IT-Clu­ster Ober­fran­ken: “Den Glas­fa­ser­aus­bau gezielt vor­an­trei­ben”

Die Vorstandscgaft des IT-Clusters: Mario Mages, Hans Ulrich Gruber und Thomas Feike. Foto: ITC-Oberfranken
Die Vorstandscgaft des IT-Clusters: Mario Mages, Hans Ulrich Gruber und Thomas Feike. Foto: ITC-Oberfranken

In der aktu­el­len Kri­sen­si­tua­ti­on wird der digi­ta­le Flicken­tep­pich in Ober­fran­ken sicht- und spür­bar. Home­of­fice ist nicht über­all mög­lich. Das lähmt die Pro­duk­ti­vi­tät und hat wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen. Daher ist es jetzt an der Zeit, den Glas­fa­ser­aus­bau gezielt vor­an­zu­trei­ben, for­dert der IT-Clu­ster.

„Die letz­ten Meter in die Pri­vat­woh­nung sind, wie auch in die Fir­ma, die wich­tig­sten“, so Vor­stands­vor­sit­zen­der Hans Ulrich Gru­ber. „Alle Ver­säum­nis­se der letz­ten Jah­re kom­men jetzt hoch.“ Er mel­det Beden­ken an, dass Video­kon­fe­ren­zen vom Home­of­fice über­haupt flä­chen­deckend mög­lich sei­en oder dass alle Mit­ar­bei­ter von außen auf das fir­men­ei­ge­ne Rechen­zen­trum zugrei­fen kön­nen. Das gebe die vor­han­de­ne Infra­struk­tur nicht über­all her.

„Jetzt in der aktu­el­len Kri­sen­si­tua­ti­on wird der digi­ta­le Flicken­tep­pich in Ober­fran­ken sicht­bar und vor allen Din­gen täg­lich spür­bar“, ergänzt der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Tho­mas Fei­ke. Bis­her habe man in die­sem Zusam­men­hang ledig­lich immer von Funk­lö­chern gespro­chen, die sich in wirt­schaft­lich „unwich­ti­gen“ Regio­nen befin­den wür­den. „Aber, dort woh­nen und leben nun ein­mal die Mit­ar­bei­ter der Unter­neh­men, die jetzt den Geschäfts­be­trieb remo­te aus ihren Home­of­fices am Lau­fen hal­ten sol­len und müs­sen.“

Für die Vor­stand­schaft ist die For­de­rung daher klar, wie Tho­mas Fei­ke aus­führt: „Das heißt, nicht nur die Pro­duk­ti­ons­räu­me der Unter­neh­men links und rechts der Auto­bahn, son­dern auch der pri­va­te Wohn­raum im rein länd­li­chen Bereich muss infra­struk­tu­rell top ange­bun­den sein.“ So schnell kön­ne sich der Blick­win­kel und vor allen Din­gen die Prio­ri­tät der Bedeu­tung ändern: „Hof­fent­lich nach­hal­tig!“, wie er sagt.

„Den Aus­bau von Glas­fa­ser­ka­bel wei­ter beschleu­ni­gen“

„Das Wich­tig­ste ist, den Aus­bau von Glas­fa­ser­ka­bel wei­ter­hin zu beschleu­ni­gen“, emp­fiehlt auch Hans Jür­gen Ben­gel. Er ist Geschäfts­füh­rer der Stadt­netz Bam­berg Gesell­schaft für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on mbH (STNB). Sein Unter­neh­men ist Anbie­ter und Betrei­ber von eige­nem Glas­fa­ser­ka­bel und kann bereits 98 Pro­zent der Bevöl­ke­rung von Bam­berg mit digi­ta­len Dien­sten, wie Inter­net, TV und Tele­fo­nie ver­sor­gen. „Gera­de in die­sen wirt­schaft­lich dun­kel­sten Stun­den der Neu­zeit wird die Wich­tig­keit der stö­rungs­frei­en, sta­bi­len und per­for­man­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on über Inter­net und Tele­fon spür­bar. Und das kann für uns nur die Über­tra­gung auf Glas­fa­ser­strecken bzw. ‑tech­nik gewähr­lei­sten.“ Er for­dert auf regio­na­le Anbie­ter zu set­zen. Dies unter­stüt­ze auch den jewei­li­gen Wirt­schafts­stand­ort in der Regi­on. „Ein Über­bau von Infra­struk­tur soll­te ver­mie­den wer­den und bevor­zugt als Koope­ra­ti­ons­part­ner die vor­han­de­ne eige­ne Infra­struk­tur zur Ver­mie­tung anbie­ten.“

