Nach­qua­li­fi­zie­rung als Weg zum aner­kann­ten Berufs­ab­schluss

Unterstützer und Referenten der Informationsveranstaltung zur Nachqualifizierung mit Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl bei bei der Firma Advanced Aerofoil Technologies in Wolfsbach

Unter­stüt­zer und Refe­ren­ten der Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zur Nach­qua­li­fi­zie­rung mit OB Dr. Micha­el Hohl bei bei der Fir­ma Advan­ced Aero­foil Tech­no­lo­gies in Wolfs­bach

Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung bei der Fir­ma Advan­ced Aero­foil Tech­no­lo­gies in Bay­reuth fand guten Anklang und gab Anstoß zu wei­te­ren Koope­ra­tio­nen in der Regi­on

Auf Ein­la­dung der loka­len Koor­di­nie­rungs­stel­le des Pro­jek­tes „NANO – Nach­qua­li­fi­zie­rung Nord­bay­ern“ im bfz Bay­reuth und dem Regio­nal­ma­nage­ment für Stadt und Land­kreis Bay­reuth kamen die­se Woche Unter­neh­mer und Ver­tre­ter regio­na­ler Bil­dungs­trä­ger zusam­men, um sich dem The­ma Nach­qua­li­fi­zie­rung als Chan­ce für Unter­neh­men und Arbeit­neh­mer zu wid­men. Horst Lind­ner, Gast­ge­ber und Geschäfts­füh­rer der Fir­ma Advan­ced Aero­foil Tech­no­lo­gies führ­te an, dass er auf Grund der nöti­gen hohen Spe­zia­li­sie­rung der Mit­ar­bei­ter in sei­ner Fir­ma rund 180.000,- € in die Qua­li­fi­zie­rung sei­ner Mit­ar­bei­ter gesteckt hat. Der Nut­zen, den anund unge­lern­te Mit­ar­bei­ter nach ent­spre­chen­der Qua­li­fi­zie­rung den Unter­neh­men brin­gen kön­nen, sei enorm. So ver­rin­ger­ten sich bei­spiels­wei­se die Feh­ler- und Aus­schuss­quo­ten, die Mit­ar­bei­ter sei­en bes­ser moti­viert und iden­ti­fi­zier­ten sich mit dem Unter­neh­men.

Jedoch nicht nur das Unter­neh­men pro­fi­tie­re, auch der Mit­ar­bei­ter selbst erfah­re einen per­sön­li­chen Nut­zen. „Die Kun­den­an­sprü­che bezüg­lich der Pro­dukt­qua­li­tät wer­den immer höher. Um den Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den, reicht es nicht mehr nur noch ein „Knöpf­chen­drücker“ zu sein“, so Ste­fan Höh­lein der­zei­ti­ger Teil­neh­mer an einer berufs­ab­schluss­ori­en­tier­ten Qua­li­fi­zie­rung zum Maschi­nen- und Anla­gen­füh­rer beim bfz in Bam­berg und Mit­ar­bei­ter bei Metall­form Gla­ser in Bam­berg. Er per­sön­lich pro­fi­tie­re durch die pra­xis­ori­en­tier­te Nach­qua­li­fi­zie­rung, er kön­ne künf­tig auch ande­ren Mit­ar­bei­tern Wis­sen bes­ser ver­mit­teln und einen aner­kann­ten Berufs­ab­schluss nach­wei­sen. „Je höher eine Per­son qua­li­fi­ziert sei, desto unwahr­schein­li­cher die Arbeits­lo­sig­keit“ führ­te Andre­as Karl, Exper­te für För­de­rung von Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men für Fir­men bei der Agen­tur für Arbeit in Bay­reuth, an.

Er stell­te die aktu­el­len För­der­instru­men­te für Unter­neh­men vor, die ihre Mit­ar­bei­ter bei der beruf­li­chen Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung unter­stüt­zen. So las­sen sich die­se Maß­nah­men für Unter­neh­men mit­tels staat­li­cher Unter­stüt­zung leich­ter durch­füh­ren und die Inve­sti­ti­ons­ko­sten kön­nen gesenkt wer­den. wol­len. – „Die Anträ­ge für die jewei­li­ge För­de­run­gen wer­den schnell und unkom­pli­ziert bei der Agen­tur für Arbeit bear­bei­tet.“, so Herr Karl. Gel­der sind für 2010 noch genü­gend vor­han­den. Was dage­gen in 2011 sei, ist noch unge­wiss. Schnel­les Han­deln sei dem­nach höchst rat­sam.

