Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft in Creu­ßen: Vor­bild in der Betreu­ung jun­ger unbe­glei­te­ter Ausländer

Sie besuchten die Unterkunft für unbegleitete Ausländer in Creußen: die Leiterin der Sozialverwaltung des Bezirks Oberfranken, Angela Trautmann-Janovsky, der oberfränkische Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und der Bayreuther Landrat Hermann Hübner (vorne von links). Hintere Reihe: Hausbesitzer Abdullah Yildirimoglu, Geschäftsbereichsleiterin Dr. Anelia Sheljaskow, Jugendamtsleiter Georg Schmelzer, Bürgermeister Martin Dannhäuser, Afiullah Shinvari aus Afghanistan, Diplom-Pädagogin Regina Skierlo vom Jean-Paul-Verein, Alijan Adili aus Afghanistan, Pädagogin Christina Will und Kamran Delsoz aus Afghanistan.

Sie besuch­ten die Unter­kunft für unbe­glei­te­te Aus­län­der in Creu­ßen: die Lei­te­rin der Sozi­al­ver­wal­tung des Bezirks Ober­fran­ken, Ange­la Traut­mann-Janovsky, der ober­frän­ki­sche Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler und der Bay­reu­ther Land­rat Her­mann Hüb­ner (vor­ne von links). Hin­te­re Rei­he: Haus­be­sit­zer Abdul­lah Yil­di­ri­mo­g­lu, Geschäfts­be­reichs­lei­te­rin Dr. Anelia Shel­jas­kow, Jugend­amts­lei­ter Georg Schmel­zer, Bür­ger­mei­ster Mar­tin Dann­häu­ser, Afiu­l­lah Shin­va­ri aus Afgha­ni­stan, Diplom-Päd­ago­gin Regi­na Ski­er­lo vom Jean-Paul-Ver­ein, Ali­jan Adi­li aus Afgha­ni­stan, Päd­ago­gin Chri­sti­na Will und Kam­ran Del­soz aus Afghanistan.

Es ist kei­ne Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft wie jede ande­re, die der ober­frän­ki­sche Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler Ende Janu­ar besuch­te. Zusam­men mit dem Bay­reu­ther Land­rat Her­mann Hüb­ner und Bür­ger­mei­ster Mar­tin Dann­häu­ser infor­mier­te sich Dr. Denz­ler in einer spe­zi­ell für über 18jährige unbe­glei­te­te Aus­län­der ein­ge­rich­te­te Wohn­grup­pe in Creu­ßen (Land­kreis Bayreuth).

Die Wohn­grup­pe mit der­zeit 16 jun­gen Män­nern aus Afgha­ni­stan, Äthio­pi­en, Soma­lia, Gui­nea und Syri­en wird ambu­lant von einer Päd­ago­gin des Jean-Paul-Ver­eins ver­sorgt. Dadurch ist gewähr­lei­stet, dass die jun­gen Erwach­se­nen nach ihrer Zeit in der sta­tio­nä­ren Jugend­hil­fe im All­tag betreut wer­den und pass­ge­naue Hil­fen erhal­ten. Eine sol­che fle­xi­ble und pass­ge­naue Lösung hat­te Denz­ler in Inter­views immer wie­der gefor­dert. „Die Mehr­zahl der Jugend­li­chen, die bei uns ankom­men, ist nicht trau­ma­ti­siert. Die wenig­sten brau­chen eine umfas­sen­de The­ra­pie. Im Vor­der­grund ste­hen eher prak­ti­sche Hil­fen und Lösun­gen für den All­tag“, so der ober­frän­ki­sche Bezirks­tags­prä­si­dent. Denn immer noch wür­den auch über 18jährige unbe­glei­te­te Aus­län­der viel zu oft ein­fach in den teu­ren sta­tio­nä­ren Ein­rich­tun­gen der Jugend­hil­fe ver­blei­ben. Oder aber, sie wer­den ab dem 18. Geburts­tag, der oft­mals nur belie­big gewählt wird, in eine nor­ma­le Gemein­schafts­un­ter­kunft zurück­ge­führt. Das füh­re eben­falls am Ziel vor­bei. „Die Jugend­li­chen sind dann oft von heu­te auf mor­gen auf sich allei­ne gestellt. Hier soll­ten bereits erreich­te Erfol­ge nicht aufs Spiel gesetzt wer­den“, erläu­tert Dr. Gün­ther Denz­ler bei sei­nem Besuch in Creußen.

