Blätt­las­ei­er – Oster­ei­er-Fär­ben mit Naturfarben

Blättleseier zum Trocknen. Foto: Margarete Meggle-Freund
Blättleseier zum Trocknen. Foto: Margarete Meggle-Freund
Historisches Eierfärben im Freilandmuseum. Foto: Lisa Baluschek

Histo­ri­sches Eier­fär­ben im Frei­land­mu­se­um. Foto: Lisa Baluschek

Ostern ist der erste gro­ße Höhe­punkt im Ver­an­stal­tungs­jahr des Frän­ki­schen Frei­land­mu­se­ums des Bezirks Mit­tel­fran­ken. Die Haus­wirt­schaf­te­rin­nen des Muse­ums füh­ren vor, wie im länd­li­chen Fran­ken Oster­ei­er mit Natur­farb­stof­fen gefärbt wur­den. Kin­der dür­fen im Gelän­de ver­steck­te Eier suchen und Hos­a­gärt­le bau­en: ein fröh­li­ches Familienfest.

Zin­sei­er und Schenkeier

Eier in Ver­bin­dung mit dem Oster­fest wer­den in schrift­li­chen Quel­len bereits im Zusam­men­hang mit dem mit­tel­al­ter­li­chen Abga­ben­we­sen genannt. Ostern war einer der Ter­mi­ne, an wel­chen von den Grund­her­ren Abga­ben in Form von Natu­ra­li­en erho­ben wur­den. Im Früh­jahr waren dies natur­ge­mäß Eier, die in aus­rei­chen­der Men­ge zur Ver­fü­gung stan­den, weil einer­seits die Hüh­ner zu die­ser Jah­res­zeit ver­mehrt legen, ande­rer­seits der Ver­zehr von Eiern wäh­rend der vor­öster­li­chen Fasten­zeit ver­bo­ten war.

Geist­li­che Grund­her­ren wie zum Bei­spiel die Klö­ster ver­teil­ten die ein­ge­for­der­ten Zin­sei­er oder das dar­aus her­ge­stell­te Oster­ge­bäck wie­der wei­ter als Geschenk, als zum Lohn gehö­ren­de Sach­lei­stung oder als öster­li­che Eier­spen­de an Arme. Mit die­ser Wei­ter­ga­be wur­de das öster­li­che Zins­ei bereits zu einer Art Schen­k­ei. Seit Beginn des 16. Jahr­hun­derts wird auch das gegen­sei­ti­ge Beschen­ken im pri­va­ten Umfeld erwähnt.

Pflanzengefärbte Eier: Apostelteller. Foto: Georg Meggle

Pflan­zen­ge­färb­te Eier: Apo­stel­tel­ler. Foto: Georg Meggle

Das Ver­schen­ken der Eier steht in engem Zusam­men­hang mit der an die Oster­lit­ur­gie anschlie­ßen­de Spei­se­wei­he, bei der Eier, Fleisch und Oster­f­la­den geseg­net wer­den. Geweih­te Gaben dür­fen nicht ver­kauft wer­den, sie wer­den ver­schenkt. Die katho­li­sche und die ortho­do­xe Kir­che hat die Tra­di­ti­on der Spei­sen­wei­he bei­be­hal­ten. Vie­le Kir­chen­ge­mein­den ver­an­stal­ten ein gemein­schaft­li­ches Oster­früh­stück, bei dem die geweih­ten Spei­sen ver­zehrt wer­den. Die letz­ten Jahr­zehn­te bie­ten auch vie­le evan­ge­li­sche Gemein­den nach den Oster­nach­fei­ern ein Oster­früh­stück an, bei dem es auch Oster­ei­er gibt. Die Segens­for­mel der öster­li­chen Spei­se­wei­he in der katho­li­schen Tra­di­ti­on erin­nert dar­an, dass Chri­stus sei­nen Jün­gern nach der Auf­er­ste­hung erschie­nen ist und mit ihnen geges­sen hat. Sie bit­tet um die Gegen­wart des Auf­er­stan­den beim Ost­er­mahl der Gläu­bi­gen. Dies sym­bo­li­siert ein soge­nann­ter „Apo­stel­tel­ler“, bei dem zwölf Eier für die zwölf Apo­stel ste­hen. Das ver­gol­de­te Ei und Salz in der Mit­te reprä­sen­tiert Christus.

