Aus der Dormit­zer Leser­post: “Kein Ver­schie­ben der Ver­kehrs­pro­ble­me auf Nach­bar­or­te”

Pres­se­mit­tei­lung der Inter­es­sens­ge­mein­schaft L(i)ebenswertes Dormitz zum Schrei­ben von Frau Karin Weber, ver­öf­fent­licht am 23.05.2020 im Wie­sent­bo­ten:

Von einem “Ver­schie­ben der Ver­kehrs­pro­ble­me” auf Nach­bar­or­te kann kei­ne Rede sein. Letzt­lich stellt sich nur die Fra­ge, ob der mas­si­ve Ver­kehr wei­ter­hin durch oder um Dormitz her­um gelei­tet wird. Die zukünf­ti­ge Umge­hungs­stra­ße ist defi­ni­tiv kei­ne “zube­to­nier­te Renn­strecke” und wird auch kei­ne “Kli­ma­kri­se” aus­lö­sen kön­nen. Das ist maß­los über­trie­ben, sach­lich gese­hen sind es über 13.000 Fahr­zeu­ge, dar­un­ter ca. 700 Schwer­la­ster, Bus­se etc. (Stand 2015, Ten­denz stei­gend), die tag­täg­lich die Sicher­heit auf unse­rer Haupt­stra­ße gefähr­den und den Anwoh­nern einen bestän­di­gen Lärm­pe­gel von teils über 70 dB besche­ren. Dem muss man ein Opfer einer bis­lang unbe­bau­ten Flä­che von etwa 3,2 ha gegen­über­zu­stel­len.

Es mag sicher­lich im ersten Moment etwas frag­lich erschei­nen, wei­te­re Flä­chen zu ver­sie­geln, es schmerzt aber auch anzu­se­hen, wie vie­le Häu­ser an der Dormit­zer Haupt­stra­ße trotz Wohn­raum­not leer ste­hen und statt­des­sen dafür Flä­chen an ande­ren Stel­len ver­sie­gelt wer­den. Allein in Dormitz wur­den in den letz­ten 3 Jah­ren mehr als 1,3 ha an Wohn­bau­flä­chen neu aus­ge­wie­sen. Rech­net man die Flä­chen von Neun­kir­chen dazu, stellt dies den angeb­lich so mas­si­ven Flä­chen­ver­brauch der Umge­hungs­stra­ße in den Schat­ten. Es gibt zudem kei­ner­lei Anzei­chen, dass der Ver­kehr abneh­men wird, im Gegen­teil, neue Bau­ge­bie­te wer­den wei­ter­hin mas­siv aus­ge­wie­sen. Der ÖPNV kann nicht alle Strecken bedie­nen. Der Indi­vi­du­al­ver­kehr boomt in Deutsch­land über­all, kaum jemand möch­te kom­plett auf ihn ver­zich­ten, jetzt wegen Coro­na umso weni­ger. Zum Schwer­last­ver­kehr gibt es gar kei­ne Alter­na­ti­ve.

Dormitz hat das Pro­blem eines Trich­ters. Es führt kei­ne alter­na­ti­ve Strecke um Dormitz, was wir nun schmerz­lich in der Zeit der Brücken­sa­nie­rung erle­ben müs­sen. Nur eine Umge­hung hät­te die­ses Desa­ster ver­hin­dern kön­nen.

Nie­mand will ohne Not die Natur beein­träch­ti­gen, in Dormitz geht es aber um mehr, um die Sicher­heit unse­rer Bürger*innen, um die Gesund­heit der Anwoh­ner und dar­um, ob unser Dorf l(i)ebenswert wird. Dies ent­schei­det letzt­lich die Tat­sa­che, ob sich durch Dormitz wei­ter­hin tag­täg­lich eine Auto­la­wi­ne quält oder ob sich auf der Haupt­stra­ße eine gewis­se frän­ki­sche Dorf­idyl­le ent­wickelt, auf der Leben und Kom­mu­ni­ka­ti­on statt­fin­den kön­nen, z. B. auf außen­be­stuhl­ten Flä­chen und ob unse­re Schul­kin­der sicher wie­der heim­kom­men.

Dormitz top oder Dormitz wei­ter­hin mit Ver­kehrs­de­sa­ster – das ist letzt­lich die Fra­ge. Das Stra­ßen­bau­amt hat im Zuge sei­ner Pla­nun­gen alle Kri­te­ri­en sorg­sam gegen­ein­an­der abge­wo­gen, den kleinst­mög­lich­sten Natur­ein­griff ermit­telt. War­um kön­nen die­se weit­ge­hend fun­dier­ten Ergeb­nis­se nicht akzep­tiert wer­den? Gro­ße Städ­te bemü­hen sich hän­de­rin­gend, den Ver­kehr her­aus­zu­be­kom­men, war­um also soll er in Dormitz mit­ten­drin ver­blei­ben? Die Dormit­zer Umge­hungs­stra­ße wäre für alle Mit­bür­ge­rin­nen und ‑bür­ger ein Gewinn und ist letzt­lich alter­na­tiv­los.

Dormitz top mit frän­ki­scher Dorf­idyl­le oder Dormitz ein Flop mit ewi­ger Ver­kehrs­be­la­stung – das ist eigent­lich doch kei­ne Fra­ge.

Inter­es­sens­ge­mein­schaft L(i)ebenswertes Dormitz