Ver­gleich zum Was­ser­schutz­ge­biet Bam­berg unterzeichnet

Jahr­zehn­te­lan­ge Ver­hand­lun­gen fin­den erfolg­rei­chen Abschluss

Obere Reihe v. l. n. r.: Christian Fendt (Stadtwerke Bamberg), Dr. Thomas Schönfeld (Rechtsanwalt), Bürgermeister Klaus Homann (Markt Hirschaid), Bürgermeister Wolfgang Desel (Gemeinde Strullendorf), Dieter Thormann (DB Netz), Hans Hemmerlein (Wasserwirtschaftsamt Kronach), Dr. Manfred Löbl (Regierung von Oberfranken), Hans-Joachim Rost (Regierung von Oberfranken) Untere Reihe v. l. n. r.: Landrat Johann Kalb (Landratsamt Bamberg), Sven Pienitz (Stadtwerke Bamberg). Foto: R. Mader

Obe­re Rei­he v. l. n. r.: Chri­sti­an Fendt (Stadt­wer­ke Bam­berg), Dr. Tho­mas Schön­feld (Rechts­an­walt), Bür­ger­mei­ster Klaus Homann (Markt Hirschaid), Bür­ger­mei­ster Wolf­gang Desel (Gemein­de Strul­len­dorf), Die­ter Thor­mann (DB Netz), Hans Hem­mer­lein (Was­ser­wirt­schafts­amt Kro­nach), Dr. Man­fred Löbl (Regie­rung von Ober­fran­ken), Hans-Joa­chim Rost (Regie­rung von Ober­fran­ken)
Unte­re Rei­he v. l. n. r.: Land­rat Johann Kalb (Land­rats­amt Bam­berg), Sven Pie­nitz (Stadt­wer­ke Bam­berg). Foto: R. Mader

Die Kon­flik­te um das Was­ser­schutz­ge­biet zum Schutz der Trink­was­ser­ver­sor­gung der Stadt Bam­berg dau­ern bereits seit Jahr­zehn­ten an und beschäf­tig­ten den Was­ser­ver­sor­ger, die betrof­fe­nen Kom­mu­nen, Land­wir­te, Gewer­be­trei­ben­de, Pri­va­te, Behör­den und nicht zuletzt die Poli­tik glei­cher­ma­ßen. Nun ist es nach lang­wie­ri­gen recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Ver­hand­lun­gen gelun­gen, eine Lösung zu erar­bei­ten, bei der alle Sei­ten einen Schritt auf­ein­an­der zuge­gan­gen sind.

Land­rat Johann Kalb: „Das Ergeb­nis ist für alle Betei­lig­ten ein ech­ter Mei­len­stein und stellt eine wich­ti­ge Wei­che für die Zukunft dar. Wir sichern die Trink­was­ser­ver­sor­gung der Stadt Bam­berg nach­hal­tig. Gleich­zei­tig haben wir die Vor­aus­set­zun­gen für bedeu­ten­de Infra­struk­tur­maß­nah­men, wie z.B. die Süd­an­bin­dung der Gemein­de Strul­len­dorf und einen zwei­ten Anschluss des dor­ti­gen Gewer­be­ge­bie­tes ermög­licht. Auch eine künf­ti­ge Umfah­rung von Hirschaid und Strul­len­dorf wird damit denk­bar. Zusam­men mit den Ver­hand­lungs­er­geb­nis­sen um den Aus­bau des ICE eröff­nen wir her­vor­ra­gen­de Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven für die Kom­mu­nen und den gesam­ten Land­kreis Bamberg.“

Im Rah­men einer gemein­sa­men Abschluss­ver­an­stal­tung im Land­rats­amt Bam­berg unter­zeich­ne­ten die betei­lig­ten Par­tei­en auf Ein­la­dung von Land­rat Johann Kalb jetzt einen Ver­gleich, der die bereits seit Jahr­zehn­ten andau­ern­den Kon­flik­te um das vom Land­rats­amt Bam­berg im Jahr 2011 fest­ge­setz­te Was­ser­schutz­ge­biet zur Siche­rung der öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gung der Stadt Bam­berg zu einem ein­ver­nehm­li­chen Abschluss führt.