Beson­ders oft ist vom roten Ei, dem „Rotei“ (gefärbt mit Rot­holz) die Rede, das ver­mut­lich älter ist als anders­far­bi­ge Oster­ei­er. Die Sym­bo­lik der Eier, die schon seit der Anti­ke für Frucht­bar­keit ste­hen, macht sie zu aus­sa­ge­kräf­ti­gen Gaben.

Oster­ei­er-Fär­ben im länd­li­chen Franken

Vor rund zwei Jahr­zehn­ten wur­den eini­ge älte­re Frau­en aus der Regi­on im Rah­men eines Pro­jekts zum The­ma Oster­ei­er­fär­ben befragt. Die älte­ste Gewährs­per­son war damals über 100 Jah­re alt – so dass die Aus­sa­gen zumin­dest für die Zeit zwi­schen den bei­den Welt­krie­gen gel­ten dürf­ten. Über­ein­stim­mend wur­de berich­tet, dass die Fär­be­stof­fe aus der unmit­tel­ba­ren Umge­bung stamm­ten bzw. häu­fig „Abfall­pro­duk­te“ aus der Küche waren: Gel­be und rote Zwie­bel­scha­len, Wal­nuss­scha­len und Wal­nuss­blät­ter, Kaf­fee­satz und schwar­zer Tee wur­den meist genannt. Gelb Oran­ge und Braun­tö­ne dürf­ten also das Far­ben­spek­trum domi­niert haben. Aber auch Kamil­le, Lin­den­blü­ten, Spi­nat, Löwen­zahn und Brennnes­seln, Blau­kraut und Rote Bete sol­len ver­wen­det wor­den sein. Holun­der­saft und Blau­bee­ren erge­ben zwar einen sehr schö­nen kräf­ti­gen Farb­ton, dürf­ten in vie­len Haus­hal­ten jedoch als zu wert­voll erach­tet wor­den sein, um sie als Farb­stoff ein­zu­set­zen. Nur sel­ten bedien­te man sich der sich seit der 2. Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts ver­brei­ten­den Kunst­far­ben (Ani­lin­far­ben) aus der Apo­the­ke oder Drogerie.

Blätt­las­ei­er in der Feinstrumpfhose

Die hier vor­ge­stell­te Ver­zie­rungs­tech­nik der „Blätt­las­ei­er“ erwei­tert die ein­fa­chen Fär­be­me­tho­den um eine Reser­vie­rungs­tech­nik. Mit einem Fein­strumpf wird ein Blatt auf das Ei auf­ge­bun­den. Das Ei mit dem auf­ge­bun­de­nen Blatt wird dann in Far­be gekocht. Die Stel­le, an der das Blatt war, bleibt weiß. Die­se Tech­nik wird seit den 1990er Jah­ren pro­pa­giert. Sie kann nicht älter als die Feinstrümp­fe sein, die in Deutsch­land erst nach dem 2. Welt­krieg popu­lär wur­den. Aller­dings gibt es tra­di­tio­nel­le Vor­läu­fer, wie z.B. die „Gag­ge­le­se­i­er“ auf der Schwä­bi­schen Alb, die im Heu gekocht wer­den. So blei­ben rund­um grasför­mi­ge Par­tien weiß. Dank der Wei­ter­ver­wen­dung von zer­ris­se­nen Feinstrümp­fen bei der Deko­ra­ti­on der Blätt­las­ei­er, muss man sich dann auch nicht mehr so arg über Lauf­ma­schen ärgern, denn die Zweit­ver­wer­tung ist ja gesichert.