Glas­fa­ser­aus­bau, aber auch die letz­te Mei­le – sprich der Haus­an­schluss – müs­se in ganz Ober­fran­ken noch auf­ge­rü­stet wer­den, ergänzt der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des IT-Clu­sters, Mario Mages. „Wenn Glas­fa­ser letzt­end­lich auf ein Kup­fer­ka­bel trifft, ist es so, als wenn die Auto­bahn in einem Feld­weg mün­det.“ Neben dem Aus­bau sei es auch wich­tig Glas­fa­ser auf dem neue­sten Stand zu ver­le­gen, wie Hans Ulrich Gru­ber ergänzt. „50 Mega­bit ist kein schnel­les Inter­net! Das ist mit 90 Stun­den­ki­lo­me­ter über die Auto­bahn fah­ren!“ Jeder Haus­halt soll­te min­de­stens mit 200 Mega­bit ange­bun­den sein. „Das fühlt sich dann wie 130 auf der Auto­bahn an. Wer freie Fahrt für freie Bür­ger auf der Auto­bahn for­dert, soll­te wis­sen, das sind 500 Mega­bit.“

Ähn­lich beur­tei­len die Situa­ti­on auch die Mit­glieds­un­ter­neh­men im IT-Clu­ster. Deren Feed­back ist ein­deu­tig, wie Tho­mas Fei­ke erläu­tert: „So tri­vi­al es klingt, es dreht und wen­det sich alles um das The­ma infra­struk­tu­rel­le Vor­aus­set­zun­gen im Busi­ness als auch im Pri­va­ten.“ Und Mario Mages ergänzt: „Vie­le hät­ten ger­ne mehr Band­brei­te, als ihnen der­zeit zur Ver­fü­gung steht.“

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Ver­an­stal­tun­gen und zum IT-Clu­ster gibt es online: www​.it​-clu​ster​-ober​fran​ken​.de

Das Inter­view: „Der digi­ta­le Flicken­tep­pich in Ober­fran­ken wird täg­lich sicht­bar und vor allen Din­gen spür­bar“

Die Fol­gen der Pan­de­mie füh­ren die Män­gel in der digi­ta­len Infra­struk­tur wie unter dem Kalei­do­skop zu Tage. Im Inter­view erläu­tert die Vor­stand­schaft des IT-Clu­sters, Hans Ulrich Gru­ber, Tho­mas Fei­ke und Mario Mages, wo die Her­aus­for­de­run­gen, Hand­lungs­fel­der und auch Chan­cen lie­gen.

In Zei­ten von Coro­na bekommt die digi­ta­le Infra­struk­tur eine beson­de­re Bedeu­tung, in wel­chem Bereich ist sie der­zeit beson­ders wich­tig?

Hans Ulrich Gru­ber: Die letz­ten Meter in die Pri­vat­woh­nung sind, wie auch in die Fir­ma, die wich­tig­sten. Alle Ver­säum­nis­se der letz­ten Jah­re kom­men jetzt hoch. Video­kon­fe­renz vom Home­of­fice – ist das über­haupt mög­lich? Dass alle Mit­ar­bei­ter von außen auf das fir­men­ei­ge­ne Rechen­zen­trum zugrei­fen, gibt das die Lei­tung über­haupt her?

Tho­mas Fei­ke: Digi­ta­le Infra­struk­tur ist nicht nur in Zei­ten von Coro­na für Unter­neh­men und Pri­vat­per­so­nen beson­ders wich­tig. Zwi­schen­zeit­lich stellt eine per­for­man­te Inter­net-Anbin­dung in allen Lebens­be­rei­chen einen erfolgs­ent­schei­den­den Fak­tor dar. Man kann hier bereits von einem Grund­be­dürf­nis spre­chen. Viel­leicht wäre an die­ser Stel­le der Gesetz­ge­ber gefor­dert.

