„Maß­voll, kom­mu­nal­freund­lich und gerecht“: Bezirks­tag ver­ab­schie­det Haus­halt 2019 einstimig

Pre­miè­re im Bezirks­tag von Ober­fran­ken: Erst­mals ver­ab­schie­de­te das Gre­mi­um unter der Regie von Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm den Haus­halts­etat des Bezirks. Und erst­mals seit 15 Jah­ren votier­ten die Mit­glie­der des Bezirks­tags ein­stim­mig für das vor­ge­leg­te Zah­len­werk, das mit 453 Mil­lio­nen Euro ein­mal mehr ein Rekord­vo­lu­men beinhal­tet. Der Hebe­satz zur Bezirks­um­la­ge bleibt mit 17,5 Pro­zent­punk­ten kon­stant und ist damit wie­der­um der nied­rig­ste in ganz Bayern.

Bezirkstagsvizepräsident Andreas Starke (SPD), Bezirksrat Thomas Nagel (FDP), Bezirksrat Manfred Hümmer (FWG), Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Bezirkstagspräsident Henry Schramm, Bezirksrat Christian Meißner (CSU), Kämmerer Reiner Böhner, Bezirksrat Manfred Neumeister (Grüne), Bezirksrat Florian Köhler (AfD) und Bezirksrat Reinhardt Möller (Die Linke). Foto: Christian Porsch

Bezirks­tags­vi­ze­prä­si­dent Andre­as Star­ke (SPD), Bezirks­rat Tho­mas Nagel (FDP), Bezirks­rat Man­fred Hüm­mer (FWG), Regie­rungs­prä­si­den­tin Hei­drun Piwer­netz, Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm, Bezirks­rat Chri­sti­an Meiß­ner (CSU), Käm­me­rer Rei­ner Böh­ner, Bezirks­rat Man­fred Neu­mei­ster (Grü­ne), Bezirks­rat Flo­ri­an Köh­ler (AfD) und Bezirks­rat Rein­hardt Möl­ler (Die Lin­ke). Foto: Chri­sti­an Porsch

„Wie immer bil­det der Haus­halt des Bezirks Ober­fran­ken einen Spa­gat zwi­schen den Inter­es­sen der Umla­ge­zah­ler und den Belan­gen der drit­ten kom­mu­na­len Ebe­ne. Fakt ist: Wir haben eine Ver­ant­wor­tung gegen­über den Men­schen, die uns brau­chen! Das sind vor allem die Schwä­che­ren und Schwäch­sten in unse­rer Gesell­schaft: Men­schen mit Behin­de­rung und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen, Kin­der und Jugend­li­che mit Han­di­cap“, erin­ner­te Bezirks­tags­prä­si­dent Hen­ry Schramm gleich zu Beginn sei­ner Rede an die Kern­auf­ga­be des Bezirks.

Über 94 Pro­zent der Aus­ga­ben des Ver­wal­tungs­haus­hal­tes, rund 417 Mil­lio­nen Euro, ent­fie­len auf sozia­le Hil­fen. Dafür sei der Bezirk gesetz­lich zustän­dig. „Die­sem gesetz­li­chen Auf­trag kom­men wir ger­ne und mit viel Herz­blut nach“, so Schramm wei­ter. Er sprach von einem maß­vol­len und gerech­ten Haus­halt, der mit den ver­an­schlag­ten Mit­teln für Kul­tur, Fische­rei und Land­wirt­schaft auch dafür sor­ge, dass Ober­fran­ken lebens- und lie­bens­wert bleibt. Einen Appell rich­te­te der Bezirks­tags­prä­si­dent mit Blick auf die stei­gen­den Sozi­al­aus­ga­ben in den kom­men­den Jah­ren an den Frei­staat Bay­ern: „Die Hil­fe für Men­schen mit Behin­de­rung und pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen ist eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be. Die Kosten­stei­ge­run­gen allein auf die Kom­mu­nen abzu­wäl­zen bringt die kom­mu­na­le Fami­lie in Zei­ten schlech­ter Kon­junk­tur zwangs­läu­fig an die Gren­zen ihrer Lei­stungs­fä­hig­keit. Daher wäre es nur fol­ge­rich­tig, die Höhe der staat­li­chen Zuwei­sun­gen an die Bezir­ke an die stei­gen­den Sozi­al­aus­ga­ben zu koppeln.“