Nach­qua­li­fi­zie­rung schafft Fach­kräf­te in der eige­nen Regi­on

Bernd Reh­orz, Lei­ter des Bereichs beruf­li­che Bil­dung bei der IHK für Ober­fran­ken, stell­te die Demo­gra­fie­da­ten der Regi­on Bay­reuth vor. Er beton­te zum einen die nied­ri­ge Gebur­ten­ra­te. 618 Gebur­ten weni­ger sind es von 2008 auf 2009 allein in der Regi­on Bay­reuth. Dem­ge­gen­über steht die älter wer­den­en­de Bevöl­ke­rung. In Ober­fran­ken beträgt der Anteil der über 65-jäh­ri­gen im Dezem­ber 2008 21 %, Nach dem dop­pel­ten Abitur­jahr­gang im kom­men­den Jahr , der 2011 zu 170.000 Schul­ab­so­ven­ten führt, fol­gen immer nied­ri­ger Schul­ab­gän­ger­zah­len. Schon 10 Jah­re spä­ter in 2020 ver­las­sen gera­de noch gut 120.000 Schü­ler die Schu­le. Er bezeich­ne­te den demo­gra­fi­schen Wan­del als Mega­trend in Ober­fran­ken, dem mit geeig­ne­ten Instru­men­ten zu ent­geg­nen sei. So kön­ne man mit geziel­ter abschluss­ori­en­tier­ter modu­la­rer Nach­qua­li­fi­zie­rung dem Fach­kräf­te­man­gel ein Stück weit ent­ge­gen tre­ten und das mit Kräf­ten aus der eige­nen Regi­on. „Die Chan­cen, die in den Maß­nah­men stecken, haben vie­le Unter­neh­men noch nicht erkannt“, so Chri­stia­ne Alter, char­man­te Mode­ra­to­rin und Koor­di­na­to­rin für Nach­qua­li­fi­zie­rung in Nord­bay­ern. Die Angst, dass vor­mals unqua­li­fi­zier­te oder ange­lern­te Mit­ar­bei­ter nach einem Abschluss eine höhe­re Posi­ti­on anstre­ben, sich weg­be­wer­ben oder höhe­re Gehalts­for­de­run­gen stel­len könn­ten sei unbe­grün­det, gab Horst Lind­ner auf Nach­fra­ge von Frau Alter an. Im Gegen­teil, die Loya­li­tät und Moti­va­ti­on erhö­he sich, da der Mit­ar­bei­ter erkennt, dass er für das Unter­neh­men eine wert­vol­le Res­sour­ce dar­stellt die es lohnt geför­dert und ent­wickelt zu wer­den.

Auch in der Regi­on Bay­reuth besteht ein Nach­qua­li­fi­zie­rungs­be­darf

Micha­el Nürn­ber­ger, Mit­ar­bei­ter des­beim bfz-Bay­reuth und regio­na­ler Ansprech­part­ner für NANO, prä­sen­tier­te die Ergeb­nis­se der Anfang die­ses Jah­res durch­ge­führ­ten Erhe­bung. Dar­aus ging her­vor, dass 100% aller teil­neh­men­den Unter­neh­men, durch Qua­li­fi­zie­rung die Fach­kom­pe­tenz ihrer Mit­ar­bei­ter, die Arbeits­und Pro­dukt­qua­li­tät sowie die Fähig­keit zum eigen­ver­ant­wort­li­chen und selbst­stän­di­gen Arbei­ten stei­gern möch­ten. 93% wün­schen sich zudem die Erhö­hung der Ein­satz­fle­xi­bi­li­tät und 89% eine Ver­bes­se­rung der Kun­den­be­treu­ung, eine gestei­ger­te Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Unter­neh­men sowie eine erhöh­te Moti­va­ti­on bei der Arbeit.
Trotz des dro­hen­den Fach­ar­bei­ter­man­gels lässt sich nach Aus­wer­tung der Ergeb­nis­se aller­dings auch aus­sa­gen, dass Unter­neh­men eine Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung ihrer Fach- und Füh­rungs­kräf­te bevor­zu­gen und die An- und Unge­lern­ten eher ausser Acht las­sen. Wur­den doch in der Ver­gan­gen­heit von den teil­neh­men­den Unter­neh­men 43 Qua­li­fi­zie­run­gen für Fach- und Füh­rungs­kräf­ten durch­ge­führt und nur 19 für An- und Unge­lern­te.