Zum Fär­ben der Blätt­las­ei­er gehört ein Früh­jahrs­spa­zier­gang, bei dem die Blät­ter gesam­melt wer­den. Gezack­te Blät­ter wie jene von Löwen­zahn, Erd­bee­re oder Brennnes­sel eig­nen sich beson­ders gut. Die gesam­mel­ten Blät­ter wer­den in Was­ser gelegt. So blei­ben sie frisch und legen sich bes­ser auf das Ei. Dann wer­den die Blät­ter auf die Eier gelegt und vor­sich­tig mit der Dau­men­rück­sei­te glatt­ge­stri­chen. Dar­über wird ein Fein­strumpf gezo­gen und auf der Rück­sei­te mit Faden straff gespannt fest­ge­bun­den. Nun lässt man die Blät­ter eini­ge Stun­den antrock­nen. Die Farb­stof­fe wer­den zuerst mit wenig Was­ser ein­mal auf­ge­kocht, um zu sehen wie inten­siv der Farb­sud ist. Von den Zwie­bel­scha­len emp­fiehlt es sich vie­le zu ver­wen­den. Bei hol­zi­gen Farb­stof­fen genü­gen für einen Topf von 25 cm Durch­mes­ser cir­ca 3 Ess­löf­fel. Gelb­holz erfor­dert mehr Farb­stoff. Nun wird der Vor­sud mit so viel kal­tem Was­ser auf­ge­gos­sen, dass die Eier nicht anein­an­der­sto­ßen. Die Herd­plat­te wird auf­ge­dreht und die Eier wer­den lang­sam zum Kochen gebracht. Damit sie hart und damit län­ger halt­bar wer­den, lässt man sie min­de­stens 10 Minu­ten kochen. Nun wer­den die Eier ein­zeln mit dem Löf­fel aus dem hei­ßen Sud genom­men, unter kal­tem Was­ser abge­schreckt und in kal­tes Was­ser gelegt. Die Strümp­fe wer­den abge­schnit­ten und unter flie­ßen­dem Was­ser wer­den mit dem Strumpf die Blät­ter vom Ei abge­streift. Noch warm wer­den die Eier mit einem But­ter­pa­pier oder einer Speck­schwar­te glän­zend poliert. Es ist immer wie­der eine Über­ra­schung, wie gut die Eier die Far­be ange­nom­men haben und wel­che Blatt­zeich­nun­gen sich dabei ergeben.

Dr. Bea­te Par­they­mül­ler und Dr. Mar­ga­re­te Megg­le-Freund M. A.

Arbeits­schrit­te Blättlaseier

Die kräf­tig­sten der Natur­farb­stof­fe zum Eier­fär­ben: Zwie­bel­scha­len der brau­nen Zwie­beln erge­ben war­men, kräf­ti­gen Rot­ton; Gelb­holz (Fustik) ergibt bräun­li­ches Gelb, Blau­holz (Lignum Cam­pe­che) ergibt kräf­ti­ges Blau; Rot­holz (Lignum Fer­nam­bu­ci) ergibt einen küh­len Rot­ton (Rot­holz und Blau­holz sind kei­ne Lebens­mit­tel­far­ben und soll­ten nur für Zierei­er ver­wen­det werden.)

In Fran­ken für die 1. Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts beleg­te Natur­farb­stof­fe zum Eier­fär­ben: Zwie­bel­scha­len, Hei­del­bee­ren, Wal­nuss­scha­len, Wal­nuss­blät­ter, Rote Rüben, Lin­den­blü­ten, Kaf­fee­satz aus Getrei­de­kaf­fe, schwar­zer Tee

Noch wei­te­re Natur­farb­stof­fe zum Eier­fär­ben: Erlen­zap­fen, Coche­n­il­le Läu­se, Blau­kraut, Holunderbeeren

Bezugs­quel­le: https://​www​.kre​mer​pig​men​te​.com/​d​e​/​f​a​r​b​s​t​o​f​f​e​u​n​d​p​f​l​a​n​z​e​n​f​a​r​b​en/

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