Bier­som­me­lier Mar­kus Rau­pach stell­te sein neu­es Buch mit einem Aro­men­feu­er­werk vor

Erforscht die Bier-Galaxien: Markus Raupach. Foto: Silvia Wawarta
Erforscht die Bier-Galaxien: Markus Raupach. Foto: Silvia Wawarta

Wenn Lesen zum Genuss wird

Bam­berg Zur Pre­miè­re sei­nes 34. Buches hat­te Best­sel­ler­au­tor Mar­kus Rau­pach am 17. Novem­ber ins Bam­ber­ger Buch­haus Hüb­scher gela­den. Vor aus­ver­kauf­tem Haus ging es dabei nicht nur um den Inhalt von „Bier – Geschich­te und Genuss“, son­dern auch um span­nen­des Food­pai­ring von Bier mit edlen Käsen und Scho­ko­la­den. Neben Ohren und Gau­men waren zudem die Augen schwer beschäf­tigt, denn Rau­pach hat­te Unter­stüt­zung von zwei Schau­spie­lern, Hei­ke Bau­er-Banz­haf und Dirk Bay­er, die dem Abend zusätz­li­che Leben­dig­keit verliehen.

Scho­ko oder Himbeer?

Die­ser Fra­ge duf­ten sich die über 70 Gäste bereits am Ein­lass stel­len, wäh­rend sie von Dirk Bay­er als But­ler fach­ge­recht begrüßt, ent­man­telt und ent­staubt wur­den. Aller­dings ging es bereits hier um Bier – Bier­som­me­lier Rau­pach bot als Begrü­ßung ent­we­der ein Cho­co­la­te Stout, das tat­säch­lich wie flüs­si­ge Voll­milch­scho­ko­la­de anmu­te­te, oder ein Raspber­ry Fruit Beer, das mit Him­bee­ren ein­ge­braut war und auch so schmeck­te. Ganz muti­ge durf­ten sogar mischen, denn Him­bee­ren und Scho­ko­la­de ver­tra­gen sich nicht nur auf dem Kuchen.

Der Welt­raum, unend­li­che Weiten

Mit die­sen Wor­ten steigt Rau­pach in sein erstes Buch­ka­pi­tel ein, des­sen Anfang Hei­ke Bau­er-Banz­haf sou­ve­rän und stim­mungs­voll zu den Tönen der Titel­me­lo­die von Star Trek (Raum­schiff Enter­pri­se) zu Beginn der Lesung vor­trug. Dazu blen­de­te der Autor das Foto einer gigan­ti­schen Nebel­wol­ke aus dem Zen­trum der Milch­stra­ße ein, die zu mehr als der Hälf­te aus Alko­hol besteht. Sol­che Phä­no­me­ne fin­den sich über­all im Welt­all, vor allem aber dort, wo neue Ster­ne und Pla­ne­ten ent­ste­hen. Die Wis­sen­schaft nimmt an, dass die­ser Alko­hol die Grund­la­ge auch für die Ent­wick­lung des Lebens auf der Erde gewe­sen sein könnte.

Bier seit über 13.000 Jahren

Anschlie­ßend stell­te Mar­kus Rau­pach eine Welt­kar­te vor, auf der die Ver­brei­tung des Men­schen und die jeweils erste nach­weis­li­che Ver­gä­rung von Getrei­de ein­ge­zeich­net war. Das wohl erste Bier brau­ten Stein­zeit-Men­schen vor über 13.000 Jah­ren im Grenz­ge­biet zwi­schen der heu­ti­gen Tür­kei und Syri­en. Zu die­sem Zeit­punkt konn­ten sie noch nicht ein­mal spre­chen und zogen noch als Jäger und Samm­ler durch die Lan­de. Die klei­nen Fami­li­en­sip­pen lit­ten unter Inze­ster­schei­nun­gen und so schien es oppor­tun, regel­mä­ßig gemein­sam mit ande­ren Clans ein rau­schen­des Fest zu fei­ern – mit Anti­lo­pen­fleisch und Bier, wie sich durch Aus­gra­bun­gen ein­deu­tig nach­wei­sen lässt. Nur weni­ge Jahr­tau­sen­de spä­ter brau­ten die Ein­woh­ner Süd­ame­ri­kas Mais­bier und die Asi­ens Reis­bier. Bei­de Kul­tu­ren lie­ßen jun­ge Mäd­chen das Getrei­de kau­en und in einen Trog zur Ver­gä­rung aus­spucken. Ein Brauch, der noch bis in die 1960er Jah­re beleg­bar ist. Spä­ter kam die Brau­kunst unter ande­rem über Sume­rer, Ägyp­ter und Römer in unse­re Brei­ten. Brot gibt es übri­gens erst seit etwa 8.000 und Wein seit 7.000 Jahren.

AUBI aus der DDR

Nach der Ein­füh­rung soll­ten auch die Gau­men der gebann­ten Zuhö­rer Arbeit bekom­men. Denn anschlie­ßend an eine wei­te­re Lesung aus sei­nem Buch von Hei­ke Bau­er-Banz­haf ser­vier­te Rau­pach ein erstes Bier – alko­hol­frei­es Wei­zen – im Zusam­men­spiel mit einem Voll­milch-Maca­da­mia-Taler aus der Bam­ber­ger Sto­rath-Manu­fak­tur. Wäh­rend das Audi­to­ri­um das Aro­men­spiel des Food­pai­rings genoss, klär­te der Autor über die Geschich­te des alko­hol­frei­en Bie­res auf. Nach ersten Ver­su­chen Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahr­hun­derts war es ein Brau­mei­ster aus der DDR, Ulrich Wapp­ler, der das erste deut­sche „Alko­hol­freie“ ent­wickel­te. 1972 erblick­te das AUBI (Auto­fah­rerbier) das Licht der Welt, wenig spä­ter vom Régime auf der Leip­zi­ger Mes­se groß gefeiert.

