Klinikum Bayreuth geht gegen Fachkräftemangel vor

Pflege – auf die intensive Art

Zwölf Pflegekräfte bilden sich in Intensiv- und Anästhesiepflege weiter

Der Markt ist leergefegt, sagt Christian Pfeiffer. Intensiv- und Anästhesiepflegerinnen und –pfleger sind an deutschen Krankenhäusern heiß begehrt. Darauf reagiert die Klinikum Bayreuth GmbH mit einem Fachweiterbildungslehrgang, der jetzt begonnen hat. Und der den Teilnehmern eine ganze Menge abverlangt.

„Das Problem kommt nicht erst in zehn Jahren“, sagt Pfeiffer, der den Fachweiterbildungskurs leitet. „Es ist akut.“ Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat festgestellt, dass allein auf den Intensivstationen der deutschen Krankenhäuser mehr als 1600 Pflegekräfte fehlen. Die DKG sagt weiter: Über 80 Prozent der Krankenhausleitungen bauen auf Weiterbildung, um dieser Herausforderung zu begegnen. Die Klinikum Bayreuth GmbH setzt dies jetzt in die Tat um. „Wir vermitteln den Kursteilnehmern über ihre grundlegende Ausbildung hinaus Kompetenzen, mit denen sie schwerstkranke Patienten gut pflegen können“, sagt Pfeiffer.

Für Patienten bedeutet das ein noch höheres Maß an Versorgungssicherheit und Versorgungsqualität. „Wir setzen mit dem Kurs und unserer Weiterbildungsstrategie also ein Zeichen nach außen“, sagt Kursleiter Pfeiffer.

Für die Krankenhäuser – und damit auch für die Klinikum Bayreuth GmbH – bedeutet es zweierlei: „Wir wollen den Mitarbeitenden und Kursteilnehmern zeigen: Du bist uns als Person wichtig“, sagt Pfeiffer. Das ist dringend notwendig, wie Zahlen der Bundesagentur für Agentur zeigen: Auf 100 freie Stellen in der Pflege kommen inzwischen nur noch 66 Bewerber. Durchschnittlich dauert es 128 Tage, um eine frei werdende Stelle wieder zu besetzen. Und: Die Klinikum Bayreuth GmbH will vermeiden, Betten auf den Intensivstationen schließen zu müssen, weil es an Pflegepersonal mangelt.

Für die Teilnehmer bedeutet es eine ganze Menge an Engagement. Während des zweijährigen, berufsbegleitenden Kurses absolvieren die zwölf Teilnehmer 1800 Praxisstunden und lernen in 720 Stunden Theorie, was sie für die Intensiv- und Anästhesiepflege brauchen. „Das heißt 100 Prozent arbeiten – und darüber hinaus lernen“, sagt Pfeiffer. „Das ist anstrengend, ich weiß das aus eigener Erfahrung.“ Umso mehr zieht Pfeiffer den Hut vor seinen Kolleginnen und Kollegen, die es jetzt anpacken.

Eine davon ist Christina Czekalla. Die 27-Jährige arbeitet bereits auf einer Intensivstation der Klinikum Bayreuth GmbH. Der Kurs motiviert sie. „Ich möchte meine Grundkenntnisse festigen und erweitern“, sagt sie. „Damit ich noch mehr Sicherheit in meiner alltäglichen Arbeit bekomme und mein Wissen weitergeben kann.“
Ein möglichst optimaler Weiterbildungsverlauf soll es den Kursteilnehmern leichter machen. „Wir sind ein Haus der maximalen Versorgungsstufe, wir haben die Expertise“, sagt Kursleiter Pfeiffer. Ärzte und erfahrene Pflegekräfte stellen sich als Dozenten zur Verfügung. Aus den Abteilungen zieht der Kursleiter Spezialisten zu bestimmten Themenbereichen hinzu. Externe Dozenten ergänzen das Team.

Zwei Jahre wird dieser Weiterbildungskurs für Intensiv- und Anästhesiepflege dauern. Und es soll nicht der einzige bleiben, auch wenn die Klinikum Bayreuth GmbH erst einmal investiert. „Es ist zunächst teurer, die Kolleginnen und Kollegen im eigenen Haus weiterzubilden, als ihnen einen externen Kurs anzubieten“, sagt Pfeiffer. Aber wenn sie danach auf den Intensivstationen der Klinikum Bayreuth GmbH arbeiten, wenn sie bleiben, amortisiert sich die Ausgabe sehr schnell. „Am Ende haben alle etwas davon“ sagt der Kursleiter. Die Mitarbeiter, das Krankenhaus und vor allem die Patienten.

Info: Die Weiterbildung zu Intensiv- und Anästhesiepflegerinnen und –pflegern hatte die Klinikum Bayreuth GmbH bereits in den Jahren 1992 bis 2004 angeboten. Damals unter der Leitung der jetzigen Schulkoordinatorin, Gabriele Angermann.

Schreibe einen Kommentar