Neu­jahrs­ge­dan­ken

Pfarrer Dr. Christian Fuchs

Pfar­rer Dr. Chri­sti­an Fuchs

Micha­el Ende lässt den Stra­ßen­keh­rer Bep­po im Roman “Momo” fol­gen­der­ma­ßen spre­chen:

“Manch­mal hat man eine sehr lan­ge Strecke vor sich. Man denkt, die ist so schreck­lich lang, das kann man nie­mals schaf­fen. Aber man darf nie­mals die gan­ze Stra­ße auf ein­mal sehen. Man muss nur an den näch­sten Schritt den­ken, an den näch­sten Atem­zug, an den näch­sten Besen­strich. Auf ein­mal merkt man, dass man Schritt für Schritt die gan­ze Stra­ße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt, wie, und man ist gar nicht außer Puste.”

So wie Bep­po soll­ten wir es auch machen: Ein Jahr liegt vor uns, dun­kel und schwer. Nie­mand weiß, was es bringt. Wie geht es wei­ter in der Part­ner­schaft, mit den Kin­dern, im Beruf, mit der Gesund­heit? Man­cher, der die­se Zei­len liest, wird das Jah­res­en­de nicht erle­ben, wird an einer Krank­heit, bei einem Unfall, hof­fent­lich nie­mand durch Mör­der­hand ster­ben.

Got­tes­dien­ste zur Jah­res­wen­de wol­len uns ermu­ti­gen, das in den letz­ten 12 Mona­ten erleb­te zurück in Got­tes Hand zu legen, uns gedul­dig, fröh­lich, auf­nah­me­be­reit dem Neu­en zuzu­wen­den. Die heu­te so übli­chen feucht­fröh­li­chen Par­tys ver­hin­dern, dass wir uns neu Gott anver­trau­en, dass wir über­haupt zur Ruhe kom­men. Es hat kei­nen Sinn, sich und den ande­ren Vor­wür­fe zu machen, was wir selbst, was die andern falsch gemacht haben, wo wir ver­letzt wur­den, ande­re ver­letz­ten. Das alte Jahr ist abge­schlos­sen und nun war­ten neue Auf­ga­ben auf uns: Wol­len wir sie in aller Ruhe ange­hen, ver­nünf­tig, fair, ehr­lich so gut, wie ein jeder es kann. Auch dür­fen wir uns täg­lich an den vie­len so leicht über­se­he­nen Geschen­ken Got­tes erfreu­en, an unse­rer Fami­lie, an gutem Essen, einem roman­ti­schen Son­nen­un­ter­gang, einem gelun­ge­nen Aus­flug, an einem span­nen­den Buch. Die­ses neue Jahr bringt uns ein stück­weit Got­tes ewi­ger Welt ent­ge­gen manch­mal durch son­ni­ge Höhen des Glücks, manch­mal durch ver­reg­ne­te Nie­de­run­gen des Unglücks. Gott aber ist der­sel­be, gestern, heu­te und mor­gen und er steht treu zu mir.

Pfr. Dr. Chri­sti­an Fuchs, www​.neu​stadt​-aisch​-evan​ge​lisch​.de

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