Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt: Ein Volks­be­geh­ren für die Bauern

For­de­run­gen brin­gen Chan­cen für bäu­er­li­che Land­wirt­schaft – End­lich wer­den Arten­schutz und bes­se­re Ver­gü­tung für die Land­wir­te zusammengebracht

Das „Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt – Ret­tet die Bie­nen!“ ist mit dem Ziel ange­tre­ten, ein bes­se­res Natur­schutz­ge­setz zu schaf­fen, und will damit auch aus­drück­lich die bäu­er­li­che Land­wirt­schaft unter­stüt­zen. Das Volks­be­geh­ren wird einen gesetz­li­chen Rah­men schaf­fen, der zu einem Inve­sti­ti­ons­pro­gramm für die Land­wirt­schaft füh­ren wird. Damit wer­den Land­wir­te, die Lei­stun­gen für das Gemein­wohl brin­gen, in Zukunft noch stär­ker geför­dert und die Umstel­lung auf öko­lo­gi­schen Land­bau noch inten­si­ver unter­stützt. Die For­de­run­gen des Volks­be­geh­rens sind somit eine ech­te Chan­ce für Bay­erns Landwirte.

Das Volks­be­geh­ren schafft die Rah­men­be­din­gun­gen für eine natur­ver­träg­li­che Land­wirt­schaft. Dies ist eine gro­ße Chan­ce für jeden Bau­ern. „Unse­re Land­wir­te kön­nen sich dar­auf freu­en, dass ihnen zusätz­lich gute Ange­bo­te gemacht wer­den, um die Arten­viel­falt zu unter­stüt­zen“, sagt Agnes Becker, Beauf­trag­te des Volks­be­geh­rens und stellv. ÖDP-Lan­des­vor­sit­zen­de. „Dann kom­men Arten­schutz und Öko­no­mie zusam­men, und die Land­wir­te bekom­men eine ande­re Per­spek­ti­ve als wach­sen oder weichen.“

Der Geset­zes­ent­wurf zeich­net sich vor allem dadurch aus, dass er den Land­wir­ten an drei ent­schei­den­den Stel­len eine inter­es­san­te wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ve bie­tet. „So müs­sen dann zehn Pro­zent des Grün­lands künf­tig zu Blüh­wie­sen wer­den. Um die­ses Ziel zu errei­chen, wird die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung den Land­wir­ten ein rich­tig gutes Ange­bot unter­brei­ten müs­sen“, so Dr. Nor­bert Schäf­fer, Vor­sit­zen­der des LBV.

Ähn­li­ches gel­te für den gefor­der­ten Bio­top­ver­bund. Auch hier wür­de der Baye­ri­sche Staat Flä­chen benö­ti­gen und allen Land­wir­ten ein wirt­schaft­lich lukra­ti­ves und lang­fri­sti­ges Ange­bot machen müs­sen. „Wir sind sicher, dass der Frei­staat geeig­ne­te För­der­pro­gram­me ent­wickeln wird, um die Ziel­vor­ga­ben des Volks­be­geh­rens zu erfül­len. Mit finan­zi­el­len Anrei­zen holen wir die Land­wir­te ins Boot, das nützt am Ende auch ihnen“, so Lud­wig Hart­mann Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Bünd­nis 90/​Die Grü­nen im Baye­ri­schen Landtag.

Neben der Tat­sa­che, dass die Nach­fra­ge nach Bio­le­bens­mit­teln in der baye­ri­schen Bevöl­ke­rung stän­dig wächst, könn­te die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung nicht zuletzt von Öster­reich ler­nen. Gute För­der­pro­gram­me kom­bi­niert mit einem mas­si­ven Aus­bau des Nach­fra­ge­mark­tes haben dort dazu geführt, dass bereits 27 Pro­zent der land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen öko­lo­gisch bewirt­schaf­tet wer­den. Ins­be­son­de­re die Umstel­lung aller Kan­ti­nen in Behör­den, Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Kran­ken­häu­sern hat­ten den Absatz­markt gestützt. Hier hat Bay­ern einen enor­men Nach­hol­be­darf. „Mit dem Volks­be­geh­ren schaf­fen wir end­lich einen Sprung in Rich­tung nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft. Das wird die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz der Bau­ern stär­ken“, sagt Richard Merg­ner Vor­sit­zen­der des BUND Natur­schutz in Bayern.

Aus­gangs­punkt des Volks­be­geh­rens ist das größ­te Arten­ster­ben seit dem Aus­ster­ben der Dino­sau­ri­er. Die­ses Arten­ster­ben fin­det vor allem im Acker- und Grün­land statt und ist eine viel­fach in Stu­di­en nach­ge­wie­se­ne Tat­sa­che. Die bis­he­ri­gen frei­wil­li­gen Lei­stun­gen der Land­wir­te im Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramm und im Kul­tur­land­schafts­pro­gramm konn­ten den Arten­rück­gang nicht auf­hal­ten, obwohl die baye­ri­schen Land­wir­te dafür ca. 250 Mil­lio­nen Euro pro Jahr erhal­ten. Dies zeigt, dass mehr und wirk­sa­me­re Maß­nah­men not­wen­dig sind.

