Vie­le gute Ideen bei der ersten Bür­ger­kon­fe­renz „Bam­berg pla­stik­frei“

„Man muss ein­fach anfan­gen“

Voll besetzt war der Grü­ne Saal der Har­mo­nie bei der ersten Bür­ger­kon­fe­renz „Bam­berg pla­stik­frei“ zu der die Stadt Bam­berg ein­ge­la­den hat. „Gemein­sam mit der Bür­ger­schaft wol­len wir Initia­ti­ven för­dern und ent­wickeln, damit unse­re Welt­erbe­stadt pla­stik­frei wird. Dazu brau­chen wir den Ein­zel­han­del, das Hand­werk, die Gastro­no­mie, genau­so wie das umwelt­freund­li­che Ver­hal­ten der Pri­vat­haus­hal­te und aller Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, beton­te Ober­bür­ger­mei­ster Andre­as Star­ke. Jeder müs­se kri­tisch schau­en, wel­chen Bei­trag er lei­sten kann. Best Prac­ti­ce-Bei­spie­le aus ande­ren Städ­ten wol­le man sich genau anschau­en.

In der Dis­kus­si­on prä­sen­tier­te das Umwelt­amt der Stadt Bam­berg bereits erste Ergeb­nis­se der Initia­ti­ve „Bam­berg pla­stik­frei“: So fin­den sich unter www​.pla​stik​frei​.bam​berg​.de nicht nur jede Men­ge Infor­ma­tio­nen und Merk­blät­ter son­dern auch der Nach­hal­tig­keits­at­las, unter­stützt von Gaia Pro­tec­tion, der Initia­ti­ven und Akteu­re ver­netzt und einen umfas­sen­den Über­blick lie­fert, wer bereits in Sachen Pla­stik- und Müll­ver­mei­dung aktiv ist. Es wur­den erste Gesprä­che mit dem Ein­zel­han­dels­ver­band, dem Hotel- und Gast­stät­ten­ver­band sowie dem Ord­nungs­amt geführt um Lösun­gen hin zu mehr Mehr­weg­ge­schirr und weni­ger Ver­packungs­müll zu erar­bei­ten. Zudem wur­de gemein­sam mit der Uni­ver­si­tät die AG Nach­hal­tig­keit gegrün­det, die sich bereits in einem regen Aus­tausch befin­det.

Zu Beginn gab es einen Impuls­vor­trag über das Aus­stel­lungs­pro­gramm 2020 des Histo­ri­schen Muse­ums „Tüte um Tüte“, das zusam­men mit dem Fluss­pa­ra­dies Fran­ken e.V. ent­stan­den ist. Dr. Johan­na Blu­me über­rasch­te mit einem Gemäl­de von Pie­ter Brueg­hel aus dem 16. Jahr­hun­dert in dem eine aus alten Buch­sei­ten geroll­te Tüte zu sehen ist. Der welt­um­span­nen­de Sie­ges­zug der Tüte als gün­sti­ges Wer­be­me­di­um – zunächst aus Papier und ab 1950 zuneh­mend aus Pla­stik – begann dann Mit­te des 20. Jahr­hun­derts. Mehr Selbst­be­die­nungs­lä­den und die Wirt­schafts­wun­der­zeit lie­ßen die Tüten grö­ßer wer­den und ihre Anzahl in schwin­del­erre­gen­de Höhen anstei­gen. Trotz mah­nen­der Stim­men in den 70ern, als „Jute statt Pla­stik“ zum Slo­gan wur­de, wur­den noch im Jahr 2000 allein in Deutsch­land jähr­lich rund 7 Mil­li­ar­den Pla­stik­tü­ten ver­kauft und ver­schenkt. Im Jahr 2018 ist die Zahl dann bereits auf zwei Mil­li­ar­den gesun­ken.

Danach stell­te sich Ober­bür­ger­mei­ster Andre­as Star­ke den Fra­gen des Mode­ra­tors Mar­cus Appel und vor allem der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Im eige­nen Haus­halt sehe er jede Men­ge offe­ne Bau­stel­len, gab Star­ke zu. Die Bür­ge­rin­nen for­der­ten vor allem eine Eva­lu­ie­rung der Zie­le und der Ergeb­nis­se. The­men wie Nach­hal­tig­keit, Mehr­weg­win­deln, Müll­ver­mei­dung und all­ge­mei­nes Umden­ken müss­ten im Kopf des Ver­brau­chers ankom­men und ein Bewusst­sein für den Kli­ma­schutz geschaf­fen wer­den. Inspi­rie­ren­de Ansät­ze bot die Buch­au­torin Nadi­ne Schu­bert. Seit 2013 bloggt sie über ihr Leben ohne Pla­stik (https://​www​.bes​ser​-leben​-ohne​-pla​stik​.de/​d​e​r​-​b​l​og/). Ihr Cre­do: „Die Leu­te den­ken immer kom­pli­ziert, man muss ein­fach anfan­gen.“ In Bam­berg gebe es schon heu­te den Unver­packt-Laden, einen Sei­fen­la­den und täg­lich einen Wochen­markt. „Man muss sein Geld denen geben, die es bes­ser machen,“ so Schu­bert.

Zum Abschluss hat­ten alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger noch die Mög­lich­keit zu vier The­men­fel­dern ihre Ideen ein­zu­brin­gen: Pla­stik­ver­mei­dung im pri­va­ten und im öffent­li­chen Raum, Infor­ma­ti­on und Sen­si­bi­li­sie­rung und Wie­der­ver­wer­tung. Weit über 100 Ideen wur­den gesam­melt und nun im Umwelt­amt gesich­tet, sor­tiert und dann zur Umset­zung vor­ge­schla­gen bzw. umge­setzt. Fünf Pro­jek­te ste­chen dabei her­aus: So sol­len an allen Bam­ber­ger Schu­len Trink­was­ser­brun­nen instal­liert wer­den, es soll öffent­li­che Work­shops zur Pla­stik­ver­mei­dung geben, einen Akti­ons­tag auf dem Max­platz mit Initia­ti­ven und Betrie­ben, die Akzep­tanz von Mehr­weg­be­häl­tern in Geschäf­ten so gestärkt wer­den und soge­nann­te „Boo­me­rang Bag“ Sta­tio­nen in Bam­berg fest eta­bliert wer­den. Dahin­ter ver­ber­gen sich Leih­sta­tio­nen für Mehr­weg­ta­schen. Ein erstes Pilot­pro­jekt ist bei den Rewe-Filia­len in der Würz­bur­ger Stra­ße und in der Lan­ge Stra­ße zu fin­den. Zudem soll es im Rat­haus­jour­nal eine Serie geben, wor­in Tipps zur Ver­mei­dung von Pla­stik­müll gege­ben wer­den.