Aus­stel­lung SPU­REN­SU­CHE – Pro­ve­ni­enz­for­schung in Bam­berg

Beschriftung auf der Rückseite des Gemäldes „Zeichenunterricht" von Joseph Dorn, um 1810. © Museen der Stadt Bamberg
Beschriftung auf der Rückseite des Gemäldes „Zeichenunterricht" von Joseph Dorn, um 1810. © Museen der Stadt Bamberg

Pro­ve­ni­enz­for­schung in Bam­berg | Ein­blicke. Mög­lich­kei­ten. Gren­zen

8. April bis 15. Okto­ber 2017 | Histo­ri­sches Muse­um Bam­berg

Die Pro­ve­ni­enz­for­schung und der Umgang mit Raub­kunst haben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren rasant ent­wickelt und sind spä­te­stens seit 2013 mit dem Fall Gur­litt und durch Fil­me wie „Monu­ments Men“ und „Die Dame in Gold“ ver­stärkt ins öffent­li­che Bewusst­sein gedrun­gen. Doch was ver­steht man eigent­lich genau dar­un­ter? Was beinhal­tet die­se For­schung, wer betreibt sie und wel­che Wer­ke und Samm­lun­gen sind davon betrof­fen? Wie las­sen sich Kunst­wer­ke iden­ti­fi­zie­ren, die ihren Eigen­tü­mern unrecht­mä­ßig zwi­schen 1933 und 1945 ent­zo­gen wor­den sind? Und wor­in liegt der Unter­schied zwi­schen Raub- und Beu­te­kunst? Die­sen Fra­gen gehen die Muse­en der Stadt Bam­berg vor dem Hin­ter­grund ihrer beson­de­ren Samm­lungs­ge­schich­te nach und beschäf­ti­gen sich inten­siv mit der Pro­ve­ni­enz­for­schung. 2012 star­te­te hier­zu ein vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lu­ste (Stif­tung bür­ger­li­chen Rechts) geför­der­tes drei­jäh­ri­ges For­schungs­pro­jekt. Ein erster Mei­len­stein war 2014 der Abschluss des Resti­tu­ti­ons­ver­fah­rens zum „Schön­born­schen Löwen­po­kal“ aus der Samm­lung Budge. Nach Abschluss des Pro­jek­tes wer­den nun wei­te­re Ergeb­nis­se der Öffent­lich­keit im Rah­men der Aus­stel­lung SPU­REN­SU­CHE vor­ge­stellt.

Wech­sel­vol­le Geschich­te

Das Histo­ri­sche Muse­um Bam­berg blickt auf eine lan­ge und wech­sel­vol­le Geschich­te zurück. 1838 als Städ­ti­sche Kunst- und Gemäl­de­samm­lung gegrün­det, ver­la­ger­te sich in den 1930er Jah­ren der Samm­lungs­schwer­punkt. Im Zuge der Neu­ein­rich­tung des „Frän­ki­schen Hei­mat­mu­se­ums“ in der Alten Hof­hal­tung wur­den umfang­rei­che Neu­erwer­bun­gen getä­tigt. Die Klä­rung der Fra­ge, ob es sich bei die­sen Neu­zu­gän­gen um Raub­kunst han­delt, war Haupt­auf­ga­be des 2012 ins Leben geru­fe­nen Pro­jekts zur Pro­ve­ni­enz­for­schung. Syste­ma­tisch wur­de der zwi­schen 1933 und 1945 erwor­be­ne Bestand auf NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ne Kul­tur­gü­ter, vor allem aus jüdi­schem Besitz, unter­sucht. Da zahl­rei­che Kunst­ge­gen­stän­de aus dem loka­len Kunst­han­del ange­kauft wur­den, stand auch sei­ne Rol­le in Bezug auf den Kul­tur­gut­raub vor Ort im Fokus der Unter­su­chung.

