Zeils Bür­ger­mei­ster Sta­del­mann: „Expo­na­te aus Zeil sind in Plech abso­lut an der rich­ti­gen Stel­le gelandet“

Offizielle Übergabe der Exponate aus dem 2018 geschlossenen Zeiler Photomuseum an das Deutsche Kameramuseum in Plech. Von links: Ulrich Möller aus Litzendorf (ein Freund und Helfer Dr. Gerhard Binders), Gabi Stahl (Bauverwaltung Stadt Zeil), Edgar Kolb (langjähriger Zeiler Museumsführer), Plechs Museumsleiter Kurt Tauber, Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann und Andreas Wolf (Vorstandsmitglied und Helfer des Plecher Museums). Hinter der Gruppe ein Teil der neuen Plecher Sonderausstellung “Exponate aus Zeil”. Foto: Deutsches Kameramuseum/Georg Klerner-Preiss
Offizielle Übergabe der Exponate aus dem 2018 geschlossenen Zeiler Photomuseum an das Deutsche Kameramuseum in Plech. Von links: Ulrich Möller aus Litzendorf (ein Freund und Helfer Dr. Gerhard Binders), Gabi Stahl (Bauverwaltung Stadt Zeil), Edgar Kolb (langjähriger Zeiler Museumsführer), Plechs Museumsleiter Kurt Tauber, Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann und Andreas Wolf (Vorstandsmitglied und Helfer des Plecher Museums). Hinter der Gruppe ein Teil der neuen Plecher Sonderausstellung “Exponate aus Zeil”. Foto: Deutsches Kameramuseum/Georg Klerner-Preiss

Über 600 Pola­roid-Auf­nah­men von Schah Reza Pahl­awi, Ade­nau­er, Ken­ne­dy, Cas­si­us Clay und ande­rer Pro­mi­nen­ten der Sech­zi­ger Jah­re ent­deckt – Sai­son­start im Kameramuseum

„Mit einem lachen­den und einem wei­nen­den Auge“ begin­gen die Macher und Freun­de des Deut­schen Kame­ra­mu­se­ums in Plech die Ver­nis­sa­ge zum Start der Sai­son 2019 mit einer Son­der­aus­stel­lung „Neue Expo­na­te aus Zeil am Main“. Zeils Bür­ger­mei­ster Tho­mas Sta­del­mann und zwei Mit­strei­ter des im Mai 2018 ver­stor­be­nen Zei­ler Muse­ums­grün­ders Dr. Ger­hard Bin­der waren unge­ach­tet des hef­ti­gen Schnee­ge­stö­bers ver­gan­ge­nen Sonn­tag extra aus den Haß­ber­gen nach Plech gereist, um die Über­ga­be der Zei­ler Aus­stel­lungs­stücke zu besie­geln und sich davon zu über­zeu­gen, dass das Zei­ler Pho­to­mu­se­um im Deut­schen Kame­ra­mu­se­um wei­ter­le­ben wird.

Der Ple­cher Muse­ums­lei­ter Kurt Tau­ber fass­te die Ereig­nis­se des ver­gan­ge­nen Jah­res in sei­ner Begrü­ßungs­re­de so zusam­men: „Wir haben eine Rei­he teils exo­ti­scher, teils ein­fach lie­bens­wer­ter Expo­na­te aus dem frü­he­ren Zei­ler Muse­um über­neh­men dür­fen. Wir gewin­nen wun­der­schö­ne Gerät­schaf­ten und Deko-Arti­kel dazu, aber Zeil ver­liert gleich­zei­tig eine über Deutsch­land hin­aus bekann­te Einrichtung.“

Im Mai 2018 starb nach län­ge­rer Krank­heit, aber den­noch völ­lig über­ra­schend, im Alter von nur 62 Jah­ren der Grün­der und Betrei­ber des Zei­ler Pho­to­mu­se­ums, der Arzt Dr. Ger­hard Bin­der. Die Stadt Zeil, der Bin­der schon 2016 genau für die­sen Fall die Eigen­tums­rech­te am Bestand des Muse­ums über­tra­gen hat­te, sah sich trotz vie­ler Gesprä­che und Über­le­gun­gen außer Stan­de, das Muse­um wei­ter zu betreiben.

Im Sin­ne des Zei­ler Samm­lers, der in sein Muse­um „sehr viel Geld und noch viel mehr Lie­be und Mühe“ gesteckt habe, so Tau­ber, habe Bür­ger­mei­ster Sta­del­mann zusam­men mit Ulrich Möl­ler, einem Freund und Hel­fer Dr. Bin­ders sowie dem lang­jäh­ri­gen ehren­amt­li­chen Muse­ums­füh­rer Edgar Kolb dafür gesorgt, dass das Zei­ler Pho­to­mu­se­um im Deut­schen Kame­ra­mu­se­um sozu­sa­gen wei­ter­le­be. Tau­ber ver­sprach der Zei­ler Dele­ga­ti­on: „Wir wer­den die­se Expo­na­te dau­er­haft in unse­re Aus­stel­lung inte­grie­ren und sie ange­mes­sen präsentieren.“

Als Dank für die kosten­lo­se Über­las­sung der zur Besich­ti­gung im Ple­cher Muse­ums­ein­gang auf­ge­bau­ten Schät­ze aus Zeil hilft ein Team des Ple­cher Muse­ums der Stadt Zeil bei der Auf­lö­sung des dor­ti­gen Muse­ums mit Rat und Tat. So habe man es sogar geschafft, „wie man glaub­te, unver­käuf­li­che Gerä­te“ an den Mann zu brin­gen. Dar­un­ter eini­ge so sper­ri­ge Tei­le wie zent­ner­schwe­re 35-mm-Kino­pro­jek­to­ren aus Gusseisen.