Mario Mages: Durch Coro­na ist es ja gebo­ten, das öffent­li­che und sozia­le Leben wei­test­ge­hend her­un­ter­zu­fah­ren. Umso wich­ti­ger ist es für die Men­schen nun, vir­tu­ell in Kon­takt zu blei­ben und aus Unter­neh­mens­sicht müs­sen aktu­ell so vie­le Pro­zes­se wie mög­lich remo­te lau­fen. Dafür ist eine sta­bi­le digi­ta­le Infra­struk­tur uner­läss­lich. Denn: ohne Inter­net­ver­bin­dung auch kei­ne Pro­duk­ti­vi­tät.

Wie beur­tei­len Sie die digi­ta­le Infra­struk­tur in Ober­fran­ken ins­ge­samt?

Tho­mas Fei­ke: Jetzt in der aktu­el­len Kri­sen­si­tua­ti­on wird der digi­ta­le Flicken­tep­pich in Ober­fran­ken sicht­bar und vor allen Din­gen täg­lich spür­bar. Bis­her hat man in die­sem Zusam­men­hang ledig­lich immer von Funk­lö­chern gespro­chen, die sich in wirt­schaft­lich „unwich­ti­gen“ Regio­nen befin­den. Aber, dort woh­nen und leben nun ein­mal die Mit­ar­bei­ter der Unter­neh­men, die jetzt den Geschäfts­be­trieb remo­te aus ihren Home­of­fices am Lau­fen hal­ten sol­len und müs­sen. Das heißt, nicht nur die Pro­duk­ti­ons­räu­me der Unter­neh­men „links und rechts der Auto­bahn“, son­dern auch der pri­va­te Wohn­raum im rein länd­li­chen Bereich muss infra­struk­tu­rell top ange­bun­den sein. So schnell kann sich der Blick­win­kel und vor allen Din­gen die Prio­ri­tät der Bedeu­tung ändern – hof­fent­lich nach­hal­tig!

Hans Ulrich Gru­ber: Es gibt Teil­flä­chen, bei denen sind wir gut auf­ge­stellt. Ich woh­ne „Gott sei Dank“ in so einer Gemein­de. Aber der über­wie­gen­de Teil fühlt sich an wie in der Savan­ne oder im Dschun­gel. Kup­fer­ka­bel­land! Da steht man dann am Rand und schaut zu, wie die ande­ren schnel­les Inter­net haben.

Mario Mages: In den Städ­ten ist man gut auf­ge­stellt, aber eini­ge länd­li­che Ecken hin­ken immer noch hin­ter­her. Fai­rer­wei­se muss man aber auch sagen, dass oft­mals das Pro­blem nicht die feh­len­de Band­brei­te ist, son­dern bei den jewei­li­gen Ser­vern durch zu vie­le Anfra­gen der Daten­stau ent­steht. Bei­spiels­wei­se ist bei ruckeln­den Video­kon­fe­ren­zen nicht eine zu klei­ne Daten­lei­tung das Pro­blem, son­dern es ist die Infra­struk­tur des Soft­ware­an­bie­ters selbst.

Wel­che Maß­nah­men sind jetzt beson­ders wich­tig?

Mario Mages: Glas­fa­ser­aus­bau, aber auch die letz­te Mei­le – sprich der Haus­an­schluss – muss noch auf­ge­rü­stet wer­den. Wenn Glas­fa­ser letzt­end­lich auf ein Kup­fer­ka­bel trifft, ist es so, als wenn die Auto­bahn in einem Feld­weg mün­det.

Hans Ulrich Gru­ber: Glas­fa­ser ver­le­gen, Glas­fa­ser ver­le­gen, Glas­fa­ser ver­le­gen: Aber bit­te auf dem neue­sten Stand. 50 Mbit ist kein schnel­les Inter­net! Das ist mit 90 Stun­den­ki­lo­me­ter über die Auto­bahn fah­ren! Jeder Haus­halt soll­te min­de­stens 200 Mbit haben, das fühlt sich dann wie 130 auf der Auto­bahn an. Wer freie Fahrt für freie Bür­ger auf der Auto­bahn for­dert, soll­te wis­sen, das sind 500 Mbit.

