur­de, zurück auf ihrem ange­stamm­ten zwei­ten Platz. Dahin­ter ran­giert der Feld­sper­ling (3.) vor dem Star (4.). Auf Platz fünf folgt die Kohl­mei­se vor der Blau­mei­se (6.).

Ver­lie­rer die­ses Jahr ist wie in den Vor­jah­ren der Grün­fink (8.). Er setzt sei­nen Abwärts­trend fort und wird mitt­ler­wei­le nur noch halb so oft in den Gär­ten gezählt wie zu Beginn der Zäh­lung 2005. Auch der Buch­fink (11.) stürzt auf einen nied­ri­ge­ren Rang ab, den er zuletzt vor acht Jah­ren beleg­te.

Zu den Gewin­nern zäh­len die Tür­ken- und Rin­gel­tau­ben. Beson­ders der Bestand der Rin­gel­tau­ben ent­wickelt sich seit Jah­ren posi­tiv. Bei­de Tau­ben­ar­ten sind Wild­tau­ben und nicht mit der gemei­nen Stadt­tau­be zu ver­wech­seln.

Mau­er­seg­ler (12.) und Mehl­schwal­ben (9.) wur­den die­ses Jahr erfreu­li­cher­wei­se wie­der häu­fi­ger gezählt. Als Jäger von Luft­plank­ton, also Luft­in­sek­ten, sind bei­de Arten jedoch durch das Insek­ten­ster­ben gefähr­det. Das zeigt auch der Ver­gleich der Mel­de­da­ten mit ver­gan­ge­nen Jah­ren. So wur­den vor einem Jahr­zehnt deut­lich mehr der Insek­ten­fres­ser gezählt.

Bereits vor der „Stun­de der Gar­ten­vö­gel” haben uns über 1000 Naturfreund*innen Wie­de­hop­fe in ihrem Gar­ten gemel­det. Die Vögel befan­den sich dabei auf dem Durch­zug in ihre Brut­ge­bie­te. „Am Wochen­en­de der Vogel­zäh­lung konn­ten immer­hin noch 35 Wie­de­hop­fe in den baye­ri­schen Gär­ten gezählt wer­den, was uns hof­fen lässt, dass der eine oder ande­re Vogel doch in Bay­ern bleibt und wie­der zum Brut­vo­gel wird”, so Lan­ge.

Detail­lier­te Ergeb­nis­se sind auf Bundes‑, Lan­des- und Land­kreis­ebe­ne auf www​.stun​de​-der​-gar​ten​-voe​gel​.lbv​.de abruf­bar und kön­nen mit ver­gan­ge­nen Jah­ren ver­gli­chen wer­den. Wer Lust bekom­men hat, wei­ter zu zäh­len, kann noch bis 09. Juni an der Citi­zen-Sci­ence-Akti­on „Insek­ten­som­mer” von LBV und NABU teil­neh­men. Die näch­ste Zäh­lung der Vögel im Gar­ten, die „Stun­de der Win­ter­vö­gel”, steht vom 8. bis 10. Janu­ar 2021 an.