In den Bam­ber­ger Justiz­pa­last sind zwei Außen­se­na­te des Baye­ri­schen Ober­sten Lan­des­ge­richts ein­ge­zo­gen

Am 18. April 2018 kün­dig­te Mini­ster­prä­si­dent Söder an, dass in Bay­ern ein neu­es Baye­ri­sches Ober­stes Lan­des­ge­richt (BayO­bLG) errich­tet wird, das sei­nen Sitz in Mün­chen und jeweils zwei Außen­se­na­te in Bam­berg und Nürn­berg hat.

Das BayO­bLG nahm zum 15. Sep­tem­ber 2018 in Mün­chen und zum 1. Febru­ar 2019 in den Außen­se­na­ten in Bam­berg und in Nürn­berg sei­ne Arbeit auf. Es bestehen der­zeit ein Zivil­se­nat in Mün­chen und jeweils zwei Straf­se­na­te in Bam­berg und Nürn­berg und drei in Mün­chen. Die bei­den Straf­se­na­te in Bam­berg ent­schei­den über Revi­sio­nen in Straf­sa­chen, wenn das Ver­fah­ren an einem Amts­ge­richt des Ober­lan­des­ge­richts­be­zirks begon­nen hat. Fer­ner obliegt den Sena­ten bay­ern­weit die Ent­schei­dung über die Rechts­be­schwer­den auf Grund des Geset­zes über die Ord­nungs­wid­rig­kei­ten und des Geset­zes über die inter­na­tio­na­le Rechts­hil­fe in Straf­sa­chen.

Durch die Errich­tung des BayO­bLG gibt es nun mehr Rechts­si­cher­heit und Vor­her­seh­bar­keit vor allen Din­gen in Straf­sa­chen, weil die Straf­ge­set­ze nun durch ein Gericht für ganz Bay­ern aus­ge­legt wer­den. Außer­dem wird die Eigen­staat­lich­keit des Frei­staats Bay­ern betont und so die Justiz in Bay­ern gestärkt. Auch nach sei­ner Neu­errich­tung ist das Baye­ri­sche Ober­ste Lan­des­ge­richt wie­der ein­zig­ar­tig, da es kei­ne ent­spre­chen­de Insti­tu­ti­on in Deutsch­land gibt.

Der Prä­si­dent des BayO­bLG ist Dr. Hans­Joa­chim Heß­ler, der durch die Außen­se­na­te in Bam­berg und Nürn­berg den Gedan­ken der Regio­na­li­sie­rung ver­wirk­licht sieht. Heß­ler: „Die Justiz­stand­or­te Bam­berg und Nürn­berg wer­den durch die im Gesetz vor­ge­se­he­nen Außen­se­na­te gestärkt. Das Ober­ste Lan­des­ge­richt ist mit sei­nem Haupt­sitz in Mün­chen und sei­nen Außen­se­na­ten in Bam­berg und Nürn­berg damit in ganz Bay­ern auch räum­lich prä­sent. Wir ver­ste­hen uns dabei aber als Ange­hö­ri­ge eines Gerichts.“ Mitt­ler­wei­le sind die bei­den Sena­te in Bam­berg mit einer Vor­sit­zen­den Rich­te­rin und vier bei­sit­zen­den Rich­te­rin­nen und Rich­tern fast voll­stän­dig besetzt.

Bei den Außen­se­na­ten des Baye­ri­schen Ober­sten Lan­des­ge­richts in Bam­berg sind der­zeit fol­gen­de Rich­te­rin­nen und Rich­ter tätig:

Dr. Susan­ne Aulin­ger: (Vor­sit­zen­de Rich­te­rin des 1. und 2. Straf­se­nats)

