Seme­ster­wert­mar­ken für den Nah­ver­kehr in Nürn­berg, Fürth und Erlan­gen

Ein ver­bund­wei­tes Seme­ster­ticket im VGN ist noch nicht vom Tisch – loka­le Seme­ster­ticket-Rege­lun­gen in den Land­krei­sen Bam­berg und Bay­reuth

Zum Seme­ster­be­ginn haben die Stu­die­ren­den in Nürn­berg, Fürth und Erlan­gen wie­der die Mög­lich­keit, gün­sti­ge Seme­ster­wert­mar­ken des VGN zu erwer­ben. Mit einem Ver­bund­pass gel­ten die­se jeweils wäh­rend der Vor­le­sungs­zeit, im Win­ter­se­me­ster für vier Mona­te sowie im Som­mer­se­me­ster für drei Mona­te. Die aktu­el­len Vier-Monats-Wert­mar­ken kosten für das Gebiet Nürn­berg-Fürth-Stein (Tarif­zo­nen 100/200) 157,10 Euro, in Erlan­gen (Tarif­zo­ne 400) 79,10 Euro und für Fahr­ten zwi­schen Nürn­berg, Fürth und Erlan­gen (Tarif­zo­nen 100, 200, 300, 400) 236,20 Euro. Erhält­lich sind die Mar­ken in den Kun­den­bü­ros der VAG, infra fürth und Erlan­ger Stadt­wer­ke sowie in den DB-Rei­se­zen­tren. Stu­die­ren­de an der Georg-Simon-Ohm-Hoch­schu­le haben außer­dem die Mög­lich­keit, die­se über den Online­shop der VAG (www​.vag​.de) zu kau­fen und selbst aus­zu­drucken.

Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten außer­halb der Städ­teach­se Nürn­berg, Fürth und Erlan­gen kön­nen Bus­se und Bah­nen mit den ermä­ßig­ten Schü­ler­fahr­kar­ten nut­zen. Sie sind somit preis­lich gleich­ge­stellt mit Schü­lern, die nicht unter die Kosten­frei­heit des Schul­wegs fal­len sowie mit Aus­zu­bil­den­den. In den Städ­ten und Land­krei­sen Bam­berg und Bay­reuth gel­ten wie bis­her die loka­len Seme­ster­ticket-Rege­lun­gen.

Seme­ster­ticket gefor­dert

Die Prei­se der Seme­ster­wert­mar­ken des VGN sind gegen­über den nor­ma­len Tickets deut­lich ermä­ßigt. Zum Bei­spiel in Erlan­gen beträgt der Nach­lass im Ver­gleich zur Schü­ler­fahr­kar­te mehr als 25 Pro­zent, gegen­über der klas­si­schen 31-Tage-Kar­te für Jeder­mann, der Solo 31, sogar 44 Pro­zent. Die­se gün­sti­gen Ange­bo­te stam­men noch aus der Zeit vor der Ver­bund­grün­dung 1987. Damals wur­den sie als poli­ti­sches Zuge­ständ­nis in den Ver­bund­ta­rif über­nom­men.

Mit nahe­zu jedem neu­en Seme­ster for­dern Stu­die­ren­de oder Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen ein Seme­ster­ticket im VGN, wie es die­ses in ande­ren Städ­ten und Ver­bün­den gibt, zum Teil unter dem Preis der heu­ti­gen Seme­ster­wert­mar­ke. Aller­dings sind die­se Ange­bo­te nicht mit den Seme­ster­wert­mar­ken des VGN ver­gleich­bar. Denn wäh­rend letz­te­re nur von den tat­säch­li­chen Nut­zern bezahlt wer­den, basie­ren die Seme­ster­ticket- Ange­bo­te in ande­ren Ver­bün­den auf einem Soli­dar­mo­dell. Das heißt alle Stu­den­ten tra­gen dort über ihren Stu­den­ten­werks­bei­trag die Finan­zie­rung mit, unab­hän­gig davon ob sie die öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel nut­zen oder nicht. Dadurch kön­nen die­se Seme­ster­tickets zu einem nied­ri­ge­ren Ein­zel­preis ange­bo­ten wer­den. Zudem sind die Lini­en­net­ze meist auch deut­lich klei­ner, wes­halb die Nut­zung des Nah­ver­kehrs gene­rell gün­sti­ger ist.

