Mela­nie Huml ist mit 42 Jah­ren zum 4. Mal ins Baye­ri­sche Kabi­nett beru­fen wor­den

Von der jüng­sten Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten zur festen Kabi­netts­grö­ße

Melanie Huml. Foto: A. Maurer

Mela­nie Huml. Foto: A. Mau­rer

„Schau, da kommt die Mela­nie.“ So hieß es frü­her, wenn Mela­nie Huml bei Festen oder auch bei Ein­kau­fen unter­wegs war. „Inzwi­schen wer­de ich mei­stens mit ‚Frau Huml‘ und nicht mehr mit ‚Mela­nie‘ ange­spro­chen“, schmun­zelt die Staats­mi­ni­ste­rin für Gesund­heit und Pfle­ge. Doch auch nach fast elf Jah­ren im Baye­ri­schen Kabi­nett und knapp 15 Jah­ren als Abge­ord­ne­te im Land­tag ist eines gleich geblie­ben: Mela­nie Huml nimmt sich immer Zeit, zumin­dest für ein kur­zes Gespräch. „Bei offi­zi­el­len Ter­mi­nen kommt es schon mal vor, dass ein Mit­ar­bei­ter unru­hig auf die Uhr schaut, aber ich fin­de: Ein direk­ter Aus­tausch mit den Men­schen ist ein­fach enorm wich­tig.“

Poli­tik mit und für Men­schen

Die 42-jäh­ri­ge Bam­ber­ge­rin ist viel­leicht gera­de des­halb poli­tisch so erfolg­reich, weil sie zusam­men mit den Betrof­fe­nen an Lösun­gen arbei­tet. „Ich hole ger­ne alle mit ins Boot bezie­hungs­wei­se an den Run­den Tisch“, sagt Huml. „Bei prak­tisch jedem The­ma gibt es unter­schied­li­che Inter­es­sen. Mit­ein­an­der reden ist die Grund­la­ge dafür, die ande­ren Betei­lig­ten zu ver­ste­hen und dann gemein­sam trag­fä­hi­ge Kom­pro­mis­se für die Zukunft zu ver­han­deln.“ Schon als Jugend­li­che habe sie sich über Mit­schü­ler geär­gert, die nur gemo­sert haben, aber kei­nen Vor­schlag hat­ten, wie ihr Kri­tik­punkt ver­bes­sert wer­den kann. „Ich woll­te das anders machen, des­halb habe ich damals ent­schie­den, mich poli­tisch zu enga­gie­ren“, erzählt die Mini­ste­rin. Ihr Mot­to lau­tet seit­her: „Poli­tik mit Men­schen und für Men­schen gestal­ten“.

Die ersten Jah­re im Land­tag

Seit Mela­nie Huml im Jahr 2003, damals noch als Mela­nie Beck, mit 28 Jah­ren über­ra­schend als jüng­ste Abge­ord­ne­ten in den Baye­ri­schen Land­tag gewählt wur­de, hat sie schon vie­le Titel erhal­ten: „Land­tags­kü­ken“, „Nest­häk­chen“, „Kin­der­über­ra­schung“, „Bie­ne Maja“, „flei­ßi­ge Auf­stei­ge­rin“, „Samm­le­rin von Super­la­ti­ven“ – die Liste ist lang. Huml selbst erin­nert sich an Gegen­wind, aber auch an viel Unter­stüt­zung. „In mei­ner Frak­ti­on bin ich 2003 sehr herz­lich auf­ge­nom­men wor­den. Vie­le mei­ner Kol­le­gen fan­den es gut, dass sich jun­ge Men­schen poli­tisch enga­gie­ren und haben mei­ne Ideen ger­ne auf­ge­grif­fen.“ Erst als sie 2007 mit gera­de ein­mal 32 Jah­ren vom dama­li­gen Mini­ster­prä­si­den­ten Dr. Gün­ther Beck­stein ins Kabi­nett beru­fen wur­de, gab es auch Kol­le­gen, die ihr die Ver­ant­wor­tung einer Staats­se­kre­tä­rin nicht rich­tig zutrau­ten. „Aber die mei­sten Kri­ti­ker konn­te ich schnell vom Gegen­teil über­zeu­gen“, sagt Huml, die inzwi­schen zur stell­ver­tre­ten­den Par­tei­vor­sit­zen­den der CSU gewählt wur­de.

Urkundenübergabe: Markus Söder, Melanie Huml. Foto: Bayerische Staatskanzlei

Urkun­den­über­ga­be: Mar­kus Söder, Mela­nie Huml. Foto: Baye­ri­sche Staats­kanz­lei

Samm­le­rin von Super­la­ti­ven

Jüng­ste Abge­ord­ne­te im Baye­ri­schen Land­tag, jüng­stes Mit­glied der Staats­re­gie­rung, erste Staats­mi­ni­ste­rin, die Mut­ter wird… Nun hat ihr Bay­erns neu­er Mini­ster­prä­si­dent Dr. Mar­kus Söder einen wei­te­ren Super­la­tiv beschert: jüng­ste Mini­ste­rin mit vier Kabi­netts­be­ru­fun­gen. Denn inzwi­schen gehört Huml zu den Dienst­äl­te­sten in der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung, nur Innen­mi­ni­ster Joa­chim Herr­mann ist län­ger dabei. Huml selbst kom­men­tiert ihre Beru­fung ins Kabi­nett Söder unei­tel mit: „Ich freue mich, dass ich die Zukunft wei­ter mit­ge­stal­ten darf.“