Die 1957 in Mün­chen gebo­re­ne Dr. Susan­ne Aulin­ger absol­vier­te ihr juri­sti­sches Stu­di­um und das Refe­ren­da­ri­at in ihrer Hei­mat­stadt. Als Rich­te­rin am Land­ge­richt Mün­chen II begann im Novem­ber 1984 ihr beruf­li­cher Weg in der Baye­ri­schen Justiz. Nach Sta­tio­nen bei den Staats­an­walt­schaf­ten Mün­chen I und II und dem Amts­ge­richt Weil­heim i. OB wech­sel­te sie im Okto­ber 1992 an das Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­ri­um der Justiz. Von Okto­ber 1998 bis Juni 2009 war Dr. Susan­ne Aulin­ger als Lei­ten­de Ober­staats­an­wäl­tin bei der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg tätig, bevor sie ab August 2012 Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg wur­de. Sie stand einem der Straf­se­na­te vor, dem die recht­li­chen Auf­ga­ben des im Jahr 2006 abge­schaff­ten BayO­bLG über­tra­gen wor­den war.

Mari­on Aman: (Bei­sit­ze­rin im 2. Straf­se­nat)

Die Juri­stin Mari­on Aman wur­de 1960 in Kulm­bach gebo­ren. Das Jura­stu­di­um und das juri­sti­sche Refe­ren­da­ri­at absol­vier­te sie in Bay­reuth. Als Rich­te­rin war sie dann ab Febru­ar 1990 in AG Kro­nach tätig. Nach einer Zwi­schen­sta­ti­on als Staats­an­wäl­tin bei der Staats­an­walt­schaft Coburg ab Okto­ber 1992, ging es für sie wie­der zum Amts­ge­richt Kro­nach. Von April 1994 an war sie dort ein­ge­setzt, bevor sie im Febru­ar 1997 an das Land­ge­richt Coburg wech­sel­te. Nach ihrer Zeit als Staats­an­wäl­tin als Grup­pen­lei­te­rin bei der Staats­an­walt­schaft Coburg, die im März 2000 begann, führ­te sie ihr beruf­li­cher Weg als Ober­staats­an­wäl­tin im Febru­ar 2004 zur Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg. Mit Wir­kung ab Dezem­ber 2012 erfolg­te ihre Ernen­nung zur Rich­te­rin am Amts­ge­richt Bam­berg als stän­di­ge Ver­tre­te­rin der Direk­to­rin die­ses Gerichts. Dort führ­te sie den Vor­sitz des Schöf­fen­ge­richts.

Dr. Georg Gieg: (Bei­sit­zer im 2. Straf­se­nat)

Der Würz­bur­ger Jurist Dr. Georg Gieg (geb. 1961) stammt aus dem Oden­wald. Er kam durch das Stu­di­um nach Würz­burg, wo er nach bei­den juri­sti­schen Staats­examen, Refe­ren­da­ri­at und Pro­mo­ti­on seit 1991 in der baye­ri­schen Justiz als Staats­an­walt und Rich­ter tätig war. In den Jah­ren von 1995 bis 2001 folg­ten wie­der­hol­te lang­jäh­ri­ge Abord­nun­gen als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an die Bun­des­an­walt­schaft bei dem Bun­des­ge­richts­hof und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he und im Jahr 2004 an das spä­ter auf­ge­lö­ste „alte“ BayO­bLG nach Mün­chen. Seit 2005 war Herr Dr. Gieg als Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt in Bam­berg als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der eines Revi­si­ons und Rechts­be­schwer­de­se­nats tätig.

Julia­ne Krau­se: (Bei­sit­ze­rin im 1. Straf­se­nat)