Ein­blicke, Mög­lich­kei­ten und Gren­zen

Wie iden­ti­fi­ziert man Kunst­wer­ke, die ihren Eigen­tü­mern unrecht­mä­ßig ent­zo­gen wur­den? Wie lässt sich ange­sichts lücken­haf­ter Quel­len­über­lie­fe­rung ein ein­deu­ti­ger Nach­weis erbrin­gen? Und wie geht man mit den als Raub­kunst iden­ti­fi­zier­ten Objek­ten um? Anhand die­ser Fra­ge­stel­lun­gen bie­tet die Aus­stel­lung einen umfas­sen­den Ein­blick in das span­nen­de Feld der Pro­ve­ni­enz­for­schung an den Muse­en der Stadt Bam­berg. Sie zeigt die Ergeb­nis­se, aber auch Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des For­schungs­pro­jek­tes auf und stellt kon­kre­te Ein­zel­fäl­le etwa aus den Samm­lun­gen von Emma Budge, Ange­lo Was­ser­mann oder Wil­ly Les­sing, vor. Auch der Fra­ge, inwie­weit Kunst­han­del und Ver­wal­tung am Kul­tur­gut­raub betei­ligt waren, geht die Aus­stel­lung nach. Außer­dem kann der Besu­cher einen Blick hin­ter die Kulis­sen der viel­schich­ti­gen Recher­che­ar­beit wer­fen.

Was ist Pro­ve­ni­enz­for­schung?

Die Pro­ve­ni­enz­for­schung wid­met sich der wis­sen­schaft­li­chen Erfor­schung der Her­kunft (Pro­ve­ni­enz) und der wech­seln­den Eigen­tums­ver­hält­nis­se eines Kunst­werks. Sie ver­folgt das Anlie­gen, Kunst­wer­ke zu iden­ti­fi­zie­ren, die wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­gen und bis­her nicht zurück­er­stat­tet wur­den, deren recht­mä­ßi­ge Eigen­tü­mer zu suchen und gerech­te und fai­re Lösun­gen für eine Rück­ga­be zu fin­den. Dies beschlos­sen 44 Staa­ten, dar­un­ter Deutsch­land, in der Washing­to­ner Kon­fe­renz 1998. Ein Jahr spä­ter bekräf­tig­te Deutsch­land die­se Grund­sät­ze mit einer „Gemein­sa­men Erklä­rung“ von Bund, Län­dern und kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den. Der Umset­zung die­ser For­de­run­gen kom­men die Muse­en der Stadt Bam­berg seit 2012 nach.

Begriffs­er­klä­rung

Häu­fig wer­den die Begrif­fe Raub­kunst und Beu­te­kunst im Sprach­ge­brauch nicht klar von­ein­an­der getrennt. NS-Raub­kunst meint NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ne Kul­tur­gü­ter. Bedeu­tend sind Her­kunft und Schick­sal des ursprüng­li­chen Eigen­tü­mers und nicht der mate­ri­el­le oder (kunst-)historische Wert. Beu­te­kunst hin­ge­gen bezeich­net Kul­tur­gut, das im Krieg oder infol­ge einer krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung wider­recht­lich ent­zo­gen bzw. ver­bracht oder ver­la­gert wur­de.

Füh­run­gen

  • Mitt­woch, 26.4.2017, 17 Uhr, VHS-Füh­rung: „Die Steck­na­del im Heu­hau­fen – Pro­ve­ni­enz­for­schung in Bam­berg“ mit Dr. Regi­na Hane­mann, Direk­to­rin der Muse­en der Stadt Bam­berg. Anmel­dung über die VHS erfor­der­lich (www​.vhs​-bam​berg​.de).
  • Mitt­woch, 23.8.2017, 12.30 Uhr, Kunst­s­nack: „Mehr als Gur­litt und Co.: Pro­ve­ni­enz­for­schung in Bam­berg“

MUSE­EN DER STADT BAM­BERG │ Histo­ri­sches Muse­um Bam­berg
Alte Hof­hal­tung │ Dom­platz 7 │ 96049 Bam­berg
Tel. +49 (0)951.51 90 746 (Kas­se) │ +49 (0)951.87 1142 (Ver­wal­tung)
museum@​stadt.​bamberg.​de │ www​.muse​um​.bam​berg​.de

Öff­nungs­zei­ten: Di – So u. fei­er­tags 10 – 17 Uhr
Am 30.4. wegen des Welt­kul­tur­er­be­laufs geschlos­sen.
Oster­mon­tag, Pfingst­mon­tag, 14.8., 2.10., 30.10. geöff­net.

Ein­tritt: 7 €, erm. 6 €, Fami­li­en 14 €, Stu­die­ren­de 3 €, Jugend­li­che / Schü­ler bis 18 Jah­re 1 €, Kin­der unter sechs Jah­ren frei, Erster Sonn­tag im Monat frei­er Ein­tritt für Fami­li­en

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