Uni­ver­si­tät Bam­berg mit Ange­bot zur Stressprävention

Das Thema Stress berührt doch jeden: Das zeigte die rege Diskussion bei der Tandemreihe mit den Referenten Professor Dr. Jörg Wolstein, Geschäftsführerin Barbara Dornig und Volker Weißmann von der AOK Bayern (von rechts). Links die Moderatorin des Abends, Caroline Oberleiter von der IHK für Oberfranken Bayreuth. Foto: Thorsten Ochs
Das Thema Stress berührt doch jeden: Das zeigte die rege Diskussion bei der Tandemreihe mit den Referenten Professor Dr. Jörg Wolstein, Geschäftsführerin Barbara Dornig und Volker Weißmann von der AOK Bayern (von rechts). Links die Moderatorin des Abends, Caroline Oberleiter von der IHK für Oberfranken Bayreuth. Foto: Thorsten Ochs

Im Rah­men der Tan­dem­rei­he zum The­ma „Stress am Arbeits­platz – Prä­ven­ti­on und Früh­in­ter­ven­ti­on“ schlägt die Hoch­schu­le ein digi­ta­les Inter­ven­ti­ons­pro­gramm vor

Hilft ein digi­ta­les Inter­ven­ti­ons­pro­gramm zur Stres­sprä­ven­ti­on den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern von klei­ne­ren Unter­neh­men, um einen Ein­stieg in den Umgang mit Stress am Arbeits­platz zu fin­den? Die Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg möch­te dies ger­ne her­aus­fin­den und hat im Rah­men der Tan­dem­rei­he, die bei Vor­trä­gen wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se mit Pra­xis­er­fah­run­gen ver­bin­det, das Ange­bot eines ent­spre­chen­den Test­laufs gemacht. „Wir könn­ten uns vor­stel­len, für Ober­fran­ken ein Online-Por­tal zur Stres­sprä­ven­ti­on und ‑inter­ven­ti­on auf­zu­bau­en und des­sen Nut­zung und Wirk­sam­keit wis­sen­schaft­lich zu beglei­ten“, schlug Pro­fes­sor Dr. Jörg Wol­stein, Refe­rent der Tan­dem­rei­he zum The­ma „Stress am Arbeits­platz – Prä­ven­ti­on und Früh­in­ter­ven­ti­on“, den Zuhö­rern in der Aula der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg vor.

Zuvor hat­te der Inha­ber der Pro­fes­sur für Psy­cho­pa­tho­lo­gie mit sei­nem Vor­trag „Stress macht krank. Sol­len wir dann bei der Arbeit im Lie­ge­stuhl lie­gen?“ den wis­sen­schaft­li­chen Part der Tan­dem­rei­he über­nom­men. Wol­stein skiz­zier­te die Ursa­chen von Stress und mach­te den Wan­del beim Aus­lö­ser der kör­per­li­chen Reak­ti­on pla­ka­tiv an zwei Begriff­lich­kei­ten fest: War es frü­her der Urzeit-Tiger, der dem Men­schen Stress berei­tet hat, ist es heu­te häu­fig der Uhr­zeit-Tiger, also Zeit­druck. Wie die ver­schie­de­nen Stres­so­ren aller­dings wir­ken, sei von Mensch zu Mensch unter­schied­lich. Wol­stein: „Gleich ist, dass jeder Mensch sein per­sön­li­ches Stress­le­vel hat. Ist die­ses über­schrit­ten, emp­fin­det die Per­son Stress.“ Wird es dau­er­haft und immer wie­der­keh­rend über­schrit­ten und fal­len die not­wen­di­gen Erho­lungs­pha­sen aus, steigt die Gefahr von Sym­pto­men wie Burn-out oder gar einer lang­fri­sti­gen Erkran­kung wie Depres­si­on. „Des­we­gen“, schlug Wol­stein, den Bogen zu sei­nem Vor­trag­s­ti­tel, „nutzt es auch nichts, im Lie­ge­stuhl zu arbei­ten.“ Aus­schlag­ge­bend sei viel­mehr, aktiv an der Ver­mei­dung der Stress­fak­to­ren zu arbei­ten, etwa durch Zeit­ma­nage­ment oder kör­per­li­che Betä­ti­gung, und tat­säch­li­che Erho­lung zu ermöglichen.

