Wald in Not: IG BAU Ober­fran­ken warnt vor „Dür­re-Stress“ und mas­si­ven Schä­den

Zu trocken, zu warm, zu vie­le Schäd­lin­ge: Ein Groß­teil der hei­mi­schen Nadel­bäu­me ist nach Ein­schät­zung der IG Bau­en-Agrar-Umwelt (IG BAU) Ober­fran­ken akut bedroht – mit mas­si­ven Fol­gen für die Forst­wirt­schaft in der Regi­on. „Nach dem Hit­ze-Jahr 2018 fehlt auch in die­sem Som­mer bis­lang der nöti­ge Regen. Gera­de hei­mi­sche Fich­ten lei­den unter ‚Dür­re-Stress‘. Die Bäu­me sind Schäd­lin­gen wie dem Bor­ken­kä­fer fast schutz­los aus­ge­lie­fert“, sagt der Bezirks­vor­sit­zen­de der Forst-Gewerk­schaft, Gerald Nick­las. Die aktu­el­le Lage sei dabei erst der Anfang. „Der hei­mi­sche Wald bekommt den Kli­ma­wan­del längst zu spü­ren. Bei Fich­ten, Kie­fern und Tan­nen geht es lang­fri­stig ums Über­le­ben“, warnt Nick­las.

Nadel­bäu­me machen knapp zwei Drit­tel der 2,6 Mil­lio­nen Hekt­ar des baye­ri­schen Wal­des aus. Das geht aus der letz­ten Bun­des­wald­in­ven­tur her­vor. „Vier von zehn Bäu­men im Frei­staat sind Fich­ten. Sie sind beson­ders von der aktu­el­len Wit­te­rung betrof­fen“, so Nick­las. Ohne aus­rei­chend Was­ser könn­ten die Bäu­me kaum Harz bil­den, das sie gegen die Schäd­lin­ge schüt­ze, erklärt der Gewerk­schaf­ter. Wegen der Wär­me hal­te sich der Buch­drucker der­zeit etwa vier Genera­tio­nen lang – statt wie sonst nur zwei. Geschwäch­te Bäu­me sei­en zugleich anfäl­li­ger für Stür­me. Nach Beob­ach­tung der IG BAU Ober­fran­ken sind mitt­ler­wei­le sogar jun­ge Bäu­me vom Bor­ken­kä­fer betrof­fen, obwohl der Schäd­ling sonst über­wie­gend älte­re Bäu­me mit dicker Rin­de befal­le. „Die Aus­fäl­le bei der Holz­ern­te könn­ten damit in eini­gen Jah­ren mas­siv sein“, warnt Nick­las.

Wich­tig sei jetzt eine neue „Wald­stra­te­gie“, um den Forst vor dem Kli­ma­wan­del zu schüt­zen. „Wir brau­chen eine brei­te Auf­for­stung mit den Baum­ar­ten, die vor Ort gedei­hen. Dabei müs­sen pri­va­te Wald­be­sit­zer und staat­li­che For­sten noch stär­ker als bis­her auf Misch­wäl­der set­zen. Eine Fich­te, die neben Buchen und Eichen steht, kommt bes­ser mit Schäd­lin­gen zurecht“, so die Gewerk­schaft.

Für eine nach­hal­ti­ge Bewirt­schaf­tung sei­en aber auch mehr För­ster und Wald­ar­bei­ter nötig. „Aktu­ell rächt sich der jahr­zehn­te­lan­ge Per­so­nal­ab­bau im Forst. Der Wald­um­bau ist eine Mam­mut­auf­ga­be, für die man qua­li­fi­zier­te und ordent­lich bezahl­te Fach­kräf­te braucht. Sie dür­fen in kei­nem Haus­halts­plan feh­len“, for­dert die IG BAU.

Zugleich warnt die Umwelt-Gewerk­schaft vor einem rei­nen betriebs­wirt­schaft­li­chen Blick auf die Wäl­der. „Wer nur Gewinn­in­ter­es­sen im Sinn hat, setzt eher auf Ein-Baum-Kolo­nien, mit denen sich ein­fa­cher Geld ver­die­nen lässt. Aber am Ende kommt die Rech­nung von der Natur – näm­lich wenn Trocken­heit und Schäd­lin­ge der Mono­kul­tur zuset­zen“, so Gewerk­schaf­ter Nick­las.

Nach Anga­ben des Bun­des­land­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­ums fie­len in den deut­schen Wäl­dern im ver­gan­ge­nen Jahr mehr als 32 Mil­lio­nen Kubik­me­ter „Kala­mi­täts­holz“ an – das ist Holz von kran­ken oder beschä­dig­ten Bäu­men. Zwei Drit­tel davon gin­gen auf das Kon­to des Bor­ken­kä­fers, ein Drit­tel fiel Stür­men zum Opfer.