Neue histo­ri­sche Ansicht aus dem Wie­sent­tal

Sammlung Günther Klebes

Samm­lung Gün­ther Kle­bes

Schon mehr­mals sand­te uns Samm­ler Gün­ther Kle­bes aus Erlan­gen alte Ansich­ten aus sei­ner Motiv-Samm­lung. Jetzt erhielt er aus Hes­sen eine Kar­te der soge­nann­ten “Hin­den­burg­brücke” unter­halb der Burg Göß­wein­stein.

Bekannt­lich erreich­te die Wie­sent­tal­bahn 1927 den Bahn­hof Göß­wein­stein. In den dar­auf­fol­gen­den drei Jah­ren wur­de der Bau bis Beh­rin­gers­müh­le fort­ge­setzt. Eine gro­ße Her­aus­for­de­rung war die Erstel­lung der Fluss­über­que­rung vor der Stemp­fer­müh­le. Die Brücke, die von fünf zwei­ein­halb Meter hohen, kreis­run­den Beton­pfei­lern getra­gen wird (der Volks­mund bezeich­net sie als Bier­fäs­ser) wur­de zur Scho­nung des Land­schafts­bil­des nicht in Beton, son­dern in Eisen aus­ge­führt, das grün gestri­chen wur­de!

Sie über­schrei­tet die Wie­sent in sehr spit­zem Win­kel mit einem Gleis­bo­gen von 325 Metern Halb­mes­ser. Um die land­schaft­li­che Schön­heit des von der Bahn durch­zo­ge­nen Tales durch das Brücken­bau­werk nicht zu beein­träch­ti­gen, wur­de im Jahr 1920 ein Wett­be­werb aus­ge­schrie­ben, auf Grund des­sen die Aus­füh­rung von voll­wan­di­gen Deck­brücken von 25 Metern Stützwei­te auf run­den Pfei­lern gewählt wur­de. Die run­den Pfei­ler haben den Vor­zug der klein­sten, von allen Sei­ten glei­chen Sicht­flä­che, wäh­rend die gerad­li­ni­ge Begren­zung der unter der Bahn lie­gen­den Voll­wand­trä­ger eine glat­te Linie ergibt, die in der Land­schaft kaum stö­rend wirkt. Die zweck­mä­ßig­ste Form der Pfei­ler­un­ter­bau­ten wur­de durch ein­ge­hen­de Ver­su­che im Fluß­bau­la­bo­ra­to­ri­um der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Karls­ru­he fest­ge­stellt. Die sechs Über­baue wur­den voll­stän­dig zusam­men­ge­baut ange­lie­fert und durch zwei Port­all­auf­kra­ne ein­ge­legt. Aus­füh­ren­de Bau­fir­ma war Georg Noell & Co. in Würz­burg als Preistär­ger beim Wett­be­werb.

Im Okto­ber 1930 konn­te die Strecke dann bis zum End­hal­te­punkt Beh­rin­gers­müh­le eröff­net wer­den. Es war somit die letz­te fer­tig­ge­stell­te Lokal­bahn in Bay­ern. Und war­um “Hin­den­burg­brücke” ? Zur dama­li­gen Zeit war Paul von Hin­den­burg Reichs­prä­si­dent und vie­le Brücken und Däm­me im Deut­schen Reich erhiel­ten sei­nen Namen. Der bekann­te­ste ist wohl der “Hin­den­burg­damm”, der die Insel Sylt mit dem Fest­land ver­bin­det und 1927 eröff­net wur­de. Die Kar­te selbst wur­de sei­ner Zeit im “Schef­fel-Gast­hof Dist­ler” in Göß­wein­stein ver­kauft und war von einem Ver­lag in Mug­gen­dorf her­ge­stellt wor­den. Ver­sandt wor­den ist sie nie. Offen­sicht­lich hat ein Gast die­se mit ins Hes­sen­land genom­men und die Nach­fol­ger ver­kauf­ten sie dann über ein luxem­bur­gi­sches Inter­net-Auk­ti­ons­haus. Der Samm­ler Gün­ther Kle­bes konn­te sie dann als ein­zig­ster Bie­ter bil­lig erwer­ben.

Schreibe einen Kommentar