Sonn­tags­ge­dan­ken: Lui­se Rin­ser zum 100. Geburts­tag – “David”

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Die baye­ri­sche Autorin erzählt uns in der gleich­na­mi­gen Geschich­te eine merk­wür­di­ge Bege­ben­heit: Als sie ein Kind war, zog eine aus­län­di­sche Fami­lie in ihr Dorf und Rin­sers Vater soll­te dem Kind die­ser Neu­bür­ger Deutsch bei­brin­gen. David und Lui­se freun­de­ten sich an. Als das Mäd­chen die katho­li­sche Mai­an­dacht besuch­te, beglei­te­te sie der Jun­ge. Spä­ter gin­gen sie auch gemein­sam zur Beich­te und betrach­te­ten zusam­men die Altä­re.

Dann frei­lich gab es Ärger, als ihre Eltern von die­sen Unter­neh­mun­gen erfuh­ren, denn David war Jude. Doch die Klei­nen lie­ßen sich nicht abbrin­gen und David woll­te unbe­dingt getauft wer­den. Einen Pfar­rer durf­te er frei­lich nicht dar­um bit­ten. Es muss­te heim­lich gesche­hen. So über­nahm das Mäd­chen die­se Auf­ga­be und erfüll­te sie mit allem Ernst, mit aller Sorg­falt. Lui­se berief sich auf das Recht der Not­tau­fe, denn jeder Christ darf das Sakra­ment vor­neh­men, wenn “Gefahr im Ver­zug” besteht, um einen juri­sti­schen Aus­druck zu benut­zen. Kurz dar­auf erkrank­te David töd­lich. Sei­ne Mut­ter mach­te der Fami­lie Rin­ser eine schreck­li­che Sze­ne: Wie konn­ten sie es wagen, einen Juden zu tau­fen und dann noch so?! Doch Lui­se wuss­te ihren Freund in Got­tes Hand gebor­gen, trö­ste­te ihn auf sei­nem letz­ten Gang mit der Aus­sicht, dass er nun zu Chri­stus kom­men wer­de, zu Gott und allen Hei­li­gen.

Ich kann mich nur ver­nei­gen vor der Glau­bens­kraft, vor dem Mut, dem Ernst die­ses Kin­des. Sie hat den christ­li­chen Glau­ben gelebt, gefühlt, sie hat mehr von der Tau­fe, vom Geheim­nis des Evan­ge­li­ums ver­stan­den als man­cher Pro­fes­sor.

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

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