Uni­ver­si­tät Bay­reuth: Ver­brau­cher­schutz durch Lebensmittelanalyse

Regio­nal und Bio oder Fake?

Fal­sche Her­kunfts- und Qua­li­täts­an­ga­ben bei Getrei­de auf­decken: Das ist das Ziel eines durch das Bun­des­land­wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um geför­der­ten For­schungs­vor­ha­bens der Uni Bay­reuth und der ALNu­Med GmbH im Gesamt­vo­lu­men von 1,4 Mil­lio­nen Euro.

Wis­sen wir wirk­lich, was wir täg­lich mit Appe­tit ver­zeh­ren? Lebens­mit­tel­skan­da­le ver­un­si­chern immer wie­der die Ver­brau­cher. Ein For­schungs­vor­ha­ben an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth in Zusam­men­ar­beit mit der ALNu­Med GmbH sorgt dafür, dass falsch dekla­rier­te Back­wa­ren ent­larvt und nicht län­ger als teu­re Pre­mi­um­pro­duk­te ange­prie­sen und ver­kauft wer­den kön­nen. Das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (BMEL) hat nach einem bun­des­wei­ten Wett­be­werb ent­schie­den, das Bay­reu­ther Pro­jekt mit einem Umfang von ins­ge­samt 1,4 Mil­lio­nen Euro in den näch­sten drei Jah­ren zu för­dern. Heu­te über­reich­te Mini­ste­ri­al­di­ri­gent Dr. Micha­el Win­ter, Lei­ter der Abtei­lung „Gesund­heit­li­cher Ver­brau­cher­schutz – Sicher­heit der Lebens­mit­tel­ket­te“, den offi­zi­el­len För­der­be­scheid. Betei­ligt an dem Pro­jekt sind nicht nur die Uni­ver­si­tät Bay­reuth und die Uni-Aus­grün­dung ALNu­Med GmbH, son­dern auch die pri­vat­wirt­schaft­li­chen Akteu­re IRE­KS GmbH (Kulm­bach) und die AGRO­LAB GROUP GmbH (Bad Nauheim).

Modern­ste For­schungs­tech­no­lo­gien im Dienst des Verbraucherschutzes

Das For­schungs­vor­ha­ben ist in drei gro­ße Arbeits­schrit­te geglie­dert. Zunächst wer­den Getrei­de­pro­ben bekann­ter Her­kunft und Qua­li­tät umfas­send ana­ly­siert und erfasst. Hier­für wer­den bewähr­te For­schungs­tech­no­lo­gien mit­ein­an­der kom­bi­niert. Dazu zäh­len ins­be­son­de­re ein bei ALNu­Med ein­ge­setz­tes Magnet­re­so­nanz-Spek­tro­me­ter, das spe­zi­ell auf Lebens­mit­tel­ana­ly­sen abge­stimmt ist, sowie die an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ange­sie­del­te Iso­to­pen­ver­hält­nis-Mas­sen­spek­tro­me­trie. Zusätz­lich ver­fügt die Uni­ver­si­tät Bay­reuth über modern­ste mobi­le Gerä­te für opti­sche Spek­tro­sko­pie, die auch außer­halb von Labo­ra­to­ri­en zum Ein­satz kom­men kön­nen. Die empi­ri­schen Daten, die so gewon­nen wer­den, bil­den dann die Grund­la­ge für den Auf­bau einer Daten­bank. Schließ­lich wer­den die Daten sta­ti­stisch aus­ge­wer­tet und auf Han­dels­wa­re, ins­be­son­de­re auf Mehl und Bäcke­rei­pro­duk­te, über­tra­gen. So kann man die Her­kunft des dar­in ver­wen­de­ten Getrei­des – bei­spiels­wei­se Fran­ken oder Nord­deutsch­land – prä­zi­se bestim­men. Und auch in Bezug auf die Qua­li­tät las­sen sich belast­ba­re Infor­ma­tio­nen gewin­nen. Schließ­lich soll mit den neu zu ent­wickeln­den Metho­den fest­ge­stellt wer­den kön­nen, ob Pro­duk­te aus bio­lo­gi­schem oder aus kon­ven­tio­nel­lem Anbau stammen.

