Universität Bayreuth: Utopie und Propaganda im Spiegel der Kunst

Ausstellung im Iwalewahaus: Afrika und die sozialistische Welt zur Zeit des Kalten Krieges

Noch bis zum 21. August 2016 zeigt das Iwalewahaus der Universität Bayreuth Werke von Künstlern und Filmemachern aus Afrika, Asien, Europa und Nordamerika, die sich mit Verbindungen des afrikanischen Kontinents zur Sowjetunion und den ehemals sozialistischen Staaten in Mittel- und Osteuropa auseinandersetzen. Die Ausstellung unter dem Titel „Things Fall Apart“ verweist zurück auf die Anfänge der sowjetischen Ära und reicht über die Zeit des Kalten Krieges bis hin zur Gegenwart und einem zeitgenössischen Blick auf sozialistische Relikte vergangener Zeiten.

Foto und Film als Medien politischer Einflussnahme

Die Ausstellung präsentiert zeitgenössische künstlerische Antworten auf das Interesse der früheren ‚Ostblockstaaten‘ an Afrika, insbesondere auf deren Bestreben, den afrikanischen Kontinent durch Film und Kunst politisch zu beeinflussen. Denn vor allem über das Medium des Films und der Fotografie wurden Verbindungen zwischen Afrika und der kommunistischen Welt geschaffen und publikumswirksam verbreitet. Daher befasst sich der St. Petersburger Filmemacher Alexander Markov in „Our Africa“ (Unser Afrika, 2016) mit Material aus dem staatlichen russischen Film- und Fotoarchiv, um die Mechanismen aufzudecken, mit denen die Ausbreitung des „glorreichen Sozialismus“ über den afrikanischen Kontinent filmisch inszeniert wurde.

Afrika im Spannungsfeld zwischen Ost und West

In Ländern wie Angola, Mosambik, Ghana und Äthiopien unterstützten die Länder des Ostblocks antikoloniale Befreiungskriege, das Streben nach politischer Unabhängigkeit sowie den Aufbau einer sozialistischen Staatsstruktur. Im Bürgerkrieg beispielsweise, der in Angola nach der Unabhängigkeit des Landes von Portugal begann, unterstützten die Sowjetunion und Kuba einerseits und die Vereinigten Staaten andererseits rivalisierende politische Fraktionen, um Einfluss auf den neuen Staat zu gewinnen. Die fotografischen Arbeiten von Kiluanji Kia Henda, der in Lissabon und Luanda lebt und arbeitet, zeichnen Spuren kubanischer und sowjetischer Unterstützung in Angola nach. Drei Fotografien eines Schiffsfriedhofes zeigen verschiedene Ansichten eines ausgedienten sowjetischen Schiffes, das nach dem Scheitern des sozialistischen Staatssystems in Angola zurückgelassen wurde: Sinnbild einer gescheiterten Utopie.

Vielfalt der künstlerischen Positionen

International renommierte Künstler wie Isaac Julien, Milica Tomic, Jo Ractliffe, Onejoon Che, Tonel, Angela Ferreira und Paulo Kapela bringen in ihren Werken weitere zeitgenössische künstlerische Positionen zum Ausdruck. Sie alle setzen sich auf unterschiedliche Weise mit der Utopie des Sozialismus in Afrika und der Ästhetik der kommunistischen Propaganda auseinander. Diese Vielfalt ermöglicht dem Betrachter einen differenzierten Blick auf eine bis heute spannende Thematik.
Weitere Stationen der Ausstellung: London und Lissabon

Die Ausstellung „Things Fall Apart“ ist eine Kooperation des Iwalewahaus Bayreuth mit der Calvert22 Foundation in London und wird im November 2016 von Africa.Cont in Lissabon gezeigt. Im Sommer 2017 erscheint die Begleitpublikation „Red Africa: Affective Communities and the Cold War“ bei Black Dog Publishing (London UK).

  • Kurator: Mark Nash, London
  • Projektleitung Bayreuth: Nadine Siegert, Iwalewahaus Bayreuth
  • Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Filipa César, Onejoon Che, Radovan Cuki und Ivan Manojlovi (Museum of Yugoslav History), Angela Ferreira, Yevgeniy Fiks, Kiluanji Kia Henda, Isaac Julien, Paulo Kapela, Stevan Labudovi und Milica Tomic, Tonel, Alexander Markov, The Travelling Communiqué Group, Jo Ractliffe
  • Ausstellungsführung: Sa. 20.08.16, 14.00 Uhr
  • Führung 7 Euro pro Person incl. Eintritt (Sonderpreis für Gruppen bei vorheriger Anmeldung)
  • Iwalewahaus, Universität Bayreuth, Wölfelstrasse 2 95444 Bayreuth
  • Öffnungszeiten: Di – So, 13.00 – 17.00 Uhr
  • Eintritt 5 Euro / 3 Euro (ermäßigt)

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