Die Tan­dem­rei­he bringt die wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se mit den Erfah­run­gen aus der Pra­xis zusam­men. Daher setz­te Bar­ba­ra Dor­nig von der Auto­h­aus­grup­pe Dor­nig auf das Refe­rat von Prof. Wol­stein auf. Die Geschäfts­füh­re­rin nimmt mit der Auto­h­aus­grup­pe an dem geför­der­ten Pro­gramm “unternehmensWert:Mensch“ teil, das sich zum Ziel setzt, klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men vor allem durch eine mit­ar­bei­ter­ori­en­tier­te Per­so­nal­po­li­tik für zukünf­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen zu sen­si­bi­li­sie­ren. „Wir sind 2016 mit dem Pro­gramm gestar­tet und arbei­ten seit­dem viel und hart vor allem an der Mit­ar­bei­ter­füh­rung“, sag­te Bar­ba­ra Dor­nig, die kei­ne Zwei­fel dar­an ließ, dass es sich dabei um kei­nen ein­fa­chen Weg han­delt. Heu­te aber sei die Auto­h­aus­grup­pe mit 180 Mit­ar­bei­tern so weit, dass nahe­zu alle Abtei­lungs­lei­ter auch Füh­rungs­kräf­te sei­en – im Sin­ne eines guten und effek­ti­ven Füh­rens – und im Unter­neh­men ein ver­trau­ens­vol­ler und offe­ner Umgang gepflegt wer­de. Die Geschäfts­füh­re­rin kam dabei auf das The­ma Stress am Arbeits­platz zurück. „Durch unse­re Ver­än­de­run­gen in der Unter­neh­mens­kul­tur und im Mit­ein­an­der sind wir jetzt auch in der Lage, Stress­le­vel zu erken­nen und Aus­lö­ser auch aus dem pri­va­ten Bereich zu erfah­ren. Das ist ech­te Prä­ven­ti­on und auch die Chan­ce zur früh­zei­ti­gen Intervention.“

Prä­ven­ti­ons­ge­setz schafft Mög­lich­kei­ten für Betriebe

Die AOK Bay­ern hat als Kran­ken­kas­se Stress und die durch Stress beding­ten Sym­pto­me und Krank­heits­bil­der natur­ge­mäß im Blick. Seit 2016 gibt es auch einen gesetz­li­chen Auf­trag dazu, der im Prä­ven­ti­ons­ge­setz ver­an­kert ist. Die­ses hat die Gesund­heits­för­de­rung direkt im Lebens­um­feld zum Ziel. „Damit sind auch vie­le Mög­lich­kei­ten für Betrie­be geschaf­fen wor­den“, erklär­te Vol­ker Weiß­mann vom Fach­be­reich Arbeits­welt im Bereich Gesund­heits­för­de­rung der AOK Bay­ern in der Dis­kus­si­on, die sich an die Vor­trä­ge anschloss. So hät­ten die Kran­ken­kas­sen vie­le Mög­lich­kei­ten, Betrie­be bei gesund­heits­för­dern­den Maß­nah­men zu helfen.

Auch sei­tens des Audi­to­ri­ums kamen Nach­fra­gen an die Exper­ten aus Wis­sen­schaft, Unter­neh­men und gesetz­li­cher Kran­ken­kas­se. Die Fra­gen, ob ein Unter­neh­mer die pri­va­te Situa­ti­on eines Mit­ar­bei­ters anspre­chen dür­fe, oder wie man sei­nem Chef am besten sagen kön­ne, dass der Vor­ge­setz­te selbst ein Stress­fak­tor sei – die­se muss­ten in ihrer Indi­vi­dua­li­tät unbe­ant­wor­tet blei­ben. Denn pau­scha­le Lösun­gen gibt es rund um Stress, Stres­sprä­ven­ti­on und ‑inter­ven­ti­on nicht. Nur ein Vor­ge­hen hel­fe immer, wie Bar­ba­ra Dor­nig bestä­tig­te: „Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­on.“ Oder wie es Pro­fes­sor Wol­stein for­mu­lier­te: „Reden Sie miteinander!“

INFO:

Die Tan­dem­rei­he ist eine Gemein­schafts­in­itia­ti­ve der Otto-Fried­rich-Uni­ver­si­tät Bam­berg, der IHK für Ober­fran­ken Bay­reuth und der Hand­werks­kam­mer für Ober­fran­ken und bringt ein­mal pro Seme­ster Wis­sen­schaft und Wirt­schaft zusam­men. Ziel ist es, den Aus­tausch unter­ein­an­der zu för­dern und den beid­sei­ti­gen Trans­fer von Wis­sen anzuregen.

Wei­te­re, stän­dig aktua­li­sier­te Infor­ma­tio­nen zu der Ver­an­stal­tungs­rei­he fin­den Sie unter www​.uni​-bam​berg​.de/​t​r​a​n​s​f​e​r​/​v​e​r​a​n​s​t​a​l​t​u​n​g​e​n​/​t​a​n​dem

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