Aktu­el­les Bei­spiel: Ziem­lich unbe­ach­tet stan­den neun manns­gro­ße Bil­der­rah­men mit mehr als 600 Fotos in einer Ecke des wirk­lich an Blick­fän­gen nicht armen Muse­ums. Bei genaue­rem Hin­se­hen stell­ten die Ple­cher Fach­leu­te fest, „dass es sich bei den schein­bar lieb­los und unge­ord­net auf­ge­kleb­ten Schwarz­weiß­bild­chen um einen wah­ren Schatz han­del­te: Ori­gi­nal-Pola­roid­fo­to­gra­fien von Poli­ti­kern und Pro­mi­nen­ten der 1960er Jah­re – teil­wei­se mit Ori­gi­nal­un­ter­schrif­ten auf dem Passepartout.“

Fotos: Her­bert Maas/​Repros: Deut­sches Kameramuseum

Der Ple­cher Muse­ums­chef vol­ler Begei­ste­rung: „Wir ent­deck­ten Schnapp­schüs­se von Kon­rad Ade­nau­er, Wil­ly Brandt, Lud­wig Erhard, Schah Reza Pahl­awi und sei­ner Farah Diba, John F. Ken­ne­dy, Niki­ta Chrust­schow, Cas­si­us Clay, Paul McCart­ney, Sam­my Davis jr., Lou­is ‚Satchmo‘ Arm­strong, Hil­de­gard Knef, Toni Sai­ler, Mario Adorf, Mireil­le Mathieu und Dut­zen­der ande­rer Pro­mis aus Poli­tik, Kul­tur und Sport.“ Das sei­en Auf­nah­men, die es so nur ein­mal gebe: Kei­ne gedruck­ten Auto­gramm­kar­ten oder tau­send­fach ver­brei­te­te Kopien son­dern „sen­sa­tio­nel­le Ori­gi­na­le, teils mit Auto­gram­men und Wid­mung“ an den Foto­gra­fen, einem Jour­na­li­sten namens Her­bert Maas aus Bad Soden im Taunus.

„Die­se Pola­roid-Schät­ze hät­ten wir natür­lich auch ger­ne für unser Muse­um gehabt, aber es wäre in mei­nen Augen nahe­zu unan­stän­dig gewe­sen, wenn wir sie hät­ten behal­ten wol­len.“, sag­te Tau­ber: „Sol­che foto­gra­fi­schen Doku­men­te der Zeit­ge­schich­te gehö­ren wis­sen­schaft­lich erforscht, doku­men­tiert, nach den Regeln der Kunst auf­be­rei­tet und dann einem grö­ße­ren Publi­kum dau­er­haft zugäng­lich gemacht.“ Das hof­fe man durch einen jetzt ein­ge­lei­te­ten Ver­kauf erreicht zu haben. Dass die Jugend­ar­beit der Stadt Zeil ganz neben­bei damit eine Finanz­sprit­ze bekom­me, die „meh­re­ren Jah­res­etats des Deut­schen Kame­ra­mu­se­ums“ ent­spre­che, zei­ge, dass sich die­se vie­len E‑Mails, Tele­fo­na­te und Fahr­ten gelohnt hätten.

Bür­ger­mei­ster Tho­mas Sta­del­mann aus Zeil am Main skiz­zier­te in sei­nem Gruß­wort noch­mals die Grün­de, die letzt­lich zur Auf­lö­sung des Zei­ler Muse­ums geführt hät­ten und zeig­te sich beim anschlie­ßen­den Rund­gang rich­tig­ge­hend begei­stert von dem Ange­bot und Kon­zept des Ple­cher Muse­ums und beton­te mehr­mals: „Wir haben ja schon in den letz­ten Mona­ten erfolg­reich und ver­trau­ens­voll zusam­men­ge­ar­bei­tet. Aber jetzt bin ich voll­ends über­zeugt, dass die Expo­na­te aus Zeil in Plech abso­lut gut auf­ge­ho­ben und an der rich­ti­gen Stel­le gelan­det sind.“

Wer sich die Son­der­aus­stel­lung mit den Neu­zu­gän­ge aus Zeil und die ande­ren Ver­än­de­run­gen im Deut­schen Kame­ra­mu­se­um anschau­en möch­te, hat dazu bis Ostern Gele­gen­heit. Die Pola­roid-Fotos gab es übri­gens nur am Ver­nis­sa­gen-Sonn­tag zu bewundern.

Inzwi­schen sind die schon abge­holt wor­den. Auf der Muse­ums­home­page kann man aber die ein­drucks­voll­sten Bei­spie­le in einer Doku­men­ta­ti­on (www​.kame​ra​mu​se​um​.de/​z​eil) fin­den.

Das Ple­cher Muse­um ist bis Ende Novem­ber jeden Sonn­tag von 11 bis 17 Uhr geöff­net (letz­ter Ein­lass: jeweils 16 Uhr). Einen Über­blick über die Neu­zu­gän­ge und die Bedeu­tung des Zei­ler Pho­to­mu­se­ums gibt es auf der Ple­cher Home­page unter www​.kame​ra​mu​se​um​.de

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