Erzbischof Schick fordert ethisch-sozialen Rettungsschirm für Europa

Einheitliche Sozialstandards würden Flüchtlingsströme bremsen – „Es gibt keine Alternative zu Europa“

(bbk) Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick fordert einen ethisch-sozialen Rettungsschirm für Europa. Europa dürfe nicht nur als Wirtschaftsmacht und Finanzgröße gesehen werden, die sich gegenüber Russland, den USA und China behaupten müsse. Eine solche Reduzierung entspreche auch nicht der Europäischen Verfassung. „Europa soll eine Union der europäischen Staaten werden, die von Solidarität und Gemeinwohl innerhalb Europas geprägt ist und zugleich als Ort und Hort des Friedens, der Entwicklung und des Wohls für alle Völker wirkt“, sagte Schick am Mittwoch elf Tage vor der Europawahl in Fulda anlässlich der Haupttagung katholischer Männerarbeit. Der ethisch-soziale Rettungsschirm aus Glaube und Vernunft müsse die Zehn Gebote als Mindestanforderung für ein soziales Leben enthalten sowie die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß.

Für Christen sei jedes Menschenleben unantastbar, weil es von Gott geschaffen sei, betonte der Erzbischof. Deshalb dürfe es weder Abtreibung noch Euthanasie in Europa geben. Solidarität und Versöhnung seien ebenso in ganz Europa nötig, wie die derzeitige Situation in der Ukraine deutlich mache. Gegenseitige Akzeptanz, unabhängig von Religion, Rasse, Hautfarbe, Herkunft und Bildungsstand, seien Werte, die in Europa noch nicht überall den notwendigen Stellenwert hätten. Wahrhaftigkeit, Treue, Respekt, Anstand und Humanität müssten aus dem ethisch-sozialen Rettungsschirm verwirklicht werden. „Diesen brauchen wir für die Zukunft Europas so dringend wie das tägliche Brot“, mahnte Bischof Schick.

Als konkrete Beispiele für seine Forderung nannte Erzbischof Schick europäische Sozialstandards für Flüchtlinge und Asylbewerber. Die 2003 in Kraft getretene „Dublin-II-Verordnung“ (sie regelt, welches EU-Land für einen Asylbewerber zuständig ist) sei eine „Bankrotterklärung eines ethisch-sozialen Europas“. Diese Regelung wäre nicht notwendig, wenn in Rumänien und Griechenland dieselben Aufnahmebedingungen herrschten wie in Deutschland oder Schweden, so Schick. Dafür sei auch die Solidarität der Europäischen Staaten untereinander wichtig. Der vermeintliche „Sozialtourismus“ innerhalb Europas würde in der Wurzel erstickt, wenn die Standards für die Versorgung von armen, alten, kranken oder behinderten Menschen überall gleich wären. Ausbildung und Arbeit für alle jungen Europäer müssten gemeinsam vorangebracht werden. In keinem Land Europas dürfe es eine verlorene Generation geben.

Weiterhin setzte sich Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz ist, für eine Menschenrechts- und Entwicklungspolitik des EU-Parlaments und der Kommission ein. Dazu gehörten die Förderung von Landwirtschaft, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und Religionsfreiheit in Afrika und Asien. „Wenn Europa in Afrika und Asien den Frieden und die Lebensbedingungen fördert, werden die Flüchtlingsströme von dort von selbst aufhören“, sagte der Erzbischof und rief zur Teilnahme an der Europawahl auf: „Europa muss Ausgangspunkt für Freiheit, Brüderlichkeit und Einheit auf der ganzen Welt werden. Es gibt keine Alternative zu Europa. Tun wir alles, dass Europa zum Wohl seiner Nationen und der ganzen Welt beiträgt!“