In ihren State­ments gin­gen die Ver­tre­ter der Bezirks­tags­frak­tio­nen vor allem auf die Umla­ge­sy­ste­ma­tik und die stei­gen­den Sozi­al­aus­ga­ben ein. Der Mensch ste­he bei den Auf­ga­ben des Bezirks, die vor allem im Bereich der Sozi­al­hil­fe lie­gen, im Mit­tel­punkt. Die Bei­be­hal­tung des Hebe­sat­zes sei das rich­ti­ge Zei­chen an die kom­mu­na­len Umla­ge­zah­ler, die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­ten. Mit Blick auf die Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft wer­de es in Zukunft wohl schwer wer­den, den Hebe­satz auch 2020 kon­stant zu halten.

Der Bezirks­haus­halt wur­de im Anschluss ein­stim­mig ver­ab­schie­det, auch der Finanz­plan und das Inve­sti­ti­ons­pro­gramm für die Jah­re bis 2022 wur­de mit brei­ter Mehr­heit und ledig­lich einer Gegen­stim­me auf den Weg gebracht.

Kenn­zah­len des Haushalts

  • Gesamt­haus­halt: 453 Mil­lio­nen Euro (Ver­gleich 2018: 436 Mil­lio­nen Euro)
    (davon ent­fal­len 443 Mil­lio­nen Euro auf den Verwaltungshaushalt,
    9,5 Mil­lio­nen Euro auf den Vermögenshaushalt)
  • Hebe­satz zur Bezirks­um­la­ge: 17,5 Pro­zent (Ver­gleich 2018: 17,5 Prozent)
  • Schul­den: keine
  • Sozi­al­aus­ga­ben: 417 Mil­lio­nen Euro (ca. 94% des Gesamthaushalts)
  • Frei­wil­li­ge Lei­stun­gen: 4,5 Mil­lio­nen Euro

Stel­lung­nah­men der Frak­tio­nen und Gruppierungen

Chri­sti­an Meiß­ner (CSU): Die Augen der Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te sei­en heu­te auf den Bezirk gerich­tet, lei­te­te Bezirks­rat Chri­sti­an Meiß­ner sei­ne Stel­lung­nah­me ein. Den Hebe­satz kon­stant zu las­sen sei das rich­ti­ge Zei­chen an die kom­mu­na­le Fami­lie und Aus­fluss einer sehr inten­si­ven Debat­te. Die Zukunft wer­de zei­gen wel­che Schwer­punk­te der Bezirk Ober­fran­ken vor allem im kul­tu­rel­len Bereich set­zen wer­de. Meiß­ner signa­li­sier­te Unter­stüt­zung für die Idee, die Syste­ma­tik der staat­li­chen Aus­gleichs­mit­tel zu refor­mie­ren und an die Sozi­al­aus­ga­ben zu koppeln.

Hol­ger Grieß­ham­mer (SPD): Der Bezirk Ober­fran­ken habe eine Vor­bild­funk­ti­on gegen­über den Kom­mu­nen im Regie­rungs­be­zirk. Grieß­ham­mer mahn­te im Vor­feld der kom­men­den Haus­halts­be­ra­tun­gen eine trans­pa­ren­te­re Dis­kus­si­on mit den Kom­mu­nen an. Der Zustand der spru­deln­den Steu­er­ein­nah­men sei nicht gesetzt, daher müs­se man recht­zei­tig vor­beu­gen. Ziel sei es nicht, am Hebe­satz zu dre­hen, viel­mehr müss­ten die staat­li­chen Zuwen­dun­gen erhöht wer­den. Er plä­dier­te für eine kom­plet­te Rück­kehr zur Tarif­bin­dung an den TVöD bei den Gesund­heits­ein­rich­tun­gen des Bezirks Ober­fran­ken (GeBO).

