Gärtnern ohne Gift – So geht’s ohne Glyphosat

Kein Gift und trotzdem keine Chance für Schädlinge und Pilze im Garten – LBV ruft zum privaten Verzicht auf Glyphosat und Co. auf

Die Artenvielfalt im Garten oder auf dem Balkon genießen, das geht am besten ohne Gift beim Gärtnern. „Wer sich zuhause an Bienen, Schmetterlingen und Blumen erfreuen möchte, der verzichtet im heimischen Garten und auf dem Balkon auf das Spritzen von Glyphosat und anderem Gift aus Bau- und Gartenmärkten“, so der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Der LBV gibt Tipps, wie Hobbygärtner ganz ohne den Einsatz von Gift ihre Pflanzen stark machen können. „Im Garten sind Pestizide leider immer noch weit verbreitet. Knapp 6.000 Tonnen werden jährlich in privaten Gärten verwendet“, sagt die LBV-Artenschützerin Christiane Geidel.

Das Problem: Ameisen auf dem Gartenweg, sogenanntes Unkraut in den Pflasterfugen oder Blattläuse am Apfelbaum. Die Lösung: Pestizide? Lieber nicht, denn: „Mit den Giften werden nicht nur unliebsame Gäste getötet, sondern auch nützliche Insekten“, erklärt Geidel. Wildpflanzen, wie Brennnessel, Löwenzahn und Taubnessel, sind für viele Insekten wichtig, werden beim Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat jedoch mitvernichtet. „Wer einen lebendigen Garten haben will, sollte besser auf die Trickkiste der Natur als auf den Giftschrank zurückgreifen. So werden Insekten und mit ihnen auch Tiere wie Vögel, Igel, Fledermäuse und Eidechsen geschützt“, ergänzt die Naturschützerin.

Die Natur bietet eine Fülle wirksamer Mittel – und das dazu noch meist gratis. Jauche aus Brennnesseln kann zum Beispiel als Dünger und ein Brennnessel-Aufguss zum Bekämpfen von Blattläusen eingesetzt werden. Ackerschachtelhalm enthält Kieselsäure. Diese stärkt die Zellwände der Pflanzen und macht so Gemüse stark gegen Blattläuse, Pilze & Co. Geidel: „Dazu setzt man einen Tee aus diesen Pflanzen an und besprüht die betroffenen Kulturen damit.“

Erst mal abzuwarten ist auch im Garten oft ein bewährtes Rezept bei kleineren Problemen. Denn wer seinen Pflanzen ausreichend Zeit gibt, sich selbst gegen Schädlinge, Pilze und Krankheiten zu wehren, wird mit gesunden und kräftigen Pflanzen belohnt.

Auch Standort, Boden und Lichtverhältnisse entscheiden mit darüber, ob eine Pflanze gut gewappnet in die Saison startet. Ist der Boden auf die Bedürfnisse der Pflanze angepasst, bekommt sie genug Licht und ist auch an nassen Tagen schnell wieder trocken, haben Pilze kaum eine Chance. Hat die Pflanze ausreichend Abstand zu ihren Nachbarn, können sich Pilze, Blattläuse und andere ungebetene Gäste weniger gut verbreiten. „Im Gemüsegarten ist die Mischkultur eine jahrtausendlang erprobte Methode Schädlinge und Krankheiten fernzuhalten und die Pflanzen optimal mit Nährstoffen zu versorgen“, sagt Christiane Geidel. „So gedeihen Erdbeeren gut neben Knoblauch, Kartoffeln neben Dicken Bohnen und Möhren stehen gern neben Lauch.“ Hilfreich ist es außerdem bekannte Wirtspflanzen von Pilzen aus dem Garten zu verbannen. Wacholder etwa beherbergt im Sommer den Birnengitterrost, einen Pilz der das Laub von Birnbäumen befällt.

Hintergrund:

Die biologische Vielfalt nimmt auch in Bayern seit Jahren dramatisch ab. Um dem etwas entgegen zu setzen, hat sich der LBV intensiv das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ eingesetzt. Viele Bayern wollen nun nach der Unterschrift noch weiter aktiv werden und etwas für die Artenvielfalt tun. Der LBV zeigt Hobbygärtnern, wie jeder etwas für die Tier- und Pflanzenwelt tun kann – mit Tipps und Tricks für mehr Vielfalt für den eigenen Balkon oder Garten. Mehr Infos unter www.lbv.de/garten.