Größ­tes Was­ser­schutz­ge­biets­ver­fah­ren in Bayern

Die Stadt­wer­ke Bam­berg betrei­ben auf dem Gebiet der Stadt Bam­berg, aber auch im Gemein­de­ge­biet von Strul­len­dorf und Hirschaid eige­ne Trink­was­ser­ge­win­nungs­an­la­gen. Erste Über­le­gun­gen für eine Neu­fest­set­zung des dazu­ge­hö­ri­gen Was­ser­schutz­ge­bie­tes stam­men bereits aus den 70er Jah­ren. Die alten Was­ser­schutz­ge­bie­te konn­ten den Anfor­de­run­gen eines zukunfts­ori­en­tier­ten vor­sorg­li­chen Trink­was­ser­schut­zes nicht mehr gerecht wer­den. Nach­dem sich grö­ße­re Flä­chen­an­tei­le des Was­ser­schutz­ge­bie­tes auch auf das Gebiet des Land­krei­ses Bam­berg erstrecken – betrof­fen sind v. a. die Gemein­den Strul­len­dorf und Hirschaid – hat­te die Regie­rung von Ober­fran­ken das Land­rats­amt Bam­berg als zustän­di­ge Fest­set­zungs­be­hör­de bestimmt.

Der Beginn des Fest­set­zungs­ver­fah­rens für das kom­ple­xe Vor­ha­ben zöger­te sich mehr­fach hin­aus, z. B. durch zwi­schen­zeit­lich ange­lau­fe­ne Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren und nicht zuletzt die Gebiets­re­form. Erst 2001 kam es schließ­lich zur öffent­li­chen Aus­le­gung des Ent­wur­fes der geplan­ten Was­ser­schutz­ge­biets­ver­ord­nung. Rund 4.500 ha bzw. rund 5.900 Grund­stücke waren für die Ein­be­zie­hung in das damals größ­te lau­fen­de Was­ser­schutz­ge­biets­ver­fah­ren in Bay­ern vor­ge­se­hen. Im Zuge der Aus­le­gung haben betrof­fe­ne Kom­mu­nen, Land­wir­te, Gewer­be­trei­ben­de, Pri­va­te und Trä­ger öffent­li­cher Belan­ge ca. 1.600 Ein­wen­dun­gen erho­ben und Stel­lung­nah­men abgegeben.

Das Land­rats­amt hat­te dar­auf­hin einen gänz­lich neu­en Weg beschrit­ten und ohne recht­li­che Ver­pflich­tung vier unter­schied­li­che und sehr zeit­in­ten­si­ve Arbeits­krei­se ein­ge­rich­tet, die von Okto­ber 2004 bis April 2009 tätig gewe­sen sind. Die Bür­ger­mei­ster der Kom­mu­nen Strul­len­dorf und Hirschaid unter­stütz­ten die­se Vor­ge­hens­wei­se aus­drück­lich. Die­se Vor­ge­hens­wei­se trug erheb­lich zu einer Ver­sach­li­chung der Aus­ein­an­der­set­zung und einem ver­bes­ser­ten gegen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis bei.

Den­noch zeig­te sich beim zwei­tä­gi­gen Erör­te­rungs­ter­min in der BRO­SE-Are­na im Dezem­ber 2009, an dem meh­re­re hun­dert Per­so­nen teil­ge­nom­men hat­ten, dass in etli­chen Kon­flikt­punk­ten eine ein­ver­nehm­li­che Lösung wohl nicht zu erzie­len sein wür­de. Im Novem­ber 2011 erließ das Land­rats­amt nach einem umfang­rei­chen Abwä­gungs­pro­zess schließ­lich die neue Was­ser­schutz­ge­biets­ver­ord­nung, wor­auf­hin die Gemein­de Strul­len­dorf, der Markt Hirschaid, die DB Netz AG und eini­ge Pri­vat­per­so­nen einen Antrag beim Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof gestellt hat­ten, um die­se Ver­ord­nung gericht­lich für nich­tig erklä­ren zu las­sen. Das Gericht teil­te am letz­ten Tag der Ver­hand­lung am 25. März 2015 mit, dass der Aus­gang des Ver­fah­rens letzt­end­lich völ­lig offen sei und hat­te den Par­tei­en einen Ver­gleich emp­foh­len. Alle Par­tei­en hat­ten in der Fol­ge ihr grund­sätz­li­ches Inter­es­se an einem Ver­gleichs­ab­schluss signa­li­siert und Ver­hand­lun­gen aufgenommen.

Nach meh­re­ren inten­si­ven Ver­hand­lungs­run­den unter Lei­tung des Land­rats konn­te schließ­lich im Sep­tem­ber 2018 der Durch­bruch erzielt und die von allen Betei­lig­ten gewünsch­te Pla­nungs- und dau­er­haf­te Recht­si­cher­heit durch den nun abge­schlos­se­nen Ver­gleich erreicht werden.

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