Der VGN hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bereits Über­le­gun­gen ange­stellt, wie ein sol­ches Soli­dar­mo­dell auch hier umge­setzt wer­den könn­te. Die Stu­die­ren­den hät­ten dem­nach rund 22 Euro pro Monat für die Nut­zung von Bus­sen und Bah­nen im gesam­ten VGN-Raum zu zah­len. Nach die­ser Kal­ku­la­ti­on soll­ten nur die aktu­el­len Fahr­geld­ein­nah­men aus der Beför­de­rung Stu­die­ren­der abge­deckt wer­den. Erfor­der­lich wäre ledig­lich eine Dyna­mi­sie­rung des Soli­dar­bei­tra­ges im Hin­blick auf Ver­än­de­run­gen bei den Stu­den­ten­zah­len sowie künf­ti­ge Kosten­stei­ge­run­gen.

Recht­li­che Hin­der­nis­se

Auf­grund der recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ist es seit­dem aller­dings zu kei­nem kon­kre­ten Ange­bot mehr gekom­men. Die Ein­füh­rung eines Seme­ster­tickets bedarf in Bay­ern näm­lich der Zustim­mung zwei­er Mini­ste­ri­en: des Mini­ste­ri­ums für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst sowie des Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­ums. Schon 2003 hat­te das Wis­sen­schafts­mi­ni­ste­ri­um die Ansicht ver­tre­ten, dass (bei einem damals kal­ku­lier­ten Preis von 87 Euro je Seme­ster) die Höhe des erfor­der­li­chen Soli­dar­bei­tra­ges unver­hält­nis­mä­ßig hoch und ein Seme­ster­ticket daher nicht geneh­mi­gungs­fä­hig sei. Die­se Ein­schät­zung basier­te auf einem frü­he­ren Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, nach dem es ent­schei­dend sei, ob ein sol­cher Pflicht­bei­trag bezo­gen auf den monat­li­chen BAföG-Bedarfs­satz ange­mes­sen ist.

Ange­sichts die­ser Rechts­auf­fas­sung und eines damit ver­bun­de­nen Kla­ge­ri­si­kos hat in der Ver­gan­gen­heit auch das Stu­den­ten­werk Erlan­gen- Nürn­berg Beden­ken gegen die Ein­füh­rung eines Seme­ster­tickets geäu­ßert. Denn es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass Stu­die­ren­de, die ein sol­ches Ticket nicht benö­ti­gen oder wol­len, gegen den erfor­der­li­chen Pflicht­bei­trag kla­gen wer­den. Bei Erfolg einer sol­chen Kla­ge müss­te das Stu­den­ten­werk die ein­ge­zo­ge­nen Bei­trä­ge wie­der an alle Stu­die­ren­den zurück­zah­len. Wegen der erbrach­ten Ver­kehrs­lei­stung wür­den VGN und Ver­kehrs­un­ter­neh­men den bezo­ge­nen Betrag jedoch ein­be­hal­ten.

VGN steht bereit

In ande­ren Bun­des­län­dern gibt es bereits Seme­ster­tickets mit zum Teil höhe­ren Bei­trä­gen als den vom VGN kal­ku­lier­ten: zum Bei­spiel Rhein– Main-Ver­kehrs­ver­bund RMV 155 Euro, Ver­kehrs­ver­bund Rhein-Neckar VRN 165 Euro, Ver­kehrs­ver­bund Stutt­gart VVS 179 Euro. Dort wird mög­li­cher­wei­se eine ande­re Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten oder das Kla­ge­ri­si­ko anders ein­ge­schätzt. Der Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg steht nach wie vor zu Gesprä­chen über die Ein­füh­rung eines Seme­ster­tickets bereit. Die­ses könn­te theo­re­tisch über Soli­dar­bei­trä­ge, öffent­li­che Zuschüs­se oder die Stu­di­en­ge­büh­ren finan­ziert wer­den. Neben der grund­sätz­li­chen Bereit­schaft der bei­den in Bay­ern zustän­di­gen Mini­ste­ri­en wären aller­dings ziel­füh­ren­de Aus­sa­gen zu einem Höchst­wert für den Soli­dar­bei­trag not­wen­dig.

Für den Fall einer künf­ti­gen Lösung ermit­telt der VGN in sei­ner näch­sten ver­bund­wei­ten Ver­kehrs­er­he­bung 2012 die für eine neue Kal­ku­la­ti­on erfor­der­li­chen Daten­grund­la­gen. Denn mit der Gebiets­er­wei­te­rung um die Regio­nen Bam­berg und Bay­reuth haben die­se sich seit den frü­he­ren Berech­nun­gen ver­än­dert.

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