Forchheimer Jusos: “SPD muss Ortsvereine stärken”

Der SPD fehlt vor allem das klare Profil und die Arbeit an der Basis hat gelitten. Der Forchheimer SPD-Nachwuchs ging mit der eigenen Partei hart ins Gericht, als er die Wahlniederlage aufarbeitete. Dennoch warfen die Jusos den Blick nach vorne: Mehrere Anträge beschäftigten sich mit der Parteiarbeit. Außerdem thematisierten sie die Digitalisierung und Lebensmittelverschwendung.

“Wir haben sehr hart gearbeitet und uns in Forchheim viel erhofft, wurden aber bitter enttäuscht” – lautete das Fazit des Vorsitzenden Paul Wichtermann bei der Mitgliederversammlung der Jusos. In der Tat hatten sich die Jusos im Wahlkampf sehr ins Zeug gelegt und auch Gemeinden abgedeckt, die über keinen SPD-Ortsverein verfügten. So in der Gemeinde Hallerndorf, wo die Jusos plakatiert, Flyer verteilt und eine Veranstaltung mit Andreas Schwarz organisiert hatten. In Hallerndorf konnte die SPD ihr Erststimmenergebnis absolut sogar leicht ausbauen, was die Jusos auch auf ihr Engagement zurückführten.

Wichtermanns Stellvertreter Richard Schmidt führte schlechte Abschneiden der SPD auf zu wenig Profil und Glaubwürdigkeit zurück und traf damit den Nerv der Runde. Insbesondere das Thema „soziale Gerechtigkeit“ leide unter Großen Koalitionen. Außerdem sei mangelnde Präsenz auf dem Land ein Problem, auch die Substanz sei dort deutlich geschwunden. Das erschwere Sympathisanten den Kontakt und Zugang zur SPD. Bettina Drummer berichtete von der Landeskonferenz der Jusos Bayern. Diese wollen die SPD vor allem jünger und weiblicher machen. Das Mantra “jünger und weiblicher” führte zum jedoch auch bei einigen Jusos zu Widerspruch, das allein könne nicht die Lösung sein. Kompetenz und Engagement sollten wichtiger sein als Quotenerfüllung, betonte Lea Wolter.

In den Anträgen wollten die Forchheimer Jusos folglich auch die Parteiarbeit verbessern. Ortsvereine sollten finanziell gestärkt werden, so Antragsstellerin Bettina Drummer, denn die seien direkte Anlaufstelle der Bürger. Dort wo diese sehr aktiv uns stark sind, sei das Wahlergebnis wesentlich besser. Außerdem wünschen die Jusos, dass Mitglieder besser geschult werden und mehr Mitspracherecht genießen. Die SPD müsse es leichter machen, dass sich Mitglieder und Nichtmitglieder mehr zu den Themen engagieren können, die sie interessieren. Die Digitalisierung sehen die Jusos als Chance für die SPD. Die eigene Onlinepräsenz der Forchheimer Jusos sei ein gutes Beispiel wie es gehen könne, daher sollten endlich alle Verbände online sichtbar sein. Um Transparenz zu schaffen, fordern die Jusos auf Antrag von Martin Leipert, dass alle Anträge höherer Gliederungsebenen für Mitglieder online einsehbar sein müssen.

Neben der Parteiarbeit beschäftigten sich die Jusos mit der Digitalisierung des Unterrichts, so fordern sie an Anlehnung an Duolingo, im Fremdsprachenunterricht mehr digitale Lernmittel einzusetzen. Ebenfalls wichtig ist den Jusos die Versorgung des gesamten ländlichen Raumes mit dem aktuellem Mobilfunkstandard, die schnellstmöglich erreicht werden müsse. Ein weiteres Anliegen war den Jusos das Thema Lebensmittelverschwendung, sie beschlossen einen Antrag für Wegwerfverbot nach französischem Vorbild. Das Mindesthaltbarkeitsdatum dürfe nicht mit einem Verfallsdatum gleichgesetzt werden und Lebensmittel ab Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums weggeworfen. Viele Lebensmittel seien deutlich länger genießbar, stellte Antragssteller Jörg Igler klar.

Die Jusos gaben sich abschließend zuversichtlich, dass die SPD bereit sei ihre Chance zur Erneuerung zu nutzen. Im Raum Bamberg-Forchheim war es im September und Oktober wieder zu einem Mitgliederboom gekommen. Alleine in Hirschaid waren in den letzten Wochen vier Mitglieder im Juso-Alter eingetreten. Das stimme hoffnungsvoll – da waren sich wirklich alle einig.