Gesund­heit und Pfle­ge sind Zukunfts­the­men

Vereidigung von Melanie Huml als Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege. Bildarchiv Bayerischer Landtag, Foto: Rolf Poss

Ver­ei­di­gung von Mela­nie Huml als Baye­ri­sche Staats­mi­ni­ste­rin für Gesund­heit und Pfle­ge. Bild­ar­chiv Baye­ri­scher Land­tag, Foto: Rolf Poss

Trotz ihrer lang­jäh­ri­gen Erfah­rung ist Mela­nie Huml mit ihren 42 Jah­ren die per­so­ni­fi­zier­te Zukunfts­per­spek­ti­ve. Jung, Frau, Ober­frän­kin und als Ärz­tin auch noch vom Fach – eine nahe­zu unschlag­ba­re Kom­bi­na­ti­on für das Amt der Gesund­heits- und Pfle­ge­mi­ni­ste­rin. Dabei hat­te es bei der Grün­dung die­ses Mini­ste­ri­ums 2013 durch­aus Zweif­ler gege­ben. Im Raum stand die Fra­ge: Ist es wirk­lich sinn­voll, die Berei­che Gesund­heit und Pfle­ge aus den Umwelt- und Sozi­al­mi­ni­ste­ri­en aus­zu­glie­dern? Mar­kus Söder hät­te im Zuge sei­ner Kabi­netts­um­bil­dung die Mög­lich­keit gehabt, die­se Ent­schei­dung rück­gän­gig zu machen. „Doch ich weiß, wie wich­tig ihm die Berei­che Gesund­heit und Pfle­ge sind – gera­de der Hospiz­ge­dan­ke, dass alle Men­schen ein Leben in Wür­de, bis zuletzt, füh­ren kön­nen. Des­halb war des­halb recht zuver­sicht­lich, dass ich wei­ter­ma­chen darf, auch wenn ich bis kurz vor mei­ner Beru­fung nicht sicher sein konn­te“, erzählt die neue und alte Gesund­heits­mi­ni­ste­rin.

O‑Ton Mela­nie Huml

Von Amts­mü­dig­keit kei­ne Spur

„Ich habe noch viel vor“, betont die Bam­ber­ge­rin. Als Bei­spie­le nennt sie die Ent­la­stung von Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und ihren Ange­hö­ri­gen, den Aus­bau der Hospiz- und Pal­lia­tiv­ver­sor­gung sowie die Siche­rung der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung auf dem Land. Auf die Fra­ge, war­um sie trotz mehr­jäh­ri­ger Regie­rungs­ver­ant­wor­tung noch nicht alle Vor­ha­ben umge­setzt hat, ant­wor­tet Mela­nie Huml unver­blümt: „Mich hat ein­mal ein Viert­kläss­ler gefragt: Wie mäch­tig bist du eigent­lich? Dar­über muss­te ich erst ein­mal nach­den­ken und habe ihm dann erklärt: Wenn ich eine Idee gut fin­de, muss ich neun Men­schen davon über­zeu­gen. Wenn ich das schaf­fe, kann ich die Idee umset­zen.“ Über­zeu­gen statt über­ge­hen und gemein­sam Zukunfts­stra­te­gien ent­wickeln – Mela­nie Huml ist kei­ne Poli­ti­ke­rin der laut­star­ken Paro­len, aber auch eine, die ihre Anlie­gen ziel­stre­big ver­folgt. „Für die Land­arzt­quo­te muss­te ich bei­spiels­wei­se jah­re­lang ein­tre­ten, jetzt sind wir auf der Ziel­ge­ra­den. Oder ein Bei­spiel aus Bam­berg, das mich seit der Ver­ein­ba­rung der Stadt Bam­berg mit dem Frei­staat zur Asyl­be­wer­ber­un­ter­brin­gung im Jahr 2015 beschäf­tigt: die gel­ten­de Bele­gungs­gren­ze von 3.400 deut­lich redu­zie­ren, trotz­dem die Zusa­gen sei­tens des Frei­staats hal­ten und die Sicher­heits­la­ge wei­ter ver­bes­sern. Die­sen Drei­klang zu errei­chen, ist ein har­tes Stück Arbeit, aber nach­las­sen wer­de ich des­halb noch lan­ge nicht“, ver­spricht Huml.

Nach­fol­gen­de Genera­tio­nen im Blick

Die Tage einer Mini­ste­rin sind lang: Kabi­nett, Ple­num, Frak­ti­on, Par­tei­vor­stand in Mün­chen gehö­ren zu den Fix­ter­mi­nen, dazu kom­men Fach­ge­sprä­che und Ver­an­stal­tun­gen in ganz Bay­ern, plus die Ter­mi­ne als Abge­ord­ne­te der Regi­on Bam­berg. „Mir berei­tet mei­ne poli­ti­sche Tätig­keit gro­ße Freu­de und ich brau­che nicht viel Schlaf. Aber auch bin schon nach einer beson­ders zähen Ver­hand­lung heim­ge­kom­men und war froh, dass ich zuhau­se ganz kon­kret vor Augen habe, war­um ich so viel Kraft in mei­ne poli­ti­sche Tätig­keit inve­stie­re: mei­ne bei­den Söh­ne. Ich möch­te, dass auch die nach­fol­gen­den Genera­tio­nen noch sagen kön­nen: Ich lebe ger­ne in Bay­ern.“

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