Tho­mas Fei­ke: Für die mei­sten Unter­neh­men sind schnel­le Lei­tun­gen zwi­schen­zeit­lich zu einem wett­be­werbs­ent­schei­den­den Fak­tor gewor­den. Unglei­che Bedin­gun­gen füh­ren zu Ver­zer­run­gen im Markt. Das beginnt schon damit, dass es Städ­te gibt, in denen die Anbin­dung grund­sätz­lich gut ist, aber es hier bestimm­te Stra­ßen­zü­ge oder Stad­tei­le gibt, die eben sehr schlecht ange­bun­den sind. Die Fir­men sind hier gezwun­gen die Anbin­dung in eige­ner Regie, zum Bei­spiel über Richt­funk, zu rea­li­sie­ren. Nur, nicht jedes Unter­neh­men kann und will sich die­se sehr teu­re und stö­rungs­an­fäl­li­ge Vari­an­te der Daten­über­tra­gung lei­sten. Dann wären da auch noch die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter, die auf­grund ihrer Stel­lung im Markt Tari­fe auf LTE-Volu­men begren­zen: Mehr Wett­be­werb wür­de hier hel­fen.

Wel­che Chan­cen bie­tet die Coro­na-Kri­se beim The­ma digi­ta­le Infra­struk­tur?

Tho­mas Fei­ke: Lei­der muss eine Pan­de­mie „hel­fen“, die infra­struk­tu­rel­len Defi­zi­te kon­kret zu erken­nen und nun end­lich in den Fokus die­ser Betrach­tung zu stel­len. Jeder, der jetzt ver­stärkt remo­te unter­wegs ist, bekommt es nun im Dai­ly Busi­ness real zu spü­ren, wie wert­voll es ist, eine gute Anbin­dung zu haben. Auf­grund der momen­ta­nen Aktua­li­tät steht gera­de das The­ma Home­of­fice im Vor­der­grund. Dies stellt aber nur einen Teil­aspekt des erfor­der­li­chen Lösungs­an­sat­zes dar.

Hans Ulrich Gru­ber: Jeder sieht jetzt, wie wir auf­ge­stellt sind. Trau­rig ist dabei, dass wir erken­nen müs­sen, dass Ent­wick­lungs­län­der viel bes­ser da ste­hen als wir. Hof­fent­lich haben es nun alle begrif­fen, dass wir sehr zügig nun flä­chen­deckend schnel­les Inter­net brau­chen.

Mario Mages: Die größ­te Chan­ce ist, dass vie­le Unter­neh­men, die anson­sten in ihrem Tages­ge­schäft erstickt sind, nun end­lich die Zeit haben, die eige­ne Digi­ta­li­sie­rung vor­an­zu­trei­ben. Dadurch steigt auch der Druck, die Defi­zi­te bei der digi­ta­len Infra­struk­tur anzu­ge­hen. Hin­ter­her wer­den dann wahr­schein­lich alle froh sein, die­sen Sprung geschafft zu haben, der unser Wirt­schafts- aber auch unser gesell­schaft­li­ches Leben auf eine ande­re Stu­fe heben wird.

Wel­ches Feed­back erhal­ten Sie von Unter­neh­men des IT Clu­sters zu die­sem The­ma?

Hans Ulrich Gru­ber: Pro­ble­me im Zugriff der Mit­ar­bei­ter aus dem Home­of­fice, da sie eine schlech­te Lei­tung daheim haben.

Tho­mas Fei­ke: So tri­vi­al es klingt, es dreht und wen­det sich alles um das The­ma „infra­struk­tu­rel­le Vor­aus­set­zun­gen“ im Busi­ness, als auch im Pri­va­ten.

Mario Mages: Dass vie­le ger­ne mehr Band­brei­te hät­ten, als ihnen zur Ver­fü­gung steht.