Sonn­tags­ge­dan­ken: Sonntag …

Symbolbild Religion

Ein Mensch hat­te ein­mal einen Traum: Der Sonn­tag wur­de offi­zi­ell abge­schafft. Die „Rund-um-die-Uhr-Gesell­schaft“ hat­te sich durch­ge­setzt. Es gab sie­ben Werk­ta­ge in der Woche, und es herrsch­te unter den Men­schen die tota­le Fle­xi­bi­li­tät. In den Geschäf­ten, Betrie­ben und Behör­den wur­de jeden Tag rund um die Uhr gear­bei­tet. Natür­lich: Jede Frau, jeder Mann konn­te selbst­stän­dig einen oder zwei Tage in der Woche frei neh­men. Man­che mein­ten begei­stert, nun wäre das Para­dies auf Erden ange­bro­chen. Doch mit der Zeit spür­ten die Men­schen, dass etwas ganz schief gelau­fen sein muss­te. Die­se ver­meint­li­che Frei­heit hat­te nach und nach ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen: Fami­li­en lösten sich auf, für zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen war kei­ne gemein­sa­me Zeit mehr vor­han­den, Kar­rie­re und Geschäft, Pro­fit und Kon­sum wur­den zu den zen­tra­len Lebens­maß­stä­ben, das Mit­ein­an­der der Men­schen im Wohn­vier­tel, in der Gemein­de und im Ver­ein brach zusam­men. Die Men­schen fühl­ten sich iso­liert. Ein Alb­traum! … Der Mensch wach­te schweiß­ge­ba­det auf.

Nur ein Albtraum?

Pfarrer Klaus Weigand (rechts) mit Urmel ...

Pfar­rer Klaus Weig­and (rechts) mit Urmel …

Lie­be Freun­de, ich weiß nicht, ob das noch lan­ge ein Alb­traum blei­ben wird, oder ob die­ser Alb­traum nicht gera­de dabei ist, Wirk­lich­keit zu wer­den? Für vie­le heu­te ist der Sonn­tag, der freie Tag, mitt­ler­wei­le so zur All­täg­lich­keit gewor­den, dass sie kaum noch etwas Sinn­vol­les damit anfan­gen kön­nen. Er ist so zur Selbst­ver­ständ­lich­keit gewor­den, dass er für vie­le Men­schen gar nichts Beson­de­res mehr ist, und da ist es kein Wun­der, dass man, wenn man mit die­ser frei­en Zeit nichts mehr anfan­gen kann, die­se mit vie­len Din­gen wie­der anfüllt, die sich kaum von der all­täg­li­chen Arbeit unterscheiden.

Ist es nicht ver­rückt? Da wird der Ruf nach Frei­zeit immer lau­ter, aber vie­le wis­sen nichts mehr damit anzu­fan­gen, und des­we­gen wird auch die freie Zeit wie­der voll­ge­stopft mit allen mög­li­chen Ter­mi­nen: Man macht sich selbst in der Frei­zeit neu­en Stress.

Damit freie Zeit mir gut tut, dazu braucht es anschei­nend mehr, als allein den Umstand, dass ich sie halt habe. Damit Frei­zeit mir gut tut, dazu muss ich anschei­nend erst wis­sen, wie ich sie nut­zen kann – und vor allem, wie ich sie sinn­voll fül­len kann! Offen­sicht­lich kön­nen die wenig­sten das von allein, schein­bar muss man auch das halt erst ler­nen und ganz offen­sicht­lich braucht man dazu auch eine Anleitung.

Das alte Volk Isra­el hat­te dazu eine gute Anlei­tung. Da hieß es: Der Sab­bat ist ein Tag in der Woche, und die­ser Tag wird dir geschenkt; ein Tag, der dir geschenkt wird, damit er Dir gut tut. Hal­te ihn hei­lig! Das bedeu­tet nichts anders als: Unter­schei­de die­sen Tag von den an ande­ren Tagen! Viel­leicht müs­sen wir das wie­der ganz neu von Isra­el ler­nen. Viel­leicht müs­sen wir uns das wie­der ganz neu bewusst­ma­chen. Des­we­gen wün­sche ich Ihnen von gan­zem Her­zen, dass Sie den Mut haben, den Sonn­tag nicht mit Ter­mi­nen voll­zu­stop­fen, son­dern als hei­li­gen Tag zu nut­zen – als Tag, der ihnen gut­tut. Wenn die gan­ze Woche über ein Ter­min den ande­ren jagt, sagen Sie: „Halt!“ Lösen Sie den Sonn­tag unter all den Wochen­ta­gen her­aus und nut­zen Sie die­sen Tag für sich selbst, für Ihre Fami­lie und für Ihre Lie­ben und Freun­de. Viel­leicht ist es am Anfang gar nicht so ein­fach, aber wenn Sie es wagen, wer­den Sie spü­ren, dass es ein guter Tag ist, der Ihnen und den Ihri­gen guttut.

Ich wün­sche Ihnen einen guten, erhol­sa­men Sonntag!

Klaus Weig­and


Wei­te­re Sonn­tags­ge­dan­ken

Infos zu Pfar­rer Klaus Weigand

  • Gebo­ren 1966 in Erlen­bach am Main (Unter­fran­ken)
  • Abitur am The­re­sia­num in Bam­berg 1989
  • Stu­di­um der Kath. Theo­lo­gie in Bam­berg und Wien
  • Prie­ster­wei­he 1998
  • Tätig­kei­ten:
  • Fürth, Christ­kö­nig von 1997 – 2010
  • Bucken­ho­fen als Pfarr­ad­mi­ni­stra­tor 2010 – 2015
  • seit 2015 in Herolds­bach und Hausen

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