Man­fred Hüm­mer (FW): Eine Haus­halts­auf­stel­lung beim Bezirk Ober­fran­ken sei immer eine gro­ße Her­aus­for­de­rung und ein gro­ßer Spa­gat. Die Zusam­men­ar­beit mit dem Bezirks­tags­prä­si­den­ten bezeich­ne­te Hüm­mer im Namen sei­ner Frak­ti­on als koope­ra­tiv, ziel­füh­rend und ange­nehm. Der Bezirks­haus­halt sei über­wie­gend von gesetz­li­chen Pflicht­auf­ga­ben bestimmt, daher blei­be kaum ein frei­er Hand­lungs­spiel­raum bei der Gestal­tung des Haus­halts­ent­wurfs. Die Tat­sa­che, dass der Bezirk Ober­fran­ken ein­mal mehr den nied­rig­sten Hebe­satz vor­weist, sei bemerkenswert.

Man­fred Neu­mei­ster (Grü­ne): Men­schen­wür­di­ge Pfle­ge sei jeden Cent wert, beton­te Man­fred Neu­mei­ster. Der Bezirk sei das sozia­le Gewis­sen Ober­fran­kens. Die Teil­ha­be am Leben von Men­schen mit Behin­de­rung sei eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be. Aus­gren­zung und Weg­se­hen sei kei­ne Opti­on, viel­mehr benö­tig­ten Men­schen mit Behin­de­rung größt­mög­li­che Soli­da­ri­tät. Er bemän­gel­te, dass der Anteil an der sog. Bun­des­mil­li­ar­de zur Umset­zung des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes in Bay­ern an den Bezir­ken vor­bei direkt an die Kom­mu­nen aus­ge­schüt­tet wur­de, ohne dass die­se ori­gi­när zustän­dig seien.

Flo­ri­an Köh­ler (AfD): Für die neu im Bezirks­tag ver­tre­te­ne AfD dank­te Flo­ri­an Köh­ler der Bezirks­ver­wal­tung für die umfas­sen­de Beant­wor­tung der im Vor­feld gestell­ten Fra­gen. Für die AfD sei es Maß­ga­be gewe­sen, dass der Bezirk kei­ne Schul­den und kei­ne Erhö­hung des Hebe­sat­zes vor­neh­men dür­fe. Gera­de in den Kli­ni­ken herr­sche ein hoher Inve­sti­ti­ons­stau vor, der abge­ar­bei­tet wer­den müs­se. Daher plä­dier­te er für Abstri­che bei der För­de­rung von Zweck­ver­bän­den und kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen sowie für eine Kon­zen­tra­ti­on auf die Pflicht­auf­ga­ben des Bezirks.

Tho­mas Nagel (FDP): Eine Sen­kung der Bezirks­um­la­ge sei auf­grund der anste­hen­den Auf­ga­ben nicht dar­stell­bar. Der Bezirk inve­stie­re vor allem in Men­schen. Dies sei wich­ti­ger als Inve­sti­tio­nen in Denk­mal­schutz­maß­nah­men. Tho­mas Nagel schlug vor, eine Prio­ri­tä­ten­li­ste für die zukünf­ti­ge Aus­ge­stal­tung der frei­wil­li­gen Lei­stun­gen auf­zu­stel­len sowie die Pro­to­kol­le der öffent­li­chen Bezirks­tags­sit­zun­gen im Inter­net zu veröffentlichen.

Rein­hardt Möl­ler (LIN­KE): Rein­hardt Möl­ler hät­te ger­ne eine Erhö­hung des Hebe­sat­zes gese­hen, wie er in sei­nem State­ment bekann­te. Er zähl­te die finan­zi­el­len Risi­ken auf, die durch die gesetz­li­chen Vor­ga­ben im Rah­men des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes ent­stün­den. Daher müs­se man recht­zei­tig vor­bau­en, um einen zu hohen Sprung bei der Hebe­satz­stei­ge­rung zu vermeiden.

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