Auf lang­fri­sti­ge Sicht gilt es aller­dings die­sen Trend umzu­keh­ren. Hier ist noch ein hoher Sen­si­bi­li­sie­rungs­be­darf bei Unter­neh­men um die dro­hen­den Pro­ble­me zu sehen und die­sen ent­ge­gen­zu­wir­ken. Es gilt, in enger Zusam­men­ar­beit mit den Unter­neh­men, maß­ge­schnei­der­te Lösun­gen zu ent­wickeln und das Ange­bot in Stadt und Land­kreis Bay­reuth zu ver­bes­sern.

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen

Seit Mit­te 2008 gibt es das Pro­jekt „NANO – Nach­qua­li­fi­zie­rung Nord­bay­ern“, das Bestand­teil der Qua­li­fi­zie­rungs­in­itia­ti­ve der Bun­des­re­gie­rung „Auf­stieg durch Bil­dung“ ist. Ziel ist es, nach­hal­tig geeig­ne­te Rah­men­be­din­gun­gen für Nach­qua­li­fi­zie­rung zu schaf­fen und so zur Ver­rin­ge­rung des Anteils an- und unge­lern­ter jun­ger Erwach­se­ner mit und ohne Beschäf­ti­gung bei­zu­tra­gen. Trä­ger der För­der­initia­ti­ve sind in Bay­ern ein­zig die Beruf­li­chen Fort­bil­dungs­zen­tren der Baye­ri­schen Wirt­schaft (bfz) gGmbH. Der Sitz der Koor­di­nie­rungs­stel­le für den nord­baye­ri­schen Raum ist im bfz Bam­berg.

Ziel­grup­pe sind: An- und unge­lern­te jun­ge Erwach­se­ne mit und ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund, mit und ohne Beschäf­ti­gung, denen auf­grund ihrer Bedin­gun­gen (sozi­al, finan­zi­ell etc.) kei­ne Erst­aus­bil­dung oder nor­ma­le Umschu­lung mög­lich ist; Fir­men, die Fach­kräf­te suchen, die an- und unge­lern­te Kräf­te beschäf­ti­gen und die an modu­la­rer Nach­qua­li­fi­zie­rung inter­es­siert sind. Kern­ele­men­te sind: Die Ent­wick­lung von nach­hal­tig geeig­ne­ten Rah­men­be­din­gun­gen zur pass­ge­nau­en Umset­zung abschluss­ori­en­tier­ter modu­la­rer Nach­qua­li­fi­zie­run­gen; Auf­tei­lung der Aus­bil­dungs­in­hal­te in sog. Qua­li­fi­zie­rungs­bau­stei­ne mit abge­grenz­ten berufs­be­zo­ge­nen Kennt­nis­sen, Fer­tig­kei­ten und Fähig­kei­ten, die ein­zeln geprüft und zer­ti­fi­ziert wer­den sowie Ori­en­tie­rung am betrieb­li­chen Bedarf bei der Ent­wick­lung und Umset­zung von Nach­qua­li­fi­zie­rungs­an­ge­bo­ten.

Die Lauf­zeit des Pro­jek­tes „NANO – Nach­qua­li­fi­zie­rung Nord­bay­ern“ geht bis zum 31. März 2012.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter www​.berufs​ab​schluss​-bay​ern​.bfz​.de: Chri­stia­ne Alter, bfz Bam­berg, Tel.: 0951/96558–34, Email: alter.​christiane@​ba.​bfz.​de

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