Mit dem Volks­be­geh­ren wird der Staat ver­pflich­tet, zunächst zehn und spä­ter 13 Pro­zent der Lan­des­flä­che für einen Bio­top­ver­bund im Offen­land zu schaf­fen. Dies wird in bewähr­ter Manier über Flä­chen­för­de­rung und Flä­chen­an­kauf gesche­hen. Hier wer­den die Land­wir­te als Part­ner benötigt.

Über­fäl­lig ist die Ein­hal­tung von Gewäs­ser­rand­strei­fen, die in allen Bun­des­län­dern außer Bay­ern bereits gesetz­lich ver­pflich­tend sind. Sie die­nen dem Schutz der Bäche und Flüs­se vor dem Ein­trag von Dün­gern, Pesti­zi­den und Schlamm und stel­len gleich­zei­tig ein Rück­grat des Bio­top­ver­bun­des dar. Bewei­dung und Grün­land­nut­zung wird auf die­sen Strei­fen wei­ter­hin erlaubt sein.

Hin­ter­grund

Über das Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt – Ret­tet die Bienen!

Das Volks­be­geh­ren ist ein Mit­tel der direk­ten Demo­kra­tie. Es ermög­licht Bür­ge­rin­nen und Bür­gern die Ein­brin­gung eines Geset­zes­ent­wurfs in den Baye­ri­schen Land­tag. Die erste Hür­de ist über­wun­den: Knapp 100.000 Men­schen haben in der ersten Zulas­sungs­pha­se für das Volks­be­geh­ren unter­schrie­ben, im Okto­ber wur­de es vom Innen­mi­ni­ste­ri­um zuge­las­sen. Jetzt müs­sen sich vom 31. Janu­ar 2019 bis zum 13. Febru­ar 2019 eine Mil­li­on Wahl­be­rech­tig­te per­sön­lich in den Rat­häu­sern in Listen ein­tra­gen, um das Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt erfolg­reich zu machen. Online ist dies nicht mög­lich. Zur Ein­tra­gung muss der gül­ti­ge Aus­weis vor­ge­legt wer­den. Zum Trä­ger­kreis des Volks­be­geh­rens Arten­viel­falt – Ret­tet die Bie­nen! gehö­ren die Öko­lo­gisch-Demo­kra­ti­sche Par­tei Bay­ern (ÖDP), der Lan­des­bund für Vogel­schutz in Bay­ern (LBV), das Bünd­nis 90/​Die Grü­nen Bay­ern und der BUND Natur­schutz in Bay­ern. Ein brei­tes gesell­schaft­li­ches Bünd­nis von mehr als 160 Orga­ni­sa­tio­nen, Unter­neh­men, Ver­bän­den und Par­tei­en unter­stüt­zen die­se direkt­de­mo­kra­ti­sche Initia­ti­ve für ein neu­es Natur­schutz­ge­setz in Bayern.

Die Kern­for­de­run­gen des Volks­be­geh­rens Arten­viel­falt – Ret­tet die Bienen!

Ziel des Volks­be­geh­rens ist es, Rege­lun­gen im baye­ri­schen Natur­schutz­ge­setz zu ver­an­kern, die die Arten­viel­falt ret­ten. Die Kern­for­de­run­gen: die bay­ern­wei­te Ver­net­zung von Lebens­räu­men für Tie­re; die Erhal­tung von Hecken, Bäu­men und klei­nen Gewäs­sern in der Land­wirt­schaft; der Erhalt und die Schaf­fung blü­hen­der Rand­strei­fen an allen Bächen und Grä­ben; der mas­si­ve Aus­bau der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft; die Umwand­lung von zehn Pro­zent aller Wie­sen in Blüh­wie­sen; die pesti­zid­freie Bewirt­schaf­tung aller staat­li­chen Flä­chen; die Auf­nah­me des Natur­schut­zes in die Aus­bil­dung von Land- und Forstwirten.

Die Akti­ons­bünd­nis­se

Bay­ern­weit kämp­fen 80 Akti­ons­bünd­nis­se in den Gemein­den für eine Wen­de im baye­ri­schen Natur­schutz. Alle Inter­es­sier­ten sind auf­ge­for­dert mit­zu­ma­chen. Auf der Web­site des Volks­be­geh­rens Arten­viel­falt www​.volks​be​geh​ren​-arten​viel​falt​.de fin­det man die Mög­lich­keit, Kon­takt aufzunehmen.

Das Arten­ster­ben

Wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en bele­gen, dass in Bay­ern immer mehr Tier- und Pflan­zen­ar­ten vom Aus­ster­ben bedroht oder bereits ver­schwun­den sind. Beson­ders betrof­fen sind die Insek­ten, die unter ande­rem für das Über­le­ben der Mensch­heit als Bestäu­ber von Nah­rungs­pflan­zen exi­sten­zi­ell wich­tig sind. In Deutsch­land sind knapp 50 Pro­zent aller Bie­nen­ar­ten bestands­be­droht oder bereits aus­ge­stor­ben, über 75 Pro­zent aller Flug­in­sek­ten sind nicht mehr da und die Bestän­de an Schmet­ter­lin­gen viel­fach sogar noch stär­ker zurück­ge­gan­gen, in eini­gen Regio­nen Bay­erns teil­wei­se um 70–90 Pro­zent. Unter ande­rem in Fol­ge des Insek­ten­schwun­des leben in Bay­ern nur noch halb so vie­le Vögel wie vor 30 Jah­ren. Die­se dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung will das Volks­be­geh­ren Arten­viel­falt stoppen.

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