BN ruft zur Bür­ger­be­tei­li­gung auf

Der Bund Natur­schutz für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND), Dach­ver­band des Bund Natur­schutz Bay­ern e.V.(BN)) ruft zur Bür­ger­be­tei­li­gung auf – Maul hal­ten!

Hin­ter­grund: Das Mit­spra­che­recht-Beschnei­dungs­ge­setz des Innen­mi­ni­sters. BUND-Online­ak­ti­on for­dert: Innen­mi­ni­ster zurück­pfei­fen, Bür­ger betei­li­gen! Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wol­len nicht weni­ger Mit­spra­che­recht.

Der kor­rek­te Titel des Vor­ha­bens, mit dem Innen­mi­ni­ster de Mai­ziè­re die Rech­te der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein­schrän­ken will, lau­tet „Gesetz zur Ver­ein­heit­li­chung und Beschleu­ni­gung von Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren.“ Hin­ter die­ser sper­ri­gen Bezeich­nung ver­birgt sich nach BUND-Mei­nung eine ein­fa­che Sicht­wei­se: Mit­spra­che ist unbe­quem, die Ein­mi­schung von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern uner­wünscht.

Maul hal­ten!

BN-Kreis­vor­sit­zen­der Hein­rich Kat­ten­beck ruft alle BN-Funk­tio­nä­re, BN-Mit­glie­der und alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger auf über Inter­net oder mit einem Brief sich an der BUND-Unter­schrif­ten-Akti­on zu betei­li­gen und von der Bun­des­kanz­le­rin zu for­dern den Innen­mi­ni­ster de Mai­ziè­re zurück zu pfei­fen, weil sei­ne Geset­zes­for­de­rung eine mas­si­ver Ein­griff in das bestehen­de Mit­be­stim­mungs­recht der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wäre.

Was ist geplant?

Das Gesetz regelt Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, für die der Bund zustän­dig ist. Das betrifft vor allem die Pla­nung und Geneh­mi­gung von neu­en Auto­bah­nen, Bun­des­stra­ßen, Berg­bau­vor­ha­ben, Fluss­aus­bau­ten, neu­en Kanä­len und Bahn­strecken auf Bun­des­ebe­ne.

Aus­gren­zung der Bür­ger­be­tei­li­gung

Und das ist der sprin­gen­de Punkt in dem Geset­zes Ent­wurf: Der öffent­li­che Erör­te­rungs­ter­min soll in das Ermes­sen der Geneh­mi­gungs­be­hör­de gestellt wer­den („Fakul­ta­tiv­stel­lung“ genannt). Aber die­ser Erör­te­rungs­ter­min ist bei vie­len Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren der ein­zi­ge Ter­min, zu dem die betrof­fe­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger direkt mit der Geneh­mi­gungs­be­hör­de und dem Antrag­stel­ler für das Pro­jekt fach­lich dis­ku­tie­ren kön­nen. Ver­wal­tun­gen sol­len also künf­tig ent­schei­den, ob Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ihre Fra­gen stel­len, ihre Beden­ken anmel­den, ihre Alter­na­ti­ven vor­stel­len kön­nen.

BN Kreis­vor­sit­zen­der Kat­ten­beck: „Die­ser Geset­zes­ent­wurf ist ein Rück­schritt ins 19. Jahr­hun­dert und über die Sache hin­aus eine Pro­vo­ka­ti­on denn, die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wol­len nicht von Pla­nun­gen aus­ge­schlos­sen wer­den, die ihr Leben unmit­tel­bar beein­flus­sen. Sie wol­len nicht weni­ger Mit­spra­che­recht, son­dern mehr.“

Kri­ti­sche Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sind lästig

Die Gei­stes­hal­tung des Innenm ini­sters wird in der Geset­zes­be­grün­dung deut­lich: Wenn man es mit einer gro­ßen Anzahl von Ein­wen­dun­gen zu tun habe, der Ter­min nicht zur Befrie­dung bei­tra­gen kön­ne, die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger den Ter­min mit Befan­gen­heits­an­trä­gen „stö­ren“ oder aus „sach­frem­den“ Erwä­gun­gen das Vor­ha­ben kate­go­risch abge­lehnt wird, dann soll­ten die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger doch vor Gericht kla­gen. Kurz gesagt: Kri­ti­sche Bür­ge­rin­nen und Mür­ger sind aus der Per­spek­ti­ve des Innen­mi­ni­ste­ri­ums lästig.

Was ist die Kon­se­quenz?

Die Bür­ger wür­den nicht mehr im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren gehört, sie kön­nen sich nur noch schrift­lich äußern oder Pro­test-Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­sie­ren. Wür­de die­ses Gesetz ver­ab­schie­det, wür­de immer dann, wenn bei einem Vor­ha­ben Kon­flik­te mit den Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu erwar­ten sind, die Geneh­mi­gungs­be­hör­de auf eine Erör­te­rung ver­zich­ten. Und wird ein Vor­ha­ben von der Geneh­mi­gungs­be­hör­de trotz schrift­li­cher Ein­wen­dun­gen der Bür­ger bzw. aner­kann­ten Ver­bän­den geneh­migt, dann blie­be nur noch der Weg, dage­gen mit einem hohem Kosten­auf­wand vor dem zustän­di­gen Gericht zu kla­gen. Gefahr: Wür­de die­ses Gesetz ver­ab­schie­det, besteht die Gefahr, dass alle Bun­des­län­der nach­zie­hen und in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich Gesetz erlas­sen, die zu einer Ein­schrän­kung der Betei­li­gungs­rech­ten von Bür­ge­rin­nen und Bür­ger füh­ren wür­den.

Die Unter­schrif­ten­ak­ti­on geht übers Inter­net unter:

www​.bund​.net/​b​u​n​d​n​e​t​/​a​k​t​i​v​_​w​e​r​d​e​n​/​a​k​t​i​o​n​e​n​/​m​e​h​r​_​b​u​e​r​g​e​r​b​e​t​e​i​l​i​g​u​ng/

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