Mün­chen und Berlin

Nach die­ser ersten Spei­se­pro­be folg­ten sechs wei­te­re, jeweils beglei­tet von Hei­ke Bau­er-Banz­hafs Schau­spiel- und Lese­kunst, pas­sen­der Musik und inter­es­san­ten Hin­ter­grund-Infor­ma­tio­nen von Buch­au­tor Mar­kus Rau­pach. Führ­te die zwei­te Kom­bi­na­ti­on, Rad­ler mit Zie­gen­frisch­kä­se, noch zur Kug­ler-Alm bei Mün­chen, wo der Legen­de nach aus einer Not her­aus das Rad­ler erfun­den wur­de, ging es bei der drit­ten in die Bun­des­haupt­stadt, aller­dings vor gut 100 Jah­ren. Ein­ge­lei­tet von einer roman­ti­schen Fami­li­en­ge­schich­te aus der Zeit der Jahr­hun­dert­wen­de, ser­vier­te der Bier­som­me­lier Ber­li­ner Wei­sse (ohne Sirup) und zwei Jah­re gereif­ten Com­té-Käse, deren gutes Zusam­men­spiel das Publi­kum begeisterten.

Rau­he Zei­ten im hohen Norden

Schließ­lich wur­de es beim vier­ten Food­pai­ring sogar etwas gru­se­lig. Das Buch ent­führt die Leser in den hohen Nor­den, wo die Wikin­ger ihr erstes Met anrühr­ten. Doch der Brau­er aus der Geschich­te hat­te aus Lie­be einen Mord began­gen und stürz­te sich, um der Bestra­fung mit dem schreck­li­chen Blut­ad­ler-Ritu­al zuvor­zu­kom­men, in sei­nem Brau­kes­sel in den Tod. Ver­süßt wur­de dem Publi­kum das bit­te­re Ende mit Honig­bier und einer Laven­del-Pra­li­ne, was als Kom­bi­na­ti­on die Gäste andäch­tig schlem­men ließ. Und auch die fünf­te Kom­bi­na­ti­on begann blut­rün­stig. Häscher ver­folg­ten im Bel­gi­en des 17. Jahr­hun­derts einen Brau­mei­ster, der – kurz bevor sie sein Ende besie­geln konn­ten – noch das Rezept für sein belieb­tes Bier unter einem Baum ver­grub. Mitt­ler­wei­le wird die­ses Bier wie­der gebraut und zählt zu den berühm­ten Klo­ster­bie­ren, von denen Bier­som­me­lier Rau­pach auch umge­hend eines prä­sen­tier­te. Das so genann­te Dub­bel ist ver­gleich­bar mit unse­rem dunk­len Bock, aller­dings gebraut mit einer ande­ren Hefe, und pass­te per­fekt zu dem beglei­tend ser­vier­ten zwei Jah­re alten Mimo­let­te-Käse, einst die Leib­spei­se von Charles de Gaulle.

Craft oder nicht Craft?

Das war die Fra­ge vor dem sech­sten Bier. Hier ging es auf die bri­ti­schen Inseln zur Zeit der Kolo­ni­al­sper­re, wo die Erfin­der des heu­te wie­der sehr belieb­ten India Pale Ale sich über­leg­ten, wie sie die Ein­bu­ßen durch Napo­le­ons Kon­ti­nen­tal­sper­re kom­pen­sie­ren konn­ten. Die Ant­wort war leicht: Wenn wir nicht mit Russ­land und dem Kon­ti­nent han­deln kön­nen, dann fah­ren wir eben zu unse­ren Kolo­nien nach Indi­en. Die­ses kräf­ti­ge und sehr hop­fen­aro­ma­ti­sche Bier zählt zu den Bier­sti­len, die die Craft-Bier-Bewe­gung der USA inspi­rier­ten und auch hier­zu­lan­de Fuß gefasst haben. So kam das ser­vier­te IPA eben aus Aschaf­fen­burg und ergänz­te sich per­fekt mit dem dazu gereich­ten zwei Jah­re alten Ched­dar, dem bri­ti­schen Haus- und Hofkäse.

Fina­le Dahoam

Zum Abschluss kehr­ten Som­me­lier, Schau­spie­ler und Audi­to­ri­um wie­der in die Hei­mat zurück. Nach einem kur­zen Ein­blick in das Gesche­hen der Sal­va­tor­schlacht auf dem Münch­ner Nock­her­berg gab es Schlen­ker­la Urbock aus Bam­berg mit fei­nen Con­fi­se­rie-Leb­ku­chen, eine äußerst genuss­vol­le Kom­bi­na­ti­on, die zeig­te, dass sich auch das uri­ge Rauch­bier bestens zum Food­pai­ring eig­net. Lan­ger Applaus dank­te den drei Akteu­ren des Abends, die über zwei Stun­den beste Unter­hal­tung rund um das The­ma Bier gebo­ten hat­ten. Eine Lesung, die den Gästen noch lan­ge in Erin­ne­rung blei­ben wird, waren sie doch nicht nur voll von neu­em Wis­sen und span­nen­den Geschich­ten, son­dern auch satt und mit span­nen­den Bie­ren ein­mal um die Welt und durch die Mensch­heits­ge­schich­te gereist.

Impres­sio­nen

Alle Fotos: Sil­via Wawarta

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