Sonn­tags­ge­dan­ken: Schein­bar so naiv, aber!

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

An der Ham­bur­ger Zen­tra­le der BILD soll sich ein Schild befin­den mit der Auf­schrift “Seid nett zuein­an­der!” Als ich die­ses Gerücht zum ersten Male hör­te, dach­te ich: “So eine Aller­welts­flos­kel ist doch typisch für die Zei­tung mit den gro­ßen Buch­sta­ben.” Doch zu Über­heb­lich­keit besteht kein Anlass. Unter­su­chun­gen zei­gen, dass immer mehr Men­schen wegen Mob­bing am Arbeits­platz psy­chisch krank, ja arbeits­un­fä­hig wer­den. Im Inter­net wird aufs Gröb­ste gegen Flücht­lings­hel­fer und Men­schen­rechts­ak­ti­vi­sten gehetzt, und selbst in mei­nem klei­nen frän­ki­schen Dorf kam es vor ein paar Jah­ren zu einem Mord.

Die Bibel gibt unter­schied­li­che Ant­wor­ten auf die Fra­ge nach dem Woher des Bösen, ein The­ma, das gera­de reli­giö­se Men­schen bewegt. Oft kom­men mehr Fak­to­ren zusam­men: das Ver­sa­gen der Eltern, der Ein­fluss schlech­ter Freun­de, die gün­sti­ge Gele­gen­heit oder die Ver­ro­hung der Men­schen im Krieg. Mir wäre es auch zu bil­lig, die eige­ne Schuld dem Satan auf­zu­hal­sen. Viel­leicht braucht man auch ein gewis­ses Maß an Aggres­si­on, um sei­nen Platz im Leben zu fin­den, zu ver­tei­di­gen, und auch ein Christ muss sich nicht alles gefal­len las­sen.

Den Welt­frie­den kön­nen Sie und ich nicht schaf­fen, doch soll­ten wir uns im Klei­nen, im all­täg­li­chen Umgang, um ein wenig Rück­sicht­nah­me, um einen freund­li­chen Ton bemü­hen. Bischof Wil­helm Stäh­lin rede­te sei­ner Gemein­de bereits vor über 50 Jah­ren ins Gewis­sen, man möge doch zumin­dest Dan­ke sagen, wenn die Kell­ne­rin im Gast­haus die bestell­ten Spei­sen auf den Tisch stellt. Wenn die all­täg­li­chen Bezie­hun­gen bes­ser wer­den, wenn wir ein­fach ein wenig net­ter zuein­an­der wer­den, dann wird auch die hohe Poli­tik huma­ner wer­den. Dafür wol­len wir jeden Tag beten.

Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

Infos zu Chri­sti­an Karl Fuchs:

  • geb. 04.01.66 in Neustadt/​Aisch
  • Stu­di­um der evang. Theo­lo­gie 1985 – 1990 in Neu­en­det­tels­au
  • Vika­ri­at in Schorn­weiss­ach-Vesten­bergs­greuth 1993 – 1996
  • Pro­mo­ti­on zum Dr. theol. 1995
  • Ordi­na­ti­on zum ev. Pfar­rer 1996
  • Dienst in Nürnberg/​St. Johan­nis 1996 – 1999
  • seit­her in Neustadt/​Aisch
  • blind