„In den letz­ten Jah­ren haben wir spek­tro­sko­pi­sche Ver­fah­ren bereits sehr erfolg­reich ein­ge­setzt, um zum Bei­spiel die Qua­li­tät und die Her­kunft von Honig, Frucht­säf­ten und neu­er­dings auch von Spei­se­öl zu bestim­men. Die dabei gewon­ne­nen Erfah­run­gen wer­den uns in dem neu­en Pro­jekt zur Getrei­de­for­schung zugu­te kom­men“, sagt Prof. Schwar­zin­ger vom For­schungs­zen­trum für Bio­m­a­kro­mo­le­kü­le, der das Pro­jekt wis­sen­schaft­lich koor­di­niert und Mit­grün­der der ALNu­Med GmbH ist. Auch im Bereich der Getrei­de­pro­duk­te wer­de es schon bald erheb­lich schwie­ri­ger wer­den, die Ver­brau­cher durch fal­sche Anga­ben in die Irre zu füh­ren und dafür über­höh­te Prei­se zu ver­lan­gen, kün­digt Schwar­zin­ger an.

„Die enge Zusam­men­ar­beit von Akteu­ren aus Wis­sen­schaft und Wirt­schaft bün­delt ver­schie­den­ste Kom­pe­ten­zen auf dem Gebiet der Lebens­mit­tel­ana­ly­tik. Nur auf die­se Wei­se ist gewähr­lei­stet, dass For­schungs­er­geb­nis­se aus der Lebens­mit­tel­ana­ly­tik direkt in den Ver­brau­cher­schutz ein­flie­ßen kön­nen“, erklärt Ste­fa­nie Hell­bach, Geschäfts­füh­re­rin der feder­füh­ren­den ALNu­Med GmbH, weiter.

„Es freut uns sehr, dass das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (BMEL) nach einem bun­des­wei­ten Wett­be­werb ent­schie­den hat, die­ses zukunfts­wei­sen­de Vor­ha­ben hier in Bay­reuth anzu­sie­deln“, betont Prof. Dr. Paul Rösch. Er lei­tet an der Uni­ver­si­tät Bay­reuth den Lehr­stuhl Bio­po­ly­me­re sowie das For­schungs­zen­trum für Bio­m­a­kro­mo­le­kü­le und ist für die Koor­di­na­ti­on des Pro­jekts sei­tens der Uni­ver­si­tät Bay­reuth ver­ant­wort­lich. An der Uni­ver­si­tät Bay­reuth sind zudem die Arbeits­grup­pe von Prof. Dr. Ger­hard Gebau­er im Bay­reu­ther Zen­trum für Öko­lo­gie und Umwelt­for­schung sowie die Arbeits­grup­pe von Dr. Hei­nar Schmidt in der For­schungs­stel­le für Nah­rungs­mit­tel­qua­li­tät an dem Pro­jekt einbezogen.

An der Uni Bay­reuth ist man seit fast zwei Jahr­zehn­ten auf dem Feld aktiv. „Begon­nen hat das Pro­jekt eigent­lich mit der High-Tech Offen­si­ve Bay­ern um die Jahr­tau­send­wen­de“, erläu­tert Prof. Paul Rösch. Er ist sicher, „dass sich in Zukunft wei­te­re inno­va­ti­ve Koope­ra­tio­nen zwi­schen Uni­ver­si­tät und Wirt­schaft ent­wickeln wer­den, die von der Infra­struk­tur auf dem Bay­reu­ther Cam­pus und dem hier vor­han­de­nen Wis­sen genau­so getrie­ben wer­den wie vom Wil­len der Indu­strie nach Qua­li­täts­si­che­rung und Verbraucherschutz.“

Wei­te­re Informationen:

Uni­ver­si­tät Bay­reuth: www​.uni​-bay​reuth​.de

For­schungs­zen­trum Bio­m­a­kro­mo­le­kü­le: www​.bio​mac​.uni​-bay​reuth​.de

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