BUND Natur­schutz und WWF: Über 60% Zustim­mung für Natio­nal­park in Franken

Reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge belegt: Brei­te Zustim­mung der Bevöl­ke­rung in der Regi­on Stei­ger­wald für einen Nationalpark

Eine deut­li­che Mehr­heit von 61 Pro­zent der Bewoh­ner in der Regi­on Stei­ger­wald befür­wor­ten einen Natio­nal­park. Das ist das Ergeb­nis einer reprä­sen­ta­ti­ven TNS Emnid-Umfra­ge, die der BUND Natur­schutz in Bay­ern (BN) und der WWF Deutsch­land im Auf­trag gege­ben haben. Zwei Drit­tel der Befrag­ten sind zudem der Mei­nung, dass der Natio­nal­park Stei­ger­wald Tie­re, Pflan­zen und alte Bäu­me bes­ser schützt als ein Forst. Die Natur­schutz­ver­bän­de for­der­ten Mini­ster­prä­si­dent Horst See­hofer daher in einer gemein­sa­men Erklä­rung auf, dem Mehr­heits­wil­len der Bevöl­ke­rung zu ent­spre­chen, so wie er es mehr­fach ange­kün­digt hat.

„Die Umfra­ge­er­geb­nis­se zei­gen, dass es in der Stei­ger­wald­re­gi­on dop­pelt so vie­le Men­schen gibt, die den Natio­nal­park begrü­ßen, wie Men­schen, die ihm noch kri­tisch gegen­über­ste­hen“, so Hubert Wei­ger, Lan­des­vor­sit­zen­der des BN. „Die guten Zustim­mungs­wer­te sind eine soli­de Basis, die wir durch wei­te­re Auf­klä­rungs­ar­beit und Akzep­tanz­wer­bung noch ver­brei­tern können.“

„Die Staats­re­gie­rung hat dem WWF vor einem Jahr mit­ge­teilt, sie wer­de kei­nen Natio­nal­park gegen den Wil­len der Bevöl­ke­rung ein­rich­ten. Jetzt ist die Unter­stüt­zung für den Natio­nal­park klar belegt und die Poli­tik muss demen­spre­chend han­deln“, bekräf­tigt Dia­na Pret­zell, Lei­te­rin Natur­schutz in Deutsch­land beim WWF.

„Als ersten wich­ti­gen Schritt soll­te die Staats­re­gie­rung eine Stu­die über das Für und Wider des Natio­nal­parks in Auf­trag geben, damit die Dis­kus­si­on vor Ort auf Basis von Fak­ten und Sach­ar­gu­men­ten geführt wer­den kann“, so Ralf Strauß­ber­ger, BN-Wald­re­fe­rent. „Dabei muss auch auf die bestehen­den Befürch­tun­gen, ins­be­son­de­re die Brenn­holz­ver­sor­gung ein­ge­gan­gen werden“.

„Wir freu­en uns als Arten­schutz­ver­band, dass der Schutz­ge­dan­ke eines Natio­nal­parks bei den Befrag­ten die größ­te Zustim­mung gefun­den hat“, so Lud­wig Soth­mann, Vor­sit­zen­der des Lan­des­bund für Vogel­schutz (LBV).

Brei­te Zustim­mung in Städ­ten, wach­sen­de Zustim­mung in Landkreisen

Die Umfra­ge zeigt, dass es noch ein Gefäl­le zwi­schen der Akzep­tanz eines Natio­nal­parks in den kreis­frei­en Städ­ten Bam­berg und Schwein­furt einer­seits und den Land­krei­sen Bam­berg, Hass­ber­ge und Schwein­furt ande­rer­seits besteht. In den Städ­ten gibt es eine sehr deut­li­che Zustim­mung von 77 Pro­zent, in den Land­kreis­kom­mu­nen eine Zustim­mung von rund 38 Pro­zent. Die Umfra­ge zeigt zudem auch, dass in den länd­li­chen Gemein­den eine deut­lich höhe­re Zustim­mung zu errei­chen ist, wenn mit einem Natio­nal­park auch die Brenn­holz­ver­sor­gung der ört­li­chen Bevöl­ke­rung gesi­chert wird: Über ein Drit­tel der Natio­nal­park­kri­ti­ker wür­de unter die­ser Vor­aus­set­zung einem Natio­nal­park eher zustim­men. Die Ver­bän­de zeig­ten sich über­zeugt, dass dann auch in den länd­li­chen Gemein­den eine Mehr­heit einen Natio­nal­park begrü­ßen wür­de, so wie dies in ande­ren deut­schen Natio­nal­park­re­gio­nen eben­falls der Fall sei.

Die Umfra­ge­er­geb­nis­se könn­ten, so die Inter­pre­ta­ti­on von WWF, BN und LBV den Natio­nal­park­be­für­wor­tern vor Ort Mut machen, für eine offe­ne und fai­re Dis­kus­si­on ein­zu­tre­ten. Ent­we­der habe der Ver­ein „Unser Stei­ger­wald“ völ­lig falsch gele­gen, wenn er in der Ver­gan­gen­heit von einer 90 – 95 pro­zen­ti­gen Ableh­nung des Natio­nal­parks sprach oder die Zustim­mung zum Natio­nal­park habe in den ver­gan­ge­nen Jah­ren enorm zugenommen.

Natur­schutz­ver­bän­de set­zen inten­si­ve Auf­klä­rungs­ar­beit im Stei­ger­wald fort

Die Natur­schutz­ver­bän­de sehen sich dem­nach durch die posi­ti­ven Umfra­ge­er­geb­nis­se in ihrer Auf­klä­rungs­ar­beit und dem sach­li­chen Wer­ben für einen Natio­nal­park bestä­tigt. „Nach den Umfra­ge­er­geb­nis­sen sehen gro­ße Tei­le der Bevöl­ke­rung in der Stei­ger­wald­re­gi­on posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen eines Natio­nal­parks, wie einen bes­se­ren Schutz, eine Auf­wer­tung Fran­kens, mehr Arbeits­plät­ze und mehr Inve­sti­tio­nen infol­ge der Natio­nal­parks. Die­se Vor­tei­le sind offen­bar für jün­ge­re Men­schen beson­ders wich­tig, da sie die Ein­rich­tung eines Natio­nal­parks in dem struk­tur­schwa­chen Stei­ger­wald beson­ders begrü­ßen“, so BN-Lan­des­be­auf­trag­ter Richard Mergner.

Die Umfra­ge­er­geb­nis­se zei­gen aber auch, dass nach wie vor Befürch­tun­gen in der Bevöl­ke­rung ver­brei­tet sind, die teil­wei­se auf geziel­te Fehl­in­for­ma­tio­nen beru­hen: etwa dass es mit einem Natio­nal­park zu Ent­eig­nun­gen für Pri­vat­wald­be­sit­zer oder zu umfang­rei­chen Betre­tungs- und Sam­mel­ver­bo­ten kom­men wür­de, obwohl dies nach­weis­lich nicht der Fall ist. Sol­chen „Hor­ror­sze­na­ri­en“ der organ­sier­ten Natio­nal­park­geg­ner wer­den die Natur­schutz­ver­bän­de wei­ter­hin Fak­ten und Sach­in­for­ma­tio­nen entgegensetzen.

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