Fisch­ot­ter drängt nach Ober­fran­ken: Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in Aufseß

Dr. Thomas Speierl, Leiter der Fischereifachberatung, Dr. Franz Geldhauser vom Landwirtschaftsministerium, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Otterberater Alexander Horn, Michaela Thiel vom Landfischereiverband und Reinhard Seuß vom Fischereiverein Schwarzenbach/Saale
Dr. Thomas Speierl, Leiter der Fischereifachberatung, Dr. Franz Geldhauser vom Landwirtschaftsministerium, Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler, Otterberater Alexander Horn, Michaela Thiel vom Landfischereiverband und Reinhard Seuß vom Fischereiverein Schwarzenbach/Saale

Fisch­ot­ter kom­men in Ober­fran­ken schon seit mehr als 25 Jah­ren vor. Sie begrenz­ten sich aber bis­her auf die Rand­be­rei­che Fich­tel­ge­bir­ge und Fran­ken­wald. In den letz­ten Jah­ren machen nun zuneh­men­de Bestän­de und die wei­te­re Aus­brei­tung des Fisch­ot­ters auch der Teich­wirt­schaft zu schaf­fen. Die Fach­be­ra­tung für Fische­rei des Bezirks Ober­fran­ken erhielt in den ver­gan­ge­nen Mona­ten wie­der­holt Berich­te und Scha­dens­mel­dun­gen, die eine inten­si­ve­re Betrach­tung die­ses The­mas im Rah­men einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in der Lehr­an­stalt für Fische­rei in Auf­seß nötig machten.

„Beson­ders betrof­fen ist bereits das öst­li­che Ober­fran­ken (Land­krei­se Wun­sie­del und Hof). Hier kommt es vor allem zu einer ver­stärk­ten Zuwan­de­rung aus der nörd­li­chen Ober­pfalz. Par­al­lel zur wei­te­ren Ver­brei­tung wer­den uns seit ver­gan­ge­nem Jahr nun zuneh­men­de Schä­den in der Teich­wirt­schaft gemel­det“, erläu­ter­te Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler den Hin­ter­grund der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in Auf­seß. Gera­de die in Ober­fran­ken vor­herr­schen­de tra­di­tio­nel­le Teich­wirt­schaft im Neben- und Zuer­werb sei von der Fisch­ot­ter­pro­ble­ma­tik beson­ders betrof­fen. „Wir sehen die Gefahr, dass die­se über Jahr­hun­der­te gewach­se­ne Struk­tur nach­hal­tig zer­stört wird“, warn­te Denzler.

Ziel der Ver­an­stal­tung war es, alle für die Fische­rei maß­geb­li­chen Per­so­nen und Ent­schei­dungs­trä­ger einen Ein­blick in die bay­ern­wei­te und regio­na­le Fisch­ot­ter­pro­ble­ma­tik zu geben. Zusam­men mit dem Land­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um, dem Fisch­ot­ter­be­ra­ter, dem Lan­des­fi­sche­rei­ver­band und unse­rer Fach­be­ra­tung für Fische­rei sowie betrof­fe­nen Teich­wir­ten und Gewäs­ser­be­wirt­schaf­tern konn­te die Sach­la­ge inten­siv dis­ku­tiert wer­den. Zudem wur­de das Aus­maß der Schä­den deut­lich auf­ge­zeigt. Als Mader­art besitzt der Fisch­ot­ter die Eigen­heit mehr Fische zu töten als für den nor­ma­len Nah­rungs­be­darf benö­tigt wer­den. So kön­nen bis zu 20 Forel­len oder Laich­fi­sche Opfer eines ein­zi­gen Otter­ein­fal­les werden.
„Vie­le Teich­wirt­schaf­ten und Fisch­züch­ter ste­hen vor gro­ßen finan­zi­el­len und logi­sti­schen Her­aus­for­de­run­gen. Es ist damit zu rech­nen, dass beson­ders bei den klein­struk­tu­rier­ten Betrie­ben vie­le dem Fisch­ot­ter zum Opfer fal­len“, erläu­tert Dr. Tho­mas Speierl, Lei­ter der Fach­be­ra­tung für Fische­rei des Bezirks Ober­fran­ken, am Ran­de der Ver­an­stal­tung. Speierl und sein Team wer­den fast wöchent­lich über Otter­schä­den informiert.

Mit Hil­fe des baye­ri­schen Fisch­ot­ter­ma­nage­ment­plans sol­len die fische­rei­li­chen Schä­den nun mög­lichst gering gehal­ten wer­den. Der Manage­ment­plan umfasst drei wich­ti­ge Säu­len: Bera­tung zum Fisch­ot­ter, Vor­sor­ge und Abwehr­maß­nah­men zum Fisch­ot­ter, Scha­dens­er­he­bung und Aus­gleich für die betrof­fe­nen Teich­wir­te. Die Fach­be­ra­tung für Fische­rei des Bezirks Ober­fran­ken ver­su­che in enger Zusam­men­ar­beit mit der Otter­be­ra­tung den Manage­ment­plan so effek­tiv wie mög­lich umzu­set­zen. Otter­be­ra­ter für Ober­fran­ken und die nörd­li­che Ober­pfalz ist Alex­an­der Horn, der sei­nen Dienst­sitz im Land­rats­amt Tir­schen­reuth hat.

„Zusätz­lich müs­sen aber auch die Aspek­te des Fisch­ar­ten­schut­zes, des Schut­zes der hei­mi­schen Kreb­se und Muscheln berück­sich­tigt wer­den. Wir unter­stüt­zen hier aktu­el­le For­schungs­pro­jek­te des Lan­des­fi­sche­rei­ver­ban­des, mit dem Ziel die aqua­ti­sche Arten­viel­falt zu erhal­ten“, for­dert Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler. Soll­ten die genann­ten Manage­ment­maß­nah­men nicht aus­rei­chend wirk­sam sein, um die hei­mi­sche Teich­wirt­schaft und Fische­rei sowie die aqua­ti­sche Bio­di­ver­si­tät zu schüt­zen und zu erhal­ten, müss­ten wie bei Kor­mo­ran und Biber zusam­men mit dem Natur­schutz Rege­lun­gen gefun­den wer­den, die in sol­chen Fäl­len eine geziel­te Ent­nah­me des Fisch­ot­ters ermöglichen.

INFO Fisch­ot­ter­ma­nage­ment

Seit dem Jahr 2016 ist am Insti­tut für Öko­lo­gi­schen Land­bau der Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft in Frei­sing ein sog. Fisch­ot­ter­ma­na­ger tätig. Er hat die Auf­ga­be den Fisch­ot­ter­ma­nage­ment­plan umzu­set­zen. Zusätz­lich agie­ren vor Ort Fisch­ot­ter­be­ra­ter. Für Ober­fran­ken und die nörd­li­che Ober­pfalz ist Alex­an­der Horn mit Sitz in Tir­schen­reuth zustän­dig. Sei­ne Auf­ga­be ist vor­ran­gig die Bera­tung in der Flä­che sowie die Unter­stüt­zung prä­ven­ti­ver Maß­nah­men (z. B. Ein­zäu­nung von Teich­an­la­gen sowie die Abwick­lung von Aus­gleichs­zah­lun­gen bei ent­stan­de­nen Schä­den in der Teich­wirt­schaft). Aktu­ell sind die Otter­be­ra­ter damit beschäf­tigt, einen Blick über die Ver­brei­tung und das Scha­dens­aus­maß der Fisch­ot­ter zu erfassen.

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