Pres­se­mit­tei­lung des Natio­nal­park Stei­ger­wald e.V. : “Ein Schlacht­fest an der Wald­na­tur am Fest der Liebe”

Waldbegehung der Staatswälder bei Fabrikschleich im Steigerwald.

Wald­be­ge­hung der Staats­wäl­der bei Fabrik­schleich im Steigerwald

Tie­fe Trau­er, Fas­sungs­lo­sig­keit und gro­ße Ent­täu­schung fühl­ten die Mit­glie­der des Ver­eins Natio­nal­park Stei­ger­wald anläss­lich einer Wald­be­ge­hung der aus­ge­dehn­ten Staats­wäl­der bei Fabrik­schleich im Stei­ger­wald. Auf einer rie­si­gen Flä­che hat der Staats­forst­be­trieb Ebrach hun­der­te mäch­ti­ger Buchen gefällt. Der 1. Vor­sit­zen­de Dr. Lieb­hard Löff­ler war von der Men­ge der 120 bis 160 Jah­re alten „geern­te­ten“ Bäu­me und der Grö­ße der betrof­fe­nen Wald­flä­che erschüt­tert. „Am Fest der Lie­be fühlt sich der Wald lie­ben­de bei die­ser Dimen­si­on eher an ein Schlacht­fest erin­nert“, beton­te der Stei­ger­wäl­der und beklagt:“ War­um muss­ten selbst die Methu­sa­le­me ster­ben?“. Bei nähe­rem Hin­se­hen wer­de deut­lich, dass vie­le Buchen einen Stamm­durch­mes­ser von über 80 Zen­ti­me­ter auf­wei­sen und des­halb auch nach dem Natur­schutz­kon­zept des Staats­forst­be­trie­bes als Methu­sa­lem-Bäu­me vor dem Absä­gen geschützt sind.

Der 2. Vor­sit­zen­de Flo­ri­an Tul­ly sieht die ein­zig­ar­ti­gen Wal­döko­sy­ste­me im Staats­wald, die der Rück­sicht­na­me frü­he­rer För­sterge­nera­tio­nen zu ver­dan­ken sind, ohne Not zer­stört. „Ange­sichts des Kli­ma­wan­dels mit lang­an­hal­ten­der Trocken­heit, Stark­re­gen und hef­ti­gen Stür­men, wie wir sie bis­her nur aus süd­li­chen Brei­ten­gra­den bei Orka­nen und Tor­na­dos ken­nen, ist es ver­ant­wor­tungs­los, den Wäl­dern gro­ße Men­gen an gut ver­wur­zel­ten Stark­bäu­men zu ent­zie­hen und den Stür­men wei­te aus­ge­lich­te­te Wald­flä­chen für ihr Ver­nich­tungs­werk zu bie­ten,“ ergänz­te der Inge­nieur. Dem wun­der­ba­ren Wald habe es nichts genutzt, dass er als euro­päi­sches Natu­ra 2000 Schutz­ge­biet in Form eines FFH Flo­ra – Fau­na-Habi­tat Gebiets und auch als SPA Vogel­schutz­ge­biet geschützt ist. Man habe gezielt die star­ken Buchen zwi­schen 60 und 100 Zen­ti­me­tern ent­nom­men. Fra­ge: „Wo sol­len denn die künf­ti­gen Methu­sa­le­me her­kom­men, die so wesent­lich für Boden‑, Klima‑, und Arten­schutz sind?“. Denn eine regu­lä­re Holz­nut­zung, die nur noch weni­ge Stark­bäu­me pro Hekt­ar vor­sieht, dür­fe wei­ter­hin auf die­sen Flä­chen stattfinden.

Die Heu­che­lei der Ver­ant­wort­li­chen die­ses Buchen Mas­sa­kers sei nicht zu über­bie­ten: Einer­seits wür­den sie mas­siv in das Öko­sy­stem Buchen­wald ein­grei­fen, ande­rer­seits bedau­er­ten sie öffent­lich, dass kaum mehr wirk­lich alte und intak­te schutz­wür­di­ge Wäl­der mehr vor­han­den sei­en. Für die Wald­be­gei­ster­ten sei es blan­ker Zynis­mus, die selbst her­bei­ge­führ­ten Schä­di­gun­gen anzu­pran­gern und trotz­dem wei­ter­hin mäch­ti­ge Buchen in Buchen­wäl­dern zu fäl­len und sich öffent­lich zu wun­dern, dass es in die­sen Wald­ge­bie­ten kei­ne mehr gibt oder zu erklä­ren, dass irgend­wo schon wie­der Buchen nach­wach­sen wer­den. Für Löff­ler soll­ten die Staats­forst­ver­ant­wort­li­chen ihre Ver­ant­wor­tung als Ver­ur­sa­cher sehen und nicht in die Rol­le von Opfern schlüp­fen und abhän­gi­ge Beschäf­tig­te Pro­te­ste unter­schrei­ben las­sen. Der Vor­sit­zen­de appel­liert an alle: „Neh­men Sie sich die Zeit, gehen Sie in den Wald bei Fabrik­schleich­ach, an der Staats­stra­ße 2258 Rich­tung Unter­schleich­ach, und machen Sie sich ein Bild. Es wird sich an der Kom­merz-ori­en­tier­ten Forst­wirt­schaft, wie sie zur Zeit betrie­ben wird zugun­sten intak­ter Wal­döko­sy­ste­me nur etwas ändern, wenn sich vie­le Men­schen für natur­na­he Wäl­der im Staats­wald stark machen. Die Ent­schul­di­gung an die Enkel­kin­der, wie sie Alex­an­der Gerst von der Raum­sta­ti­on aus­ge­sen­det hat, wäre nicht nötig, wenn unse­re Genera­ti­on weni­ger ego­istisch und rück­sichts­los die Erde nut­zen würde.

Dr. Lieb­hard Löff­ler, Flo­ri­an Tul­ly, Ingrid Michel
Vor­stand des Ver­eins Natio­nal­park Stei­ger­wald e.V.

(Anm. d. Red.: Sie­he dazu auch “Stel­lung­nah­me der Baye­ri­schen Staats­for­sten”)

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