Julia­ne Krau­se (geb. 1969) wur­de im Kreis Lud­wigs­burg, Baden-Würt­tem­berg, gebo­ren. Sie begann ihre beruf­li­che Lauf­bahn als Ver­wal­tungs­in­spek­tor­an­wär­te­rin bei der Stadt Stutt­gart. Nach dem Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten in Erlan­gen und dem Refe­ren­da­ri­at in Bam­berg wur­de Frau Krau­se im Juli 1999 zur Staats­an­wäl­tin bei der Staats­an­walt­schaft Hof ernannt. In der Zeit von Sep­tem­ber 2001 bis August 2004 war Julia­ne Krau­se an die Bun­des­an­walt­schaft bei dem Bun­des­ge­richts­hof abge­ord­net. Danach war sie als Rich­te­rin am Land­ge­richt Hof tätig und wech­sel­te dann im Febru­ar 2008 als Staats­an­wäl­tin als Grup­pen­lei­te­rin zur Staats­an­walt­schaft Hof. Ihr wei­te­rer Berufs­weg führ­te Frau Krau­se ab August 2010 als Ober­staats­an­wäl­tin zur Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg und ab August 2013 als Rich­te­rin zum Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg. Nach ihrer Tätig­keit als Ober­staats­an­wäl­tin als stän­di­ge Ver­tre­te­rin des Lei­ten­den Ober­staats­an­walts in Bay­reuth wur­de Julia­ne Krau­se mit Wir­kung vom April 2018 zur Lei­ten­den Ober­staats­an­wäl­tin bei der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg ernannt. Dort war sie für Rechts­hil­fe und Aus­lie­fe­rungs­ver­fah­ren zustän­dig und übte die Dienst­auf­sicht über die Zen­tral­stel­le Cybercrime Bay­ern aus.

Wolf­gang Tit­ze: (Bei­sit­zer im 1. Straf­se­nat)

Der in Nürn­berg gebo­re­ne Wolf­gang Tit­ze (geb. 1963) trat im Jahr 1991 in den baye­ri­schen Justiz­dienst ein und war zunächst beim Amts­ge­richt Bam­berg als Rich­ter ein­ge­setzt. Ab Novem­ber 1993 war Herr Tit­ze als Staats­an­walt bei der Staats­an­walt­schaft Bam­berg und ab Juli 2001 wie­der als Rich­ter am Amts­ge­richt Bam­berg tätig. Im Okto­ber 2001 wur­de er an das Land­ge­richt Bam­berg ver­setzt, bevor er im März 2004 zum Staats­an­walt als Grup­pen­lei­ter bei der Staats­an­walt­schaft Bam­berg und mit Wir­kung vom 16. August 2006 zum Ober­staats­an­walt bei der Gene­ral­staats­an­walt­schaft Bam­berg ernannt wur­de. Im Juli 2009 wech­sel­te Wolf­gang Tit­ze als Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt an das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg. Von Juli 2010 bis Juli 2015 war er Direk­tor des Amts­ge­richts Haß­furt, bevor er zum 16. Juli 2015 als Vize­prä­si­dent an das Land­ge­richt Schwein­furt wech­sel­te und dort den Vor­sitz der gro­ßen Straf­kam­mer führ­te.

Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on

Die Wur­zeln des BayO­bLG rei­chen bis in das Jahr 1625 zurück, als im Kur­für­sten­tum Bay­ern das „Revi­so­ri­um“ ein­ge­rich­tet wur­de und dort letz­te Instanz war. Die­se Insti­tu­ti­on wur­de im Jahr 1809 im König­reich Bay­ern durch das Oberap­pel­la­ti­ons­ge­richt abge­löst, bevor im Jahr 1879 das BayO­bLG an sei­ne Stel­le getre­ten ist. Nach des­sen Auf­lö­sung zum 1. April 1935 und sei­ner Wie­der­errich­tung zum Juli 1948 wur­de das Baye­ri­sche Ober­ste Lan­des­ge­richt aus Kosten­ein­spa­rungs­grün­den zum 30. Juni 2006 abge­schafft. Die recht­li­chen Auf­ga­ben wur­den dabei auf die drei Ober­lan­des­ge­rich­te in Bam­berg, Nürn­berg und Mün­chen über­tra­gen. Danach wur­de lan­ge Jah­re inten­siv gefor­dert, das BayO­bLG wie­der zu errich­ten, da es in Bay­ern stets für her­aus­ra­gen­de Qua­li­tät und für die Wah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung stand. Am 11. Juli 2018 hat der Baye­ri­sche Land­tag ohne Gegen­stim­men beschlos­sen, das BayO­bLG neu zu errich­ten.