GEW Bay­ern zur Feri­en-Not­be­treu­ung an Schu­len: Das Limit der Bela­stung für Lehr­kräf­te ist erreicht!

In einem Schrei­ben an die Schul­lei­tun­gen wird bekannt­ge­ge­ben, dass der Mini­ster­rat eine Aus­wei­tung der Not­be­treu­ung für die Jahr­gangs­stu­fen 1 bis 6 in den Pfingst­fe­ri­en beschlos­sen hat. Eltern und Erzie­hungs­be­rech­tig­te in system­re­le­van­ten Beru­fen wären wei­ter­hin in den Feri­en auf die Not­be­treu­ung ange­wie­sen, da vie­le Betrie­be für ihre Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in den ver­gan­ge­nen Wochen Urlaub ange­ord­net haben, der nun aber auf­ge­braucht ist. Mit Blick auf abge­lau­fe­ne Urlaubs­zei­ten bei Eltern soll nun in den Pfingst­fe­ri­en eine Not­be­treu­ung sicher­ge­stellt wer­den. Die Lehr­kräf­te der Grund­schu­len, der Mit­tel­schu­len und der För­der­zen­tren müs­sen in den Pfingst­fe­ri­en von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr die Not­be­treu­ung über­neh­men.

Seit Wochen arbei­ten die Leh­re­rin­nen und Leh­rer im „Drei­klang“, wie Kul­tus­mi­ni­ster Pia­zo­lo es nennt. Ein schö­nes Bild, das an Ent­span­nung den­ken lässt – aber weit gefehlt! Die Lehr­kräf­te arbei­ten im auf­ein­an­der abge­stimm­ten Drei­klang aus Prä­senz­un­ter­richt in den Schu­len, Ler­nen zu Hau­se und Not­fall­be­treu­ung. Eine Kol­le­gin beschreibt es so: „Bei mir dreht sich alles nur noch um Unter­richt und Schu­le – jeden Tag von früh bis spät und auch noch an den Wochen­en­den – ich hal­te Unter­richt und berei­te ihn vor, ich stel­le Lern­pa­ke­te für die „Zuhause“-Gruppe zusam­men, ich beschu­le die Kin­der digi­tal und betreue die Eltern und Kin­der tele­fo­nisch und zu guter Letzt bin ich noch in den Not­grup­pen zur Betreu­ung ein­ge­setzt. Ich habe kaum mehr Luft zum Atmen! Alle im Kol­le­gi­um sto­ßen an ihre Gren­zen und die Stim­mung wird immer schlech­ter.“

Ruth Bren­ner, Spre­che­rin der GEW-Lan­des­fach­grup­pe Grund- und Mit­tel­schu­len: „Es reicht! Die Arbeits­zeit der Leh­re­rin­nen und Leh­rer ist schon jetzt völ­lig ent­grenzt und nun wer­den die Kolleg*innen auch noch dazu ver­don­nert, die „Feri­en­be­treu­ung“ in den Pfingst­fe­ri­en zu über­neh­men.“ Die Not­be­treu­ung in den Oster­fe­ri­en war nach­voll­zieh­bar. Eltern, die in Pfle­ge­be­ru­fen tätig sind, muss­ten ent­la­stet wer­den, um die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung auf­recht zu erhal­ten. Aber jetzt ist das Gesund­heits­sy­stem auf Grund des Rück­gangs der Infek­ti­ons­zah­len nicht mehr über­la­stet. Das wird sich auch wäh­rend der Pfingst­fe­ri­en aller Vor­aus­sicht nach nicht ändern. Dazu Johan­nes Schil­ler, Spre­cher der GEW-Lan­des­fach­grup­pe son­der­päd­ago­gi­sche Beru­fe: „Eine Feri­en­be­treu­ung für Kin­der berufs­tä­ti­ger Eltern, die wäh­rend der Schul­fe­ri­en kei­nen Urlaub mehr neh­men kön­nen, wird jetzt klamm­heim­lich in das Auf­ga­ben­feld staat­li­cher Lehr­kräf­te inte­griert.“

Die GEW for­dert, weder in den Pfingst­fe­ri­en noch in den Som­mer­fe­ri­en Lehr­kräf­te für Feri­en­be­treu­un­gen ein­zu­set­zen!

Schon vor Coro­na waren das Gesund­heits- und das Bil­dungs­sy­stem in der „Kri­se“: An vie­len Kli­ni­ken wur­de der Pfle­ge­not­stand aus­ge­ru­fen. An den Grund‑, Mit­tel- und För­der­schu­len herrscht seit Jah­ren auf Grund einer desa­strö­sen Pla­nung des Kul­tus­mi­ni­ste­ri­ums ein ekla­tan­ter Lehrer*innenmangel. In Zei­ten von Coro­na wer­den die Bedin­gun­gen immer schwie­ri­ger und Män­gel tre­ten beson­ders deut­lich zuta­ge. Aber das darf nicht auf dem Rücken der Beschäf­tig­ten aus­ge­tra­gen wer­den – weder in den Pfle­ge­ein­rich­tun­gen noch an den Schu­len.