Ange­tan zeig­te er sich von einer Lösung, die im Land­kreis Bay­reuth bereits Schu­le macht. Die unbe­glei­te­ten Aus­län­der wer­den nach ihrem sta­tio­nä­ren Auf­ent­halt ab dem 18. Lebens­jahr in der Wohn­ge­mein­schaft unter­ge­bracht und betreut. Mit Chri­sti­na Will steht den 16 jun­gen Män­nern am Nach­mit­tag eine aus­ge­bil­de­te Päd­ago­gin mit Rat und Tat zur Sei­te. Etwa wenn es um die Beant­wor­tung offi­zi­el­ler Post oder die Bean­tra­gung von Lei­stun­gen geht. Aber Chri­sti­na Will hilft den jun­gen Flücht­lin­gen auch, wenn es pri­va­te Pro­ble­me gibt, bei den Haus­auf­ga­ben Fra­gen auf­tau­chen oder die Frei­zeit­ge­stal­tung bespro­chen wird. „Die Jungs haben Ver­trau­en zu mir. Und das ist in unse­rer Arbeit von enor­mer Bedeu­tung“, sagt die jun­ge Päd­ago­gin. Die jun­gen Erwach­se­nen gehen in Bay­reuth und Peg­nitz in spe­zi­ell in den Berufs­schu­len ein­ge­rich­te­te Flücht­lings­klas­sen. Kam­ran Del­soz aus Afgha­ni­stan hat bereits den Sprung in die neun­te Klas­se der Mit­tel­schu­le geschafft, wie er stolz erzählt. Ali Reza Mora­di, der eben­falls aus Afgha­ni­stan stammt, hat wegen sei­ner künst­le­ri­schen Bega­bung gar ein Sti­pen­di­um des Kunst­mu­se­ums der Stadt Bay­reuth erhal­ten und berei­tet der­zeit sei­ne erste Aus­stel­lung vor. Nach ihrer Schul­lauf­bahn möch­ten sie Erzie­her, Fri­seur oder Schrei­ner wer­den. Ihren Lebens­un­ter­halt müs­sen sie allei­ne bestrei­ten, dafür bekom­men sie die regu­lä­ren Lei­stun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­lei­stungs­ge­setz durch die Stadt­ver­wal­tung in Creu­ßen aus­be­zahlt. Von dem Geld kau­fen die jun­gen Erwach­se­nen ihr Essen ein, kochen dann oft zusam­men in der Unter­kunft. „Am Anfang hat­ten wir die Befürch­tung, dass das Geld schnell auf­ge­braucht sein wür­de. Aber die Jungs haben das im Griff und haus­hal­ten gut mit ihren Mit­teln“, erklärt Georg Schmel­zer vom zustän­di­gen Jugend­amt, das zusam­men mit der Regie­rung von Ober­fran­ken die Zuwei­sun­gen für die Ein­rich­tung regelt. Der Frei­staat Bay­ern hat das zwei­stöcki­ge Mehr­fa­mi­li­en­haus lang­fri­stig angemietet.

„Die Ein­rich­tung hat sich bewährt. Sie ist kein Spar­mo­dell, wir bie­ten pass­ge­naue Hil­fen jen­seits der klas­si­schen Jugend­hil­fe an“, erklärt Land­rat Her­mann Hüb­ner und dankt der Stadt Creu­ßen für das gute Mit­ein­an­der. Soll­te ein Jugend­li­cher doch trau­ma­ti­siert oder eine spe­zi­el­le Betreu­ung erfor­der­lich sein, könn­ten schnell wei­ter­ge­hen­de Schrit­te ange­wie­sen wer­den. Lösun­gen, die Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler nach­hal­tig unter­stützt. „Eine umfas­sen­de Aus­bil­dung und die Ein­glie­de­rung in den Arbeits­markt sind wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen für eine gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on. Die Jugend­li­chen brau­chen eine Tages­struk­tur und eine Per­spek­ti­ve, um nicht von der Bahn abzu­kom­men. Dies alles ist in die­sem Modell vor­bild­lich umge­setzt“, ist Bezirks­tags­prä­si­dent Dr. Gün­ther Denz­ler über­zeugt. Und spricht damit Regi­na Ski­er­lo, Bereichs­lei­tung Ambu­lan­te Dien­ste beim Jean-Paul-Ver­ein, aus der See­le. „Die Zukunft der Jugend­li­chen ist das Wich­tig­ste in unse­rer Arbeit. Die Idee die­ses Hau­ses beruht dar­auf, dass die Jugend­li­chen eine struk­tu­rie­ren­de Beschäf­ti­gung haben. Ohne eine Tages­struk­tur wür­de ihnen sicher bald die Decke auf den Kopf fal­len und mit einer Fach­kraft wäre es dann nicht mehr getan“, bangt Diplom-Päd­ago­gin Ski­er­lo, dass ihre jun­gen afgha­ni­schen Schütz­lin­ge nach Been­di­gung der ersten Flücht­lings­klas­se bald nicht mehr zur Schu­le gehen dür­fen und auf ihre Abschie­bung war­ten müssen.

INFO:
Die Kosten der Unter­brin­gung von unbe­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Aus­län­dern nach ihrem 18. Geburts­tag tra­gen in Bay­ern die Bezir­ke. Nach einer Über­ein­kunft mit der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung sol­len die Bezir­ke in 2017 eine Tages­pau­scha­le von 40 Euro pro jun­gem Erwach­se­nen erhal­ten. Die­se Tages­pau­scha­le deckt die Kosten für eine sta­tio­nä­re Unter­brin­gung nach Berech­nun­gen des Bezirks Ober­fran­ken nur zu rund einem Drit­tel. Im Jahr 2018 soll die Tages­pau­scha­le auf nur mehr 30 Euro abge­senkt werden.

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