Ober­frän­ki­sche SPD für NPD-Verbot

Kür­zung der Mit­tel für Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on grob fahrlässig

„Die NPD muss ver­bo­ten wer­den“, so der mehr­heit­li­che Tenor des ober­frän­ki­schen SPD-Bezirks­vor­stands, der von Innen­mi­ni­ster Fried­rich einen neu­en Anlauf zum Ver­bot der NPD for­dert. Im Jahr 2003 war ein Ver­bots­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geschei­tert, weil die Rol­le von V‑Leuten in der Füh­rungs­spit­ze der NPD unge­klärt war.

„Für die Ver­fas­sungs­feind­lich­keit der Par­tei gibt es jedoch aus­rei­chend bela­sten­des Mate­ri­al aus öffent­lich zugäng­li­chen Quel­len“, meint die ober­frän­ki­sche SPD-Bezirks­vor­sit­zen­de und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Anet­te Kram­me. „Zwar ver­schwin­den mit einem Par­tei­ver­bot rechts­ex­tre­me Denk­mu­ster und Gesin­nun­gen nicht ein­fach von heu­te auf mor­gen. Aber die staat­li­che finan­zi­el­le Unter­stüt­zung hät­te end­lich ein Ende.“ Es sei ein Unding, dass die Aus­höh­lung der demo­kra­ti­schen Rech­te momen­tan auch noch finan­ziert wer­de. Nicht zu unter­schät­zen sei­en zudem der Weg­fall von Pro­pa­gan­da­platt­for­men, der Ver­lust des Par­tei­ver­mö­gens, der Par­tei­lo­ka­le, der Par­tei­zei­tun­gen und sämt­li­cher Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren. Weder könn­te die NPD folg­lich bei Wah­len antre­ten, noch die Vor­tei­le des Par­tei-Sta­tus bei der Anmel­dung von Demon­stra­tio­nen nut­zen, auch könn­te über den Par­tei­ap­pa­rat kei­ne Agi­ta­ti­on mehr betrie­ben werden.

Der stell­ver­tre­ten­de Bezirks­vor­sit­zen­de Dr. Carl-Chri­sti­an Dres­sel (Coburg) freut sich in die­sem Zusam­men­hang über die ein­stim­mi­ge For­de­rung des SPD-Bun­des­par­tei­ta­ges nach einer Wie­der­auf­nah­me des NPD-Ver­bots­ver­fah­rens. „Der Unter­be­zirk Coburg/​Kronach hat bereits im April ein­stim­mig eine sol­che For­de­rung auf­ge­stellt. Und dies­mal darf ein Antrag nicht scheitern.“

Einig ist man sich in der ober­frän­ki­schen SPD dar­in, dass man sich nach einem NPD-Ver­bot nicht zurück­leh­nen dür­fe. „Rechts­ex­tre­mes Gedan­ken­gut wird damit nicht aus­ge­löscht, ledig­lich des­sen Ver­brei­tung erschwert“, so MdB Kram­me. „Wir brau­chen auch wei­ter­hin prä­ven­ti­ve Arbeit, die dem gesell­schaft­li­chen Umfeld des Rechts­ex­tre­mis­mus den Boden ent­zieht.“ Umso unver­ständ­li­cher sei­en die Kür­zun­gen der Bun­des­re­gie­rung im Bereich der Extre­mis­mus­prä­ven­ti­on. „Die geplan­ten Kür­zun­gen von fast vier Mil­lio­nen Euro bei der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung sind als grob fahr­läs­sig ein­zu­stu­fen. Denn die Fol­gen sind dra­ma­tisch. Es wird nicht nur Lei­stungs­ein­schrän­kun­gen der Bun­des­zen­tra­le selbst geben, son­dern es wird auch zu Mit­tel­kür­zun­gen bei den mehr als 430 durch die Bun­des­zen­tra­le deutsch­land­weit geför­der­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen kom­men. Für man­chen Bil­dungs­trä­ger dürf­ten die­se Kür­zun­gen exi­stenz­be­dro­hend sein.“

Aus­drück­lich weist Kram­me dar­auf hin, dass Rechts­ex­tre­mis­mus kein Phä­no­men der neu­en Bun­des­län­der sei. Auch in Ober­fran­ken sei­en mitt­ler­wei­le diver­se Kame­rad­schaf­ten eta­bliert. Hin­zu kämen die unsäg­li­chen Auf­mär­sche und Kund­ge­bun­gen, z.B. in Grä­fen­berg, Wun­